Ernst Augustin: Raumlicht: Der Fall Evelyne B.

Und noch ein gutes Buch aus meiner Urlaubslektüre! Ich les ja gerne und wenn ich Zeit hab auch viel. Da ist es schön, wenn man ab und zu einen neuen Autor entdeckt. Von Ernst Augustin hab bis vor ein paar Monaten noch nie etwas gehört (mir ist eines seiner Bücher in einer Buchhandlung aufgefallen). Er ist kein junger, neuer Bestsellerschreiber, sondern er steht schon im Herbst seines Lebens. Er wurde 1927 geboren und arbeitete als Neurologe und Psychiater. Jahrelang war er in Afghanistan tätig und er war auch eine Zeit lang in Indien. Schon von der Lebensgeschichte her ein sehr interessanter und breiter Hintergrund.

Augustin hat verschiedene Romane geschrieben und von seinem beruflichen Hintergrund her geht es ihm natürlich um die Faszination der menschlichen Psyche. In dem Buch Raumlicht geht es im speziellen um die Schizophrenie. Von den Schauplätzen her ist anzunehmen, dass Augustin hier sehr viel persönliche Erfahrungen mit eingebaut hat. Die Geschichte spielt nämlich in München (wo Augustin lange Zeit als psychiatrischer Gutachter gearbeitet hat), in Afghanistan und in Indien.

Die Hauptperson ist ein Neurologe, der sich insbesondere mit dem Krankheitsbild der Schizophrenie beschäftigt. Ganz besonders fasziniert ihn das Schicksal einer jungen Patientin, Evelyne B. Der Arzt merkt, dass mit den üblichen ärztlichen Methoden des 20. Jh. dieser Frau nicht wirklich zu helfen ist. Durch seine Erfahrungen in Afghanistan und Indien versucht er eine Therapie zu entwickeln, die die Schizophrenie nicht bekämpft, sondern bei der dem Patienten geholfen wird, seine Wahrnehmung der Welt in ein möglichst normales Leben zu integrieren.

An einigen Stellen wird deutlich, dass unsere Sicht der Welt nicht so eindeutig und klar ist, wie wir das manchmal meinen. Die Eierschale der Wirklichkeit ist manchmal sehr dünn und zerbrechlich. Das, was wir für die offensichtliche Oberfläche der Wirklichkeit halten, ist eigentlich nur ein Konsens der Masse. Was die meisten als „normal“ ansehen gilt in unserer Gesellschaft dann auch als die normative Sicht der Realität.

Augustin ist nicht immer so leicht und flüssig zu lesen. So manches mal verwirrt er ganz bewusst den Leser und macht es ihm schwer seiner Geschichte zu folgen. Aber das liegt nicht an mangelnden schriftstellerischen Fähigkeiten, sondern im Gegenteil: er setzt seine Fähigkeiten ein, um den Leser über seine eigene Sicht der Wirklichkeit stolpern zu lassen…

Auf jeden Fall eine inspirierende und herausfordernde Lektüre. Ich werde auf jeden Fall noch mehr von Augustin lesen. Als Christen haben wir ja in manchen Dingen auch eine andere Sicht der Realität, als die große Masse um uns herum. Und so mancher hält uns deswegen für nicht ganz normal. Die Frage ist, ob wir tatsächlich Verrückt sind, oder ob wir eine tiefere Sicht unserer Wirklichkeit haben, als manch andere… 😉

Bewerte diesen Artikel

Ein Gedanke zu „Ernst Augustin: Raumlicht: Der Fall Evelyne B.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.