Ernst Augustin: Der amerikanische Traum

Das ist der dritte Roman, den ich von Ernst Augustin lese. Er ist völlig anders und doch in gewisser Weise ähnlich, wie die anderen beiden (Eastend und Raumlicht). Die Sprache und das Genre ist ein total anderes. Während die anderen beiden eher Psychoromane sind ist dieses Buch eher eine Detektivgeschichte oder ein Thriller Pistolen, Gewehren und exotischen Schauplätzen. Auch die Sprache ist eine andere, weil Ernst Augustin hier bewusst den Stil von amerikanischen Detektivgeschichten imitiert. Doch auch hier geht um die grundsätzliche Frage, was Wirklichkeit ist und wie unser Blick auf die Welt unsere Realität beeinflusst.

Zur Geschichte: Die Rahmenhandlung spielt im 2. Weltkrieg. Eine gelangweilte amerikanische Fliegerbesatzung beschießt aus „Spaß“ einen träumerischen Jungen, der gerade mit einem Fahrrad auf einem einsam Weg unterwegs ist. Der Junge wird getroffen und die eigentliche Handlung des Buches entspringt dann der blühenden Fantasie des sterbenden Jungen. Er träumt in den letzten Sekunden vor dem Tod sein ganzes zukünftiges Leben.

Es ist ein Traum von Rache: Als Hawk Steen, ein relativ erfolgloser Privatdetektiv, nimmt er Rache an der Drei-Mann-Besatzung des Fliegers. An exotischen und skurrilen Schauplätzen wird er vom Jäger zum Gejagten. Am Ende entgeht er nur knapp dem Tod. Aber in seinem Traum bleibt er am Ende am Leben und seine drei Mörder müssen für ihre Schuld bezahlen.

Faszinierender Roman. Wer dieser Hawk Steen ist, bleibt lange in der Schwebe, erst ganz am Schluss wird das Rätsel gelöst. Und in dieser Gesamtkonstruktion des Romans kommt dann Augustins Interesse an der Frage nach der Wirklichkeit unseres Lebens zum Tragen. Was ist das Leben? Was ist Wirklichkeit? Der sterbende Junge phantasiert sich in wenigen Augenblicken ein ganzes Leben zusammen und stirbt dann erfüllt und zufrieden. Ist das weniger Wirklichkeit, als das was wir Wirklichkeit nennen?

Vom Schreibstil her tat ich mir eher schwer. Man merkt, dass Augustin hier nicht seinen eigenen Stil schreibt, sondern einen anderen Stil imitiert. Das wirkt manchmal etwas gezwungen und unpassend. Aber naja, das gehört eben auch zur Gesamtkonzeption des Buches. Schön, wenn anspruchsvolle Literatur so nebenbei auch richtig spannend und unterhaltend sein kann.

Bewerte diesen Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.