Epheser 4, 7-10 Seltsamer Schriftbeweis

Seltsame Überleitung. Paulus kommt von der Einheit der Gemeinde auf die Vielfalt der Gaben zu sprechen. Die Neue Genfer Übersetzung schreibt hier: „Jedem Einzelnen von uns hat Christus einen Anteil an den Gaben gegeben, die er in seiner Gnade schenkt.“ (V.7) Die Begründung dafür, dass Christus der Geber dieser Gaben ist, wird in einem typisch rabbinischen Schriftbeweis geführt, der uns heute ziemlich weit hergeholt erscheint.

Paulus zitiert Psalm 68,19, allerdings in einer völlig anderen Bedeutung als er im ursprünglichen Zusammenhang dasteht. Im Original geht es darum, dass Gott wie ein Kriegsherr nach dem Sieg triumphal den Berg Zion zum Tempel hinaufzieht, Gefangene mitbringt und Gaben empfangen hat. Paulus liest diesen Vers christologisch und macht in Weiterentwicklung einer bestimmten rabbinischen Auslegung aus den empfangenen Gaben kurzerhand Gaben, die verteilt werden.

Im Theologieexamen wäre er damit sang- und klanglos untergegangen. Er reist einen Text aus seinem ursprünglichen Kontext heraus, zitiert nicht einmal richtig und verdreht die Bedeutung.

Von der Art der Schriftauslegung her unterscheidet sich Paulus damit wenig von anderen damaligen Schriftgelehrten und Pharisäern. Ich denke, er nutzt die damals anerkannten und üblichen Methoden der Schriftauslegung und kommt trotzdem zu ganz anderen Ergebnissen, weil er die Schrift im Licht Christi und unter der Leitung des Heiligen Geistes liest. Wahrscheinlich würde er es heute ähnlich machen: er würde die heutigen Methoden und Hilfsmittel gebrauchen und sich dabei von Gott leiten lassen.

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