Epheser 1, 3-6 Unlogisches Lob Gottes

Neben Röm. 8,28-30 ist das der klassische Text, mit dem eine biblische Prädestinationslehre begründet wird. Prädestination bedeutet Vorherbestimmung und besagt somit, dass Gott schon von Anfang an festgelegt hat, welche Menschen errettet werden. Unterscheiden muss man zwischen einer einfachen Prädestination und einer doppelten. Die doppelte Prädestinationslehre besagt, dass Gott sowohl vorherbestimmt hat, wer errettet wird, als auch wer nicht errettet wird. Die einfache Prädestinationslehre sagt, dass man von der Bibel her nur sagen kann, dass Menschen zum Heil erwählt sind, aber aus dieser Aussage nicht den Umkehrschluss ziehen kann, dass bestimmte Menschen zum Verderben vorherbestimmt sind.

Schwieriges Gelände! Von den Stellen Eph. 1,3-6 und Röm. 8,28-30 her kann man jedenfalls nur von einer einfachen Prädestination sprechen. Gott hat Menschen zum Heil erwählt. Daraus den negativen Umkehrschluss zu ziehen klingt zwar logisch, ist aber theologisch gefährlich und steht eben so ganz bewusst nicht in den Texten drin.

Für mich ist wichtig: Die Prädestination betont die Gnade Gottes. Es liegt nicht an menschlicher Leistung, wenn ich zum Glauben komme und errettet werde, es ist ganz und gar Gnade (vgl. Luthers sola gratia). Die Bibel drückt es damit aus, dass Gott uns schon bevor wir überhaupt am Leben waren, zum Heil erwählt hat. Daneben betont die Bibel aber immer wieder die Verantwortung des Menschen: Gott ruft den Menschen und er hat die Freiheit darauf zu antworten – mit Ja oder Nein. Rein logisch gesehen passt beides nicht zusammen. Aber biblisch gesehen anscheinend schon! Wir müssen beides festhalten: Alles ist Gnade und doch ist der Mensch voll verantwortlich für seine Entscheidung (vgl. dazu auch den Artikel zu Bonhoeffers Nachfolge: „Der Ruf in die Nachfolge“).

Zu beachten bei dem Text ist auch, dass Paulus hier keine theologisch-dogmatischen Lehrsätze festklopfen will, sondern dass er die Größe und Liebe Gottes loben möchte. „Zum Lob seiner herrlichen Gnade, mit der er uns begnadet hat in dem Geliebten“ (V.6), schreibt er diesen Abschnitt. Er möchte die Gnade Gottes groß machen und nimmt dabei auch logische Schwierigkeiten in Kauf (die ihm als scharf denkenden Theologen und gut ausgebildeten Schriftgelehrten klar gewesen sein müssen). Wichtiger als strenge theologische Logik ist ihm der Lobpreis Gottes!

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3 Gedanken zu „Epheser 1, 3-6 Unlogisches Lob Gottes“

  1. Ich finde das auch eine ganz problematische Stelle. Wie du schreibst, ist es logisch, dass es neben auserwählten auch nicht-auserwälte gibt. Es kann auch sein, dass alle auserwählt sind, aber der Text suggeriert doch, dass Gott sich einige Menschen rauspickt, die dann seine Gnade erhalten, andere nicht. Klingt für mich nach Zeugen Jehowas. Und nach Ungerechtigkeit. Das kann also nicht gemeint sein.
    Vielleicht gibt es aber tatsächlich Wesen, die das Gute ablehnen und die sind dann nicht auserwählt. Aber ich glaube, dass Jesus uns darauf hinweisen will, dass wir uns darüber kein Urteil bilden sollen, da wir nicht richten sollen und Gott der einzige Richter ist.

  2. Hallo lali,
    danke für Deinen Kommentar!
    Ich glaube auch, dass wir uns darüber kein Urteil bilden sollten. Gott ist der Richter und das ist gut so. Er ist auf jeden Fall ein gerechter Richter.
    Von der Aussageabsicht der Texte her ist klar, dass Paulus hier keine Prädestinationslehre aufstellen will, sondern es geht um Trost, Ermutigung und das Lob der Größe Gottes…

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