Die Welt überwunden

Noch ein paar Tage bis zur Operation meines Gehirntumors (am 16. April). Ich lebe in einer seltsamen Mischung von Angst und Zuversicht. Ich halte es für falsch, wenn wir sagen, dass wir als Christen keine Angst zu haben brauchen. Wenn manche sogar sagen, wir dürfen keine Angst haben, dann halt ich das für gefährlich. Natürlich haben wir auch als Christen Angst. Das ist etwas ganz Natürliches und Normales. Das hat uns Gott als Schutzfunktion mit in die Wiege gelegt. Wenn wir in Gefahr sind, dann ist Angst die ganz normale Reaktion. Wenn wir am Abgrund stehen, dann ist es ganz gut, wenn wir Angst davor haben, hinunter zu fallen.

Jesus sagt das auch ganz nüchtern: „In der Welt habt ihr Angst.“ (Joh. 16,33) Da gibt es nichts zu beschönigen, das ist einfach so. Auch vor meiner OP hab ich Angst. Je näher der Termin rückt, desto mehr tauchen Ängste und ein mulmiges Gefühl aus dem Unterbewusstsein an die Oberfläche auf. Ich halte nichts davon, diese Ängste einfach zu verdrängen. Womöglich noch im christlichen Gewand: „Du bist doch Gottes Kind, dir kann gar nichts passieren!“ Doch! Auch als Gottes Kind kann ich sterben – alle Kinder Gottes sterben früher oder später… Nur eine rosarote Brille aufzusetzen und zu sagen: „Als Christ ist immer alles ganz toll und prima“, das ist letztendlich kein echter Trost und kein echter Halt.

Es geht nicht um ein Verdrängen oder ein Übertünchen der Angst, es geht nicht darum, die Angst weg zu lächeln, sondern es geht darum, an dem fest zu halten, der stärker ist als alle Angst. Jesus sagt: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ (Joh. 16,33) Als Mensch lebe ich in der Welt und folglich auch immer wieder in der Angst. Nicht ich selbst habe die Welt überwunden, sondern Jesus. Meine eigene Angst kann ich nur in der Verbindung mit Jesus überwinden. Als Christ werde ich nicht frei von Angst, aber ich bin gehalten und getröstet in dem, der die Welt überwunden hat. Wo es mir gelingt auf diesen Jesus zu schauen, da werde ich durch die Angst hindurch gehalten. Aber es gelingt eben nicht immer und ständig, sondern oft nur ansatzweise.

Am letzten Sonntag haben wir mit unserer Band im Gottesdienst die Musik gemacht. Als letztes Lied haben wir gespielt: „Halleluja, der Herr regiert.“ Trotz aller Angst halte ich daran fest: Der Herr regiert. Egal wie die OP ausgeht. Ich sage das nicht blauäugig oder leichtfertig. Während des Liedes blieb mir an einer Stelle selbst der Atem weg und die Worte blieben im Hals stecken. Aber auch meine Angst und mein Erschrecken ändert nichts daran. Es bleibt dabei: Halleluja, der Herr regiert! Er hat die Welt überwunden.

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3 Gedanken zu „Die Welt überwunden“

  1. Es ist ja immer so eine Sache mit frommen Wünschen. Mancher kann sie nicht mehr hören, weil sie manchmal so „billig“ rüberkommen.
    Aber DAS hier ist nicht billig:
    Der Herr umgibt Dich!
    Die OP mag wie das dunkle Todestal sein – aber ob Du es fühlst oder nicht – der Herr leitet Dich hindurch.

    GOTT IST MIT DIR!

  2. Ich verstehe selbst viel zuwenig von Gott um Ratschläge oder sonst was zu geben. Ich weiß nur, dass Gott gut ist und er dich liebt.

    Ich kann Dir leider nur wenig beistehen, nur an Dich denken und für dich beten – das will ich tun!

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