Die Operation

von windhauch

Am Montagmorgen wurde ich operiert. Ich war als erster dran und bin im Nachhinein ganz froh, dass ich nicht am Freitag Nachmittag als Letzter dran war… So hatte ich einen gut ausgeruhten Chirurgen (dazu noch einen Prof. statt eines Doktors ;) ). Die OP hat wohl vier Stunden gedauert und war “knifflig”. Der Tumor ist weit in das Gehirn reingewachsen und der Chirurg hatte Beführchtungen, dass meine Beine danach nicht mehr funktionieren. Und tatsächlich: Nach dem ersten aufwachen konnte ich beide Beine nicht anheben.

Das wurde aber im Lauft des Abends besser und heute laufe ich schon wieder mit Gehwägelchen durchs Krankenhaus. Das rechte Bein ist soweit wieder okay. Auf der rechten Gehirnseite ist der Tumor tiefer reingewachsen, so dass das linke Bein nun mehr Schwierigkeiten macht. Ich muss wieder neu lernen zu laufen. Das ist gar nicht so einfach, wenn das Gehirn und die Muskeln nicht so wollen, wie man selbst will. Konkret ist das linke Knie noch etwas schwach und wackelig und ich habe Probleme die linke Fußspitze abzuheben und rund abrollen zu lassen. Aber mit den Beinen meint der Prof.: Das wird wieder! In zwei bis drei Wochen sieht das schon ganz anders aus.

Der Tumor konnte zum größten Teil entfernt werden. Der Haupttumor hat den Sinus an der Schädeldecke abgedrückt, das ist der Hauptblutabfluss im Gehirn. Wenn der plötzlich abgedrückt wird, ist innerhalb von wenigen Minuten Ende. Durch den langsam wachsenden Tumor haben sich neue Blutabflüsse am Tumor vorbei gebildet und sind weiter hinten wieder in den Sinus reingewachsen. Gerade an dieser Schnittestelle sitzt noch ein kleiner Resttumor. Diesen auch noch rauszumachen wäre für das Gehirn zu viel Risiko gewesen.

Jetzt muss man die endgültige Tumoruntersuchung noch abwarten, ob es ein wirklich langsam wachsender Tumor ist oder ob es ein bischen schneller wachsender (aber doch auch gutartiger) Tumor ist. Nach drei Monaten wird die erste Nachuntersuchung sein. Und je nachdem, was bei diesen beiden Untersuchungen heraus kommt, legt man den Abstand für weitere Vorsorgeuntersuchungen fest. Bei diesem kleinen Resttumor kann man dann auch ohne Operation durch Bestrahlen behandeln. Zunächst mal ist keine direkte Nachbehandlung notwendig.

Was mir im Moment noch zu schaffen macht, ist ein Bluterguss an der Kopfnarbe. Da sammelt sich zwischen Haaransatz und Schädeldecke Blut und Wasser. Wenn ich meinen Kopf hin- und herbewege höre ich die Flüssigkeit blubbern… Heute morgen haben sie mich deswegen schon punktiert, d. h. mit einer Nadel etwas Flüssigkeit abgesaugt. Aber auch das ist zum jetztigen Zeitpunkt nicht weiter beunruhigend. Es verlängert wohl etwas meine Zeit hier im Krankenhaus.

Heute war meine Frau für viele Stunden zu Besuch. Wir sind unter anderem nach draußen gegangen und haben uns gemeinsam auf eine Bank gesestzt und uns im Arm gehalten. Da hab ich mich halb im Himmel gefühlt – Glückseligkeit. Nur so dasitzen, nicht viel reden, den Menschen den man liebt spüren, … Ich habe eine ganz tiefe Verbundenheit, Gemeinschaft und Liebe gespürt. Eine Tiefe, die wir nicht so leicht erlebt hätten, wenn wir nicht gemeinsam durch die Tiefe gegangen wären und von Gott getragen worden wären. Danke, Gott!

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