Deuteronomium 6, 4-5 – Gottes dunkle Seiten

Heute geht es um das „Glaubensbekenntnis Jesu“. Ja, richtig gelesen. Fand ich einen interessanten Gedanken von Klaus Douglass. Er stellt fest, dass dieser Text aus Dtn.6,4f das jüdische Glaubensbekenntnis ist, das auch heute noch fromme Juden mindestens einmal am Tag beten. Auch Jesus hat das so gesehen. Auf die Frage nach dem wichtigsten Gebot, also nach dem Zentrum aller göttlichen Worte, antwortet er eben mit diesem Glaubensbekenntnis (das im Hebräischen nach seinen Anfangsworten Schema Jisrael genannt wird). Es gibt nichts wichtigeres, als Gott von ganzen Herzen, mit ganzer Seele und mit all unserer Kraft zu lieben. Jesus fügt dann noch hinzu, dass es genau so wichtig ist, seinen Nächsten wie sich selbst zu lieben (Mt. 22,36-40).

Noch viel heißer ist der folgende Satz von Klaus Douglass (es geht im Zusammenhang darum, dass es für uns manchmal schwierig ist, Gott zu lieben, weil sein Handeln nicht immer verstehen): „Wir alle wissen, dass Gott nicht nur helle, sondern auch dunkle Seiten hat.“ (S.127) Mein erster Gedanke: Aber hallo?!? Wie bitte?!? Das ist ja ganz schön gewagt, vor allem mit dieser Selbstverständlichkeit: „Wir alle wissen…“. Und dann gibt es doch diese Stelle im Johannesbrief (1.Joh.1,5): „Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis.“

Dann hab ich weiter gelesen: „Irgendwann im Himmel, davon bin ich überzeugt, werden sich auch diese Seiten als hell erweisen, und alle unsere Fragen werden beantwortet werden.“ – Puh, da hat er ja gerade noch die Kurve gekriegt ;). Also Gott an sich hat keine dunklen Seiten, aber uns erscheint hier auf Erden manches dunkel und unverständlich. Im Himmel wird uns dann erst klar, dass das scheinbar dunkle auch hell ist. Okay, so kann ich das auch sehen…

Ich finde es gut, dass Douglass immer wieder unser frommes Denken provoziert. Mir geht es ja ehrlich gesagt auch manchmal so, dass ich Gottes Handeln dunkel und unverständlich finde. Dann sind wir schnell dabei zu sagen, dass Gott Licht ist und keine Finsternis in ihm wohnt und dass wir deshalb nicht so denken dürfen. Aber warum eigentlich nicht? Die Psalmen tun das doch auch dauernd! Warum sollen wir unsere Enttäuschung und unser Unverständnis immer so schnell runterschlucken und unterdrücken?

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