Der Skeptiker und der Heilige Geist

Ich bin kein Charismatiker. Da ist mir viele zu abgedreht und überspannt. Aber dieses Buch eines Charismatikers hat mir gefallen (S. Großmann: Ich brauche täglich deine Kraft). In dem kompakten Buch behandelt Großmann im ersten Kapitel allgemein den Heiligen Geist und seine Wirkungen und in zwei weiteren Kapiteln die Gaben des Geistes. Es geht ihm nicht um das Spektakuläre und Besondere, sondern darum, wie sich der Geist Gottes im Alltag auswirken kann. Dazu bringt er auch zu allen Gaben anschauliche Beispiele.

Mir gefällt seine nüchterne Art und seine Betonung, dass die Gaben des Geistes kein Selbstzweck sind, sondern dass mit den Gaben auch immer Auf-Gaben verbunden sind. Der Geist ist nicht da, um mich „high“ zum machen, sondern um mich zu befähigen, anderen zu dienen.

Großmann gibt allerdings auch ehrlich zu, dass die Einschätzung und Deutung der Geistesgaben an manchen Stellen gar nicht so einfach ist. Das Neue Testament gibt uns keine umfassende Lehre dazu. Ein paar Gaben werden ausführlicher behandelt (wohl weil schon damals der Umgang damit umstritten war), aber die meisten tauchen einfach nur in Aufzählungen auf und wir haben nichts weiter als den griechischen Begriff und die Erfahrungen die wir Christen mit Dingen machen, die vielleicht etwas mit dem Begriff zu tun haben. Daher war ich an manchen Stellen skeptisch: Ist es nicht besser, dass wir manchmal zugeben, dass wir nicht genau wissen um was es geht, anstatt alles Mögliche hinein zu interpretieren? Das ist genau meine Skepsis gegenüber vielen charismatischen Erfahrungen: Werden da nicht einzelne Dinge aus der Bibel herausgegriffen, diese mit eigenen Erfahrungen vermischt und dem ganzen dann ein viel zu hoher Stellenwert eingeräumt?

Trotz aller Skepsis hat dieses Buch mir wieder deutlich gemacht, dass Gott durch seinen Geist in uns wirkt. Er begabt jeden von uns. Und es ist wichtig, dass wir lernen im Alltag auf die leise Stimme Gottes zu hören. Ich würde das mit dem Stichwort „Intuition“ verbinden. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott in uns die richtigen Gedanken und Worte eingeben kann. Das bleibt allerdings immer auch ein Wagnis, weil wir – soweit ich weiß – immer noch in einer gefallenen Welt leben und wir Gottes Wirken immer nur gebrochen und unvollständig wahrnehmen können.

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