Den Weg verloren

„Hast du manchmal auch das Gefühl, dass du den Weg verloren hast?“ Ja, das hab ich. Und es ist nicht nur ein Gefühl. Es gibt keinen Weg mehr. Nur noch Nebel. Augen zu und durch?!?

Lange Zeit hab ich Ziele vor Augen gehabt. Es war mir nicht in allem klar, welche Wege Gott mit mir geht.Aber ich hatte das Gefühl, auf ein Ziel zuzugehen. Jetzt müsste ich eigentlich kurz davor stehen – aber ich kann nichts mehr entdecken. Es ist als ob Gott mich in einem großen Haus durch viele verwinkelte Gänge geführt hat, die Treppen hoch und runter,… und schließlich in ein Zimmer. Ein leeres dunkles Zimmer. Dann hat er sich umgedreht, ist gegangen und hat die Tür hinter sich zu gemacht. Was soll ich jetzt hier? Ich hab gedacht, dass Gott mich für irgendwas und irgendwie gebrauchen könnte. Aber ich kann nichts sehen. Keine Ergebnisse, keine Erfolge, nichts bleibendes. Nur ein „sich durch wursteln“.

Nüchtern betrachtet könnte man das als Midlife-Crisis diagnostizieren. Die Zeit der Begeisterung und großen Träume ist vorbei, man hat vieles erreicht (ohne doch so richtig das „Eigentliche“ erreicht zu haben). Familie, Frau, Kinder, Beruf,… Man lebt vor sich hin, könnte eigentlich glücklich sein – ist es aber nicht. Man blickt auf die Hälfte des Weges zurück und fragt sich, wo man eigentlich hin wollte. Man fragt sich: Ist das das große Ziel – glücklich sein? Und wenn man glücklich ist, ist das Ziel dann, noch glücklicher zu werden?

Um nicht zu verzweifeln, versucht man sich abzulenken. Zerstreuung. Medien. Sich verlieren in den endlosen Weiten des Netztes. Selbstgemachter Stress. Die kleinen harmlosen und weniger harmlosen Süchte eines Durchschnittsbürgers. Nur nicht wirklich zur Ruhe kommen. Die alltäglichen kleinen Sorgen und Probleme („verdammt, an dieser Tankstelle wäre das Diesel zwei Cent günstiger gewesen…“), die einen von den wirklich großen Fragen fernhalten. Man lässt sich einreden, dass man dies oder jenes noch braucht, um glücklicher zu sein – man macht sich auf die Jagd und freut sich kurz über eingefangene Seifenblasen, die dann doch alle wieder zerplatzen.

Naja, wie auch immer. Wär schön, wenn Gott das Licht wieder anknipsen würde und ich wenigstens eine kleine Ahnung über die weitere Richtung des Wegs bekommen könnte…

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