Cormac McCarthy: All die schönen Pferde

John Grady ist sechzehn Jahre alt und nichts hält ihn mehr zu Hause in Texas. Zusammen mit seinem Freund Lacey Rawlins reitet er zu Pferd nach Mexiko. Unterwegs schließt sich ihnen Jimmy Blevis an, ein noch jüngerer Ausreißer, der die beiden in ziemliche Schwierigkeiten bringt. Die beiden Freunde kommen jedoch ungeschoren davon und finden auf einer Farm Arbeit. John Grady besitzt ein einmaliges Talent für das Zureiten von Pferden und das kann er bei seinem wohlhabenden Arbeitgeber mit Erfolg einsetzen. Die Beiden sind eigentlich am Ziel ihrer Träume.

Doch John Grady verliebt sich in die Tochter des Farmbesitzers. Das geht nicht lange gut, denn diese Beziehung stößt beim Vater und der Tante auf wenig Gegenliebe. Die beiden Freunde werden überraschend festgenommen und ins Gefängnis geworfen. Ihnen ist lange nicht klar warum eigentlich. Sie geraten in einen Albtraum aus Gewalt und knallhartem Überlebenskampf

Der Roman ist ein moderner Western, der im Jahr 1949 spielt. Es werden große Gefühle und Wertvorstellungen durchexerziert und vor allem gegen Ende wird auch eine gehörige Portion Pathos darunter gemischt. Aber trotzdem rutscht die Geschichte nicht ins sentimental-kitschige ab. Das liegt vor allem an der Sprachgewalt und der nüchternen Darstellungskraft des Autors. McCarthy verzichtet auf jegliche offensichtliche Kommentierung seiner Geschichte und beschreibt keine Gefühle auf direkte Art. Dir großen Gefühle werden durch knappe und wortkarge Dialoge verdeutlicht und sind an den Handlungen der Personen ablesbar.

Ich tat mich anfangs etwas schwer mit dem Schreibstil. Manche Details werden bis ins Einzelne beschrieben, McCarthy setzt keine Anführungszeichen und die Dialoge sind teilweise in Spanisch. Wobei sich der Inhalt der spanischen Dialoge meist recht gut aus dem Zusammenhang entwickelt. Und nach ca. einem Drittel des Buches gewinnt die zunächst etwas langatmige Handlung an Fahrt, so dass mich der Roman bis zum Ende gefesselt hat. Gerade der eigenwillige Stil passt zur Geschichte und zieht den Leser in die beschriebene Welt mit hinein.

Gefallen hat mir die klassisch lineare Erzählweise, ohne effekthaschende Vor- und Rückblenden oder Perspektivewechsel. Schön auch dass McCarthy sich traut, auch in der Postmoderne noch von großen Themen wie Liebe, Ehre, Schuld und Tod zu schreiben. Der Roman verdeutlicht, dass es auf die großen Fragen keine naive schwarz-weiß Antworten gibt. Aber er verdeutlicht auch, dass in unsere komplexen Welt nicht einfach alles relativ und alles egal ist.

Zitat

„John Grady blickte dem Mädchen nach. Er hatte eigentlich etwas sagen wollen, aber ihre Augen hatten die Welt in der Spanne eines Herzschlages für immer verändert.“ (Hardcover, S. 118)

(Amazon-Link: McCarthy: All die schönen Pferde)

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