Richter 21 Am Ende bleibt die Hoffnung

Immerhin: das Richterbuch endet einigermaßen versöhnlich. Das Volk versammelt sich zum Gottesdienst und sie freuen sich nicht über den Sieg über den Stamm Benjamin, sondern sie trauern. Sie wollen den übrig gebliebenen Benjaminitern sogar helfen, um weiter überleben zu können. Die Mittel um den übrigen Männern von Benjamin Frauen „zu beschaffen“ sind allerdings ziemlich fragwürdig…

Am Ende bleibt die Hoffnung. Die Israeliten damals setzten ihre Hoffnung auf einen irdischen König (V.25). Den bekamen sie auch und es ging eine Zeit lang gut. Aber dann kam doch wieder das Chaos. Mir geht es heute als Christ manchmal ähnlich: am Ende bleibt die Hoffnung. Man erlebt so manches mal Gottes Hilfe und Eingreifen. Aber es bleibt trotz Jesus Christus und dem Heiligen Geist, durch den er in uns wohnt, immer noch so viel Chaos in unserer Welt. Auch wir haben die Vollkommenheit noch nicht in der Hand, auch wir leben noch im Glauben und Vertrauen und nicht im Schauen. Aber die Hoffnung bleibt.

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Richter 20 Zum Glück sind wir anders…

Anstatt die eigenen Fehler einzusehen und gemeinsam gegen das Böse zu kämpfen, fängt der Stamm Benjamin an gegen die anderen Stämme des Volkes Gottes zu kämpfen. Das führt zu hohen Verlusten auf beiden Seiten.

Zum Glück ist das eine alte Geschichte aus längst vergangenen Zeitenund wir Christen heute handeln natürlich völlig anders! Wenn wir Fehler gemacht haben, sehen wir sofort ein, dass wir im Unrecht sind. Wenn wir andere verletzt haben, dann tut es uns natürlich von Herzen leid, wir entschuldigen uns, sind zur Vergebung und Versöhnung bereit und sind schnell wieder ein Herz und eine Seele. Wir kämpfen nicht gegen Glaubensgeschwister, sondern wir dienen ihnen in Demut und oft unter großer Selbstverleugnung. Bei Streitigkeiten fragen wir uns zuerst, was wir selbst falsch gemacht haben und haben großes Verständnis für die Unzulänglichkeiten des Anderen. Ja, zum Glück hat dieser Text absolut nichts mit uns zu tun…

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Richter 19 Königsträume

Eine weitere Geschichte die belegt, wie weit sich die Menschen in Israel von Gott entfernt haben. In Gibea wird ein fremder Übernachtungsgast von Leuten der Stadt auf vergleichbare Weise bedrängt, wie die Gäste von Lot in Sodom und Gomorra. Die Aussage die damit gemacht wird ist heftig: Um Israel steht es ähnlich schlecht wie um Sodom und Gomorra!

Im Richterbuch wird dies als Argument gesehen für die Einführung eines Königtums. Immer wieder wird in diesen Kapiteln darauf hingewiesen, dass es zu der Zeit noch kein König in Israel gab (V.1; vgl auch Ri.17,6). Wobei es auch im Richterbuch durchaus kritische Stimmen gegenüber einem menschlichen Königtum gibt (Ri.9,8-20) – denn der eigentliche König des Volkes sollte Gott selbst sein.

Israel hat später dann seine Könige bekommen. Es hat in David auch einen König gehabt, der sich selbst und sein Volk an Gott ausrichtete. Aber es folgten auch unzählige Könige, die durch ihren Unglauben das Volk noch tiefer in die Gottlosigkeit stürzten. Mit einem menschlichen König allein ist’s nicht getan. Wir Menschen brauchen einen von Gott gesandten König, der nicht nur weltliche Macht ausübt, sondern der vor allem unsere Herzen verändern kann…

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Richter 18 Religiöses Beiwerk

In diesem Kapitel geht es um den Stamm Dan. Er hat bei der Landverteilung eigentlich ein Gebiet nordwestlich von Juda bekommen. Aber offensichtlich konnten sie dort nicht dauerhaft Fuß fassen und wurden von den Philistern und Kanaanitern bedrängt. Deswegen suchen sie ein neues Siedlungsgebiet im äußersten Norden, am Fuß des Hermon.

So wie es hier erzählt wird, spielt Gott und Glaube dabei nur noch die Rolle eines religiösen Beiwerks. Nach Gott wird zwar gefragt, aber er soll nur bestätigen, ob der Weg, den sie gehen, auch zum Ziel führt (V.6). Auf dem Weg in ihre neue Heimat führen sie sich auf wie Räuber: sie stehlen die Götterfigur von Micha (vgl. Kap. 17) und werben auch sein Priester ab. Mit beidem gründen sie ihr eigenes Heiligtum (V.30f).

„Himmlischer Vater, lass mein Glaube nicht zum religiösen Beiwerk verkommen. Du weißt wie wir auch in Gemeinden schnell in der Gefahr sind, unsere eigenen Ziele zu verfolgen und unsere eigenen Heiligtümer zu bauen. Schenke mir ein Herz, das wirklich auf Dich sieht und auf Dich hört.“

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Richter 17 Halbheiten

Nachdem bis jetzt im Richterbuch vor allem die äußeren Bedrohungen für Israel geschildert wurden, tauchen jetzt die inneren Bedrohungen auf. In diesem Text wird beschrieben, wie Micha sich ein Privatheiligtum einrichtet mit „Hausgötzen“, seinem eigenen Sohn als Priester und dann einem „privaten“ levitischen Priester. Erstaunlich auch bei diesem Text, dass er recht neutral berichtet und kaum bewertet. Nur in einem Nebensatz wird deutlich, was davon zu halten ist: „… und jeder tat, was ihn recht dünkte.“ (V.6)

Das Schwierige an Michas Handeln ist, dass hier Richtiges und Falsches vermischt werden. Er tut das alle offensichtlich im Namen Gottes, er will keine anderen Götter anbeten. Aber er verlässt dabei auch den Weg der Bibel, indem er sich ein Bildnis von Gott macht und indem er mit seinem Sohn einen Nicht-Leviten zum Priester weiht. Das ist bis heute die größte Gefahr für den Glauben: Nicht das offensichtlich Falsche, sondern schleichende Vermischung von Richtigem und Falschem. Halbwahrheiten schaden der Wahrheit mehr als offensichtliche Lügen.

Die Frage ist dann, wie man mit solchen Halbwahrheiten umgeht. Ängstliche Rechtgläubige sind schnell dabei, gegen die Halbwahrheiten zu kämpfen und alles was nicht in ihrem Sinn ist zu verteufeln. Ich denke es ist sinnvoller, sich bewusst auf die Wahrheit auszurichten. Glaube ist für mich nicht in erster Linie ein Kampf gegen etwas, sondern er ist ein Vertrauen und manchmal auch Kampf für etwas.

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Richter 17 Tragischer Held

Erstaunlich, dass die Geschichte von Simson überhaupt in der Bibel vorkommt. Er kämpft zwar gegen die Feinde Gottes, aber ansonsten verhält er sich nicht gerade vorbildhaft und klug. Er geht zu einer Hure (V.1) – war hier übrigens nur kommentarlos dargestellt wird und nicht bewertet wird! – und er lässt sich von Delila das Geheimnis seiner Kraft entlocken, so dass die Philister ihn überwältigen können.

Ich finde es wunderbar, dass in der Bibel auch die tragischen Helden auftauchen. Immer wieder macht vor allem das Alte Testament deutlich, dass wir fehlbare Menschen sind. Das spricht für die Glaubwürdigkeit der Bibel. Es tauchen nicht nur strahlende und makellose Helden auf, sondern die Bibel zeichnet ein realistisches Bild von uns Menschen. Und gerade damit macht sie deutlich, dass Gott jeden gebrauchen kann – auch dich und mich. Wir müssen nicht perfekt sein, um den Weg zu Gottes Herz zu finden.

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Richter 15 Wie du mir, so ich dir

Was für ein Gegensatz! Simson sagt über seine Feinde: „Wie sie mir getan haben, so habe ich ihnen wieder getan.“ (V.11) Ein gewisser Jesus sagt: „Liebet eure Feinde und bittet für die die euch verfolgen“ (Mt.5,44) und „wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar“ (Mt.5,39). Ganz unterschiedliche Arten mit seinen Feinden umzugehen. Und doch steht beides in unserer Bibel.

Zum einen denke ich, dass wir als Bibelleser hier schon gewichten dürfen und müssen: Was aus dem Mund Jesu kommt, hat für mich mehr Gewicht als das was Simson getan hat (obwohl auch er in der Kraft des Geistes gehandelt nach; V.14). Zum anderen bin ich froh, dass beides in unserer Bibel steht. Denn je nach Situation und Umständen können vielleicht beide Handlungsweisen gut und angemessen sein. Wenn man z.B. einem Mobbing-Opfer nur mit der Bergpredigt kommt, dann wird er daran verzweifeln…

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Richter 14 Krumme Linien

Seltsame Geschichte. Simson tut genau das, wovor Gott sein Volk eindringlich gewarnt hat: er heiratet nicht eine Frau aus dem eigenen Volk, sondern eine Frau aus den Philistern. Hinter diesem göttlichen Gebot steckt nicht Ausländerfeindlichkeit, sondern die reale Gefahr, dass durch verwandtschaftliche Beziehungen auch fremde Götter in Israel Einzug halten (was dann nach der Darstellung des Alten Testaments vielfach geschehen ist).

Aber Simson wird von Gott offensichtlich gerade durch dieses Fehlverhalten gebraucht: „Sein Vater und seine Mutter wussten nicht, dass es von dem Herrn kam; denn er suchte einen Anlass gegen die Philister.“ (V.4) Zweimal wird dann betont, dass der Geist des Herrn über Simson geriet (V.6.19). Simson scheint weder besonders weise zu sein, noch hat er eine besondere Botschaft Gottes weiter zu geben. Er hat vor allem eins: Kraft. Und diese Kraft benutzt Gott gegen die Philister, welche Israel zu der Zeit unterdrückten (Ri.13,1).

Ich würde das mal unter folgender Rubrik einordnen: Gott kann auch auf krummen Linien gerade schreiben. Es ist nicht so, dass er sich wünscht, dass wir krumme Wege gehen, aber er hat zumindest die Macht dazu auch diese krummen Wege in seinem Sinn zu nutzen.

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Richter 13 Der Engel des Herrn

In diesem Kapitel wird die Geburtsgeschichte des Simsons beschrieben. Besonders interessant finde ich dabei die Figur des Engels und wie die Menschen auf ihn reagieren. Die Mutter Simsons ahnte sofort, wen sie da vor sich hatte: „Es kam ein Mann Gottes zu mir, und seine Gestalt war anzusehen wie der Engel Gottes, zum Erschrecken.“ (V.6) Der Engel war also offensichtlich nicht sofort als solcher erkennbar, sie beschreibt ihn als einen Mann Gottes (also als einen Menschen), der in irgendeiner Weise aber die Gestalt eines Engels hatte – worin diese Besonderheit bestand wird nicht beschrieben.

Ihr Mann tut sich sogar noch schwerer, diesen Mann als Engel (was ja wörtlich übersetzt nichts anderes heißt als „Bote“) des Herrn zu identifizieren. Er bietet ihm ein Ziegenböcklein zum Essen an (V.15) und er fragt ihn nach seinem Namen (V.17). Für ihn ist es ein normaler Mensch, der vielleicht in einem besonderen Verhältnis zu Gott stand. Erst als der Engel auf wundersame Weise verschwindet, fallen beide voller Ehrfurcht auf den Boden (V.20).

Kein Lichtglanz, keine Flügel, keine himmlischen Posaunen, sondern einfach eine menschliche Gestalt, die eine Botschaft Gottes weiter gibt. Die Frau findet seine Gestalt von Anfang an Ehrfurcht gebietend („zum Erschrecken“), der Mann bemerkt zunächst gar nichts außergewöhnliches. Wer weiß, vielleicht sind wir auch schon einem Boten des Herrn begegnet und haben es gar nicht gemerkt…

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Richter 12 Bruderkämpfe

Unglaublich! Vor allem: unglaublich traurig! Haben die nichts besseres zu tun, als sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen? Da hat Jeftah gerade mit seinen Leuten die Ammoniter besiegt – durch Gottes Hilfe (Ri.11,29.32) – und dann kommen die Ephraimiten an und beklagen sich, dass sie nicht mitkämpfen durften. Sie beklagen sich nicht nur, sondern sie rücken gleich zum Kampf an (V.1.4)! Offensichtlich beanspruchten sie eine Führungsrolle unter den Stämmen und waren bitter enttäuscht, dass dieser Führungsanspruch von anderen übergangen wurde. Machtansprüche, Überempfindlichkeit, Egoismus, Unversöhnlichkeit, fehlende Vergebung, …

Jeftah und seine Männer besiegen die Ephraimiten mit der Folge, dass diese später überhaupt keine wichtige Rolle mehr in der Geschichte Israels spielten. Wenn die Feinde es nicht schaffen Israel zu besiegen, dann machen sie sich eben gegenseitig fertig!?! Das ist bis heute unendlich traurig, wenn sich die Kinder Gottes gegenseitig die Köpfe einschlagen. Und leider geschieht das bis heute auf den unterschiedlichsten Ebenen, dass sich Christen gegenseitig fertig machen. Machtansprüche, Überempfindlichkeit, Egoismus, Unversöhnlichkeit, fehlende Vergebung, …

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