Psalm 141 – Schlage mich freundlich!

Das Gebet eines Menschen, der sich in der Gefahr sieht, von anderen verführt zu werden. Was hilft ihm beim Glauben zu bleiben und richtig zu leben? Zwei Dinge sind mir aufgefallen. Das eine ist, dass er Gott selbst bittet, dass er sein Herz vor Bösem bewahre: „Neige mein Herz nicht zum Bösen, gottlos zu leben mit den Übeltätern.“ (V.4)  Er rechnet also damit, dass Gott selbst sein Herz, seine Wünsche und Sehnsüchte und damit auch seine Handlungen verändern kann.

Das andere ist, dass andere ihn auch durchaus kritisch zurechtweisen sollen und ihm somit helfen auf dem richtigen Weg zu bleiben: „Der Gerechte schlage mich freundlich und weise mich zurecht; das wird mir wohltun wie Balsam auf dem Haupte.“ (V.5) Das finde ich ziemlich starke Aussagen. Viele Christen – auch ich – tun sich eher schwer mit Kritik. Kritik als wohltuendes Balsam zu empfinden und anzunehmen – da bin ich oft weit davon entfernt. Viel leichter ist es, innerlich und äußerlich mit Abwehr zu reagieren. Auf der anderen Seite muss aber auch betont werden, dass die Kritik „freundlich“ zu geschehen hat – nicht mit dem Hintergedanken dem anderen eins rein zu drücken. Auf beiden Seiten (sowohl beim hilfreichen kritisieren als auch beim offenen Hören auf Kritik)  gibt’s noch viel zu lernen…
Bibeltext

windhauch goes youtube

Meine Frau wollte gerne mal ein Lied auf youtube einstellen – das haben wir gemacht und nun bin ich auch selbst auf den Geschmack gekommen. Das geht ja erstaunlich einfach… 🙂 Kamera und Computer reicht schon.

When a knight won his spurs

Hier zunächst mal das Lied von meiner Frau. Ich find’s klasse (und das nicht nur weil ich mit ihr verheiratet bin 😉 ) Wenn ihr das auch findet, dann gebt ihr auf der youtube-Seite liebe Kommentare und viele Sternchen… :

Der Gott, den ich suche

Und dann noch mein Lied. Es ist ein Ergebnis meiner Beschäftigung mit den Psalmen. Wer mein Blog verfolgt weiß, dass ich besonders von manchen Psalmen angesprochen wurde, in denen etwas von der Sehnsucht nach Gott deutlich wurde. Einige Verse von Psalm 63 (nach der der Neues Leben Übersetzung) hab ich nun versucht zu vertonen:

Ref.: Gott… Gott… Du bist der Gott, den ich suche.

1. Meine Seele dürstet nach dir,
mein ganzer Leib sehnt sich nach dir.
In diesem dürren, trockenen Land,
in dem es kein Wasser gibt.

2. Deine Gnade bedeutet mir mehr,
mehr als das Leben.
Dich preise ich von ganzem Herzen,
ich will dich ehren, so lange ich leb.

Psalm 140 – Wer anderen eine Grube gräbt

Noch ein Psalm, in dem es um Feinde und um Rache geht… Hab inzwischen zu diesem Thema schon sehr viel geschrieben… Deswegen heute mal eine Verbindung mit dem aktuellen Tagesgeschehen: Die Schweizer verbieten per Volksabstimmung den Muslimen Minarette zu bauen. Da kann man viel drüber reden und diskutieren… und es wird auch deutlich, welche Ängste in den Köpfen von uns Westeuropäern herum schwirren. Man kann wohl sagen, dass so mancher die Muslime ganz allgemein als „Feinde“ unserer westlichen Welt sehen (übrigens: In diesem „ganz allgemein“ liegt für mich der Kern des Problems…).

Wie gehen wir mit Feinden um? Psalm 140 ist (im Vergleich mit manch anderen Psalmen) noch recht zurückhaltend. Hier wird gesagt: „Das Unglück, über das meine Feinde beraten, komme über sie selbst.“ (V.10) So nach dem Motto: Wer anderen eine Grube gräbt, soll selbst hinein fallen. Im Umgang mit dem Islam könnten wir nun sagen: „Okay, wenn in vielen islamischen Ländern keine Kirchen gebaut werden dürfen und Christen unterdrückt und verfolgt werden, dann ist es doch mehr als gerechtfertigt, dass wir auch die Ausübung des Islams in unseren Ländern einschränken. Wenn wir bei denen keine Kirchtürme bauen dürfen, dann sollen die bei uns auch keine Minarette bauen!“

Aber da gibt es halt noch diesen seltsamen Jesus, der so völlig anders handelt, denkt und lehrt, als uns der gesunde Menschenverstand einflüstert. Er sagt: „Ihr habt gehört, dass gesagt ist: »Du sollst deinen Nächsten lieben« (3.Mose 19,18) und deinen Feind hassen.  Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Mt.5,43-45) Eieiei, wieder mal sehr unbequem was dieser Typ aus Nazareth so von sich gibt…
Bibeltext

Psalm 139 – Wunderbarer Schöpfer

Nachdem ich am Wochenende unterwegs war geht es jetzt weiter mit dem bekannten Psalm 139 (auf den sich manche ja schon sehr freuen… 😉 ). Mit wundervoller und bildhafter Sprache wird hier Gottes Größe, Schöpfermacht und Fürsorge beschrieben. Ich finde diesen Psalm klasse und für mich ist es nicht beängstigend, dass Gott mich besser kennt als ich mich selbst, sondern tröstlich.

Aber beim heutigen Lesen bin ich an V.13-14 hängen geblieben: „Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“ Dabei musste ich an Menschen denken, denen diese Worte nicht so einfach über die Lippen kommen. Z.B. Menschen, die von Geburt an behindert sind oder Menschen, denen ein depressiver Charakter mit in die Wiege gelegt wurde und die ein Leben lang damit zu kämpfen haben. Oder missgestaltete Babys, die mit zu viel oder zu wenig Gliedmaßen auf die Welt kommen. Oder Menschen mit Intersexualität. Können wir da auch so einfach sagen, dass sie wunderbar gemacht sind?

Für mich deutet sich hier ein grundsätzliches Spannungsfeld an, wenn wir von Gott dem Schöpfer sprechen. Einerseits betont die Bibel, dass Gott alles erschaffen hat und dass alles, was er erschafft, sehr gut ist. Andererseits sieht die Bibel auch sehr klar, dass wir in einer gefallenen Schöpfung leben und dass so manches nicht mehr dem guten Schöpferwillen Gottes entspricht. Die Schwierigkeit ist, diesem Spannungsfeld gerecht zu werden. Einerseits die Freude über Gottes gute Schöpfung (welche in Psalm 139 sehr deutlich wird) und andererseits der Realismus, dass es in unserer gefallenen Schöpfung und auch in mir selbst so manches gibt, was dem Schöpfer gar nicht gefällt.

Nichts desto trotz bin ich auch davon überzeugt, dass auch ein Mensch, der die Gefallenheit unserer Welt am eigenen Leib in besonderer Weise tragen muss (z.B. durch eine Behinderung), trotzdem für sich selbst zu der Aussage gelangen kann (nicht muss!), dass Gott ihn wunderbar geschaffen hat. Ich glaube, dass Gott auch aus Scherben noch etwas Schönes und Wundervolles gestalten kann. Und das erlebt ja jeder, auch ich: In jedem von uns wird an mehr oder weniger offensichtlichen Stellen deutlich, dass wir in einer gefallenen Welt leben, die eben nicht perfekt ist. Ich bin z.B. stark kurzsichtig – ohne Brille ziemlich hilflos… Trotzdem kann ich für mich sagen, dass Gott mich wunderbar erschaffen hat. Und auch bei mir gibt es sicher noch so manche andere Scherben, aus denen Gott in mühevoller Kleinarbeit etwas Gutes und Schönes schafft. Bibeltext

Psalm 138 – Mitten in der Angst

Wenn ich mitten in Angst wandle, so erquickest du mich.“ (V.7) Das Wort, das Luther hier mit Angst übersetzt ist eigentlich eher mit „Bedrängnis“ zu übersetzen. Es ist also das gemeint, was einen in Angst versetzen kann. Trotzdem find ich die Übersetzung Luther in Ordnung. Denn es geht in der zweiten Hälfte gerade nicht darum, dass Gott die Bedrängnis weg nimmt, sondern dass er uns hilft damit umzugehen, dass er uns in unserer Angst hilft und „erquicket“.

Vor kurzem hab ich bei einem christlichen Psychologen einige spannende Ausführungen zum Thema Angst gelesen (U. Giesekus: Glaub dich nicht krank). Er betont, dass nicht die Angst an sich schlecht ist. Angst und auch andere Gefühle sind einfach normale Reaktionen, die Gott uns mitgegeben hat und die uns helfen sollen Gefahren zu erkennen und dann richtig zu reagieren. Wenn wir als Christen sagen, dass wir gar keine Angst zu haben brauchen (oder schlimmer: keine Angst haben dürfen), dann verdrängen wir unsere Gefühle und machen uns krank. Das Problem ist nicht die Angst an sich, die ist normal und okay. Das Problem ist, wenn wir falsche oder übertriebene Ängste haben oder wenn wir unangemessen auf die Angst reagieren.

In diesem Psalm geht es nun nicht unbedingt darum, dass Angst als etwas Neutrales oder sogar Positives dargestellt wird. Aber es wird deutlich, dass Gott nicht einfach alle Bedrängnis und Angst weg nimmt, sondern dass es ihm wichtig ist, dass wir richtig darauf reagieren. Er hilft uns durch die Angst hindurch, er erquickt uns, d.h. er gibt uns neue Kraft und Hoffnung. Wichtig in der Angst ist, dass sie nicht zu groß und übermächtig wird und uns lähmt. Das Gefühl der Angst an sich können wir nicht einfach abstellen – sie ist da und warnt uns vor Gefahr. Aber aus Perspektive des Glaubens kann sie ins richtige Verhältnis gesetzt werden.
Bibeltext

Psalm 137 – Hass, Wut, Aggression

Diesen Psalm würd ich am liebsten auslassen. Es tauchen ja in den Psalmen immer wieder Rachewünsche gegen die Feinde auf. Dieser Psalm schließt mit einer besonders heftigen Aussage: Die Beter wünschen, dass die jungen Kinder der Babylonier (welche Jerusalem zerstört haben und unzählige Gefangene nach Babylonien verschleppt haben) am Felsen zerschmettert werden. Grausig!

Man kann solche extremen Aussagen vom zeitgeschichtlichen Hintergrund vielleicht etwas relativieren: In der altorientalischen Kriegsführung war so etwas wohl nicht außergewöhnlich (vgl. z.B. 2. Kön. 8,12; Hos. 10,14). Und auch die psychologischen Hintergründe von solchen Rachewünschen sind durchaus verständlich. Ich lese zur Zeit ein Buch von einem ehemaligen Kindersoldaten in einem afrikanischen Bürgerkrieg. Ein Faktor der diese Kinder zu gnadenlosen Kampfmaschienen gemacht hat, war der Hass auf die Leute, die ihr Leben und ihre Familie zerstört haben. Bei all dem was sie erlebt haben ist es logisch, dass Hass, Wut und Aggression hoch kommt und dass das alles irgendwie raus muss. Zusätzlich muss man hinzufügen, dass die Beter sich nicht selbst rächen wollen, sondern dass es ein Gebet ist: Gott soll für Rache und für ausgleichende Gerechtigkeit sorgen.

Trotzdem finde ich es schwierig, dass solche Aussagen und Rachewünsche in der Bibel stehen. Sie sind für mich dadurch nicht gerechtfertigt, sondern sie drücken eher unsere menschliche Unzulänglichkeit aus, mit unserer Wut und Aggression umzugehen. Vielleicht sind sie ja auch ein ähnliches Ventil um Aggression abzubauen, wie heute so mancher vor dem PC sitzt und virtuelle Feinde umlegt?
Bibeltext

Psalm 136 – Das unendliche Meer der Güte

Danke, Gott, dass Deine chäsäd (Güte, Gnade, Liebe) nie aufhört, sondern ewig währt. Dein Herz ist ein unendlicher Ozean aus Güte, Deine Gnade strömt unaufhörlich aus Deinen Händen und mit unverbrüchlicher Liebe umwirbst du uns immer wieder neu.

Wie hinfällig, schwach und klein ist dagegen meine Güte. Wie schnell bin ich ungnädig mit anderen Menschen und auch mir selbst. Und wie kümmerlich ist meine Liebe zu Dir, zu meinem Nächsten und zu mir selbst. Danke, dass Du anders bist. Danke, dass auf Dich Verlass ist. Danke, dass Dein Geist in mir wirkt und mich – in aller Vorläufigkeit – Dir ähnlicher macht.“
Bibeltext

Psalm 135 – lieblicher Kitsch?

Bin bei diesem Psalm an dem Wort „lieblich“ hängen geblieben: „Lobsinget seinem Namen, denn er ist lieblich!“ (V.3) Dieses ungewöhnliche und so völlig aus der Mode gekommene Wort „lieblich“ ist mir doch vor kurzem schon mal begegnet… Stimmt! In Ps.133,1: „Siehe, wie fein und lieblich ist’s wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!“ Und tatsächlich: Nicht nur in der Luther-Übersetzung, sondern auch im Hebräischen steht hier das gleiche Wort. Das Lexikon schlägt folgende Übersetzungen vor: „angenehm, lieblich, hold“. Das Wort hat wohl von der Grundbedeutung her oft mit dem Klang zu tun. Also z.B. angenehme, wohlklingende Musik oder Gesang.

Ich find es faszinierend, dass in so engem Kontext einmal Gott selbst (mit dem Namen ist im AT meist die Sache oder Person selbst gemeint) und dann die gute Gemeinschaft unter uns Menschen als lieblich bezeichnet werden. Das heißt dann doch, dass sich in unserem Zusammenleben etwas von der „Lieblichkeit“ Gottes widerspiegeln sollte. So wie Gott selbst mit sich im reinen ist und sein Name (= sein Wesen) ein Wohlklang ist, so sollte auch unser Miteinander eine angenehme Harmonie ergeben.

Auf diesem Hintergrund klingt für mich dieses Wort „lieblich“ gar nicht mehr so altmodisch, angestaubt und kitschig, sondern richtig cool. 🙂
Bibeltext

Psalm 134 – Und dann die Hände zum Himmel

Hebt die Hände auf im Heiligtum…“ (V.2) Interessant, wie sich die Gebetsgesten im Lauf der Zeit und je nach Umfeld verändern. Damals wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, mit gefalteten Händen zu beten. In der Frömmigkeitsrichtung, in der ich zum Glauben gekommen bin, wäre man mit erhobenen Händen schief angekuckt worden.

Und doch ist alles irgendwie okay. Es gibt schon in der Bibel eine große Vielfalt an unterschiedlichen Arten zu beten. Wir dürfen da andere ruhig stehen lassen und müssen nicht jedem unsere Art zu beten als die allein richtige aufdrücken. Diese Vielfalt sollte uns eher dazu bewegen, auch mal was anderes auszuprobieren und von anderen zu lernen.
Bibeltext

Psalm 133 – fein und lieblich

„Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!“ (V.1) Das gilt nicht nur für leibliche Geschwister, sondern noch viel mehr für das Miteinander unter Christen. Auf meinem eigenen Weg zum Glauben war dieses Miteinander für mich etwas sehr beeindruckendes. Eine Gemeinschaft, die ich in dieser Form noch nicht erlebt hatte. Eine Gemeinschaft, die mich angezogen und fasziniert hat.

Aber leider ist es – genau wie bei leiblichen Geschwistern – nicht selbstverständlich, dass man sich versteht, dass man einträchtig miteinander leben kann. Auch in diesem Psalm wird diese Eintracht ja eher als etwas besonderes und als ein schöner Glücksfall beschrieben. Um so wichtiger ist es, dass wir uns um dieses Miteinander immer wieder bemühen, dass wir darum kämpfen, dass wir nicht zu schnell aufgeben.

Wobei ja Eintracht nicht heißen muss, dass wir in allem einer Meinung sind und dass wir für jeden die gleichen herzlichen Gefühle haben. Eintracht heißt für mich eher, dass wir unsere Grundüberzeugungen miteinander teilen und dass wir in Not und Schwierigkeiten zusammenstehen. Ich denke unter Christen gibt es – wie in einer Familie – Bindungen, die tiefer gehen als „nur“ eine Freundschaft. Wenn diese Verbundenheit deutlich wird, dann ist’s wahrlich „fein und lieblich“.
Bibeltext