Psalm 34 Als ich den Herrn suchte

Wer die letzten Wochen und Monate mein Blog verfolgt hat weiß, dass für mich in dieser Zeit der Anfang von Psalm 34 eine besondere Bedeutung gewonnen hat. Diese Verse wollte ich hören, nachdem ich aus der Narkose von meiner Gehirntumor-OP aufgewacht bin.

Diese Verse treffen meine Situation. Inzwischen hab ich auch festgestellt, dass dieser Psalm und auch das Geschehen dahinter eine Art Antwort ist auf ein anderes Psalmwort, dass mir vor meiner Erkrankung wichtig wurde und das ich auch in einem Lied vertont habe: Psalm 63 – Der Gott den ich suche. Gott antwortet, auch wenn das manchmal ganz anders aussieht, als wir uns das vorstellen…

Hier in der Reha hab ich mit den Anfangsversen von Ps. 34 ein Lied geschrieben. Wer es gerne hören möchte:

Als ich den Herrn suchte, antwortete er mir
und errettete mich aus aller meiner Furcht.

Ref.: Ich will den HERRN loben allezeit;
sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. 

Meine Seele rühme sich des HERRN,
dass es die Elenden hören und sich freuen.
Preiset mit mir den HERRN
und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!

Als ich den HERRN suchte, antwortete er mir
und errettete mich aus aller meiner Furcht.
Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude,
und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.

Als einer im Elend rief, hörte der HERR
und half ihm aus allen seinen Nöten.
Der Engel des HERRN lagert sich um die her,
die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus. 
Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist.
Wohl dem, der auf ihn trauet!

Psalm 150 – Ein dickes HALLELUJA!

150 Psalmgebete  (seit Ende Mai hab ich mich damit beschäft… ganz schön lang der Psalter 😉 ). In vielen geht es um Klage, Leid, Bitte, Schreien zu Gott, Verzweiflung, Angst vor Feinden, Rachegefühle, … aber natürlich auch um Freude, Dank und Lob. Am Ende steht ein ganz dickes HALLELUJA! Dieses hebräische Wort ist in unseren deutschen Sprachschatz eingegangen. Es besteht aus aus zwei Teilen: „hallelu“ ist die Aufforderung: „jauchzt, rühmt, lobsingt, preist, rühmt!“ und „ja“ ist die Kurzform von Jahwe, dem Gottesnamen.

Nach all diesen Hoch’s und Tief’s, nach so manchen Abgründen und so manchen Höhenflügen, nach vielen bewegenden Emotionen und Erfahrungen ist das Lob Gottes der Zielpunkt. Deswegen wird das Psalmbuch als ganzes in der jüdischen Tradition auch als „Tehillim“ bezeichnet: „Lobpreisungen“. Mir war diese Zielperspektive schon von Anfang an klar. Beim durchlesen des Psalmbuches ist mir aber auch aufgefallen, wie viel Klage und Schreien zu Gott auf diesem Weg zum Halleluja mit aufgenommen ist.

Das ist für mich ein ganz persönliches Fazit aus der Beschäftigung mit den Psalmen (neben vielen anderen Gedanken und Inspirationen): Zu einem ehrlichen, von Herzen kommenden Halleluja gehört auch die Klage und Bitte. Das darf sein, das muss sogar sein! Und ich fürchte: Wo wir verlernt haben vor Gott zu klagen, da wird auch unser Lob oberflächlicher… Zum Abschluss der Reihe hier auf windhauch ein dickes Lob an unseren Schöpfer und Retter: HALLELUJA!
Bibeltext

Psalm 149 – Heiliger Krieg?

Inmitten der fröhlichen Hallelujas kommt in diesem Psalm die Aufforderung, dass die Heiligen scharfe Schwerter in Händen halten sollen, dass sie unter den Heiden Vergeltung üben sollen und dass sie an ihnen Gericht vollziehen sollen (V.5-9). Das klingt ja sehr nach Heiligem Krieg. Im Namen Gottes sollen die Ungläubigen niedergemetzelt werden?!? Im Rahmen von windhauch will und kann ich zu diesen Versen keine ausführliche Auslegung geben. Deshalb nur einige Gedankenanstöße zu diesem Text:

Nicht nur im Koran finden sich Aussagen zur kriegerischen Bekämpfung der „Ungläubigen“, auch in unserer Bibel gibt es Stellen, die in diese Richtung gehen. Wenn wir mit dem Finger auf andere zeigen, sollten wir immer auch unsere eigene Tradition und Geschichte im Blick haben.

Wichtig ist der Gesamtzusammenhang: Welches Gewicht haben solche Aussagen im Zusammenhang der gesamten biblischen Botschaft? Wie sind sie zu verstehen und zu deuten? Geht es hier um ein Handlungsaufforderung? Oder um eine Wunschvorstellung des Beters? Oder um eine Prophezeiung?

Den Gerichtsgedanken ganz allgemein als alttestamentlich und damit überholt abzutun ist zwar ein bequemer, aber nicht unbedingt biblischer Weg. Auch im Neuen Testament wird betont, dass es ein Gericht geben wird. Sünde und Gottlosigkeit wird irgendwann an’s Licht kommen.

Vom Neuen Testament her ist aber auch klar, dass das entscheidende Gericht am Kreuz von Golgatha geschehen ist. Dort hat Jesus die Strafe für alle Gottlosigkeit auf sich genommen.

Aber auch im Neuen Testament gibt es den Gedanken, dass die Heiligen am Gericht Gottes beteiligt sind (z.B. 1.Kor.6,2). Aber dort geht es ganz klar nicht um kriegerische Vergeltung, sondern um eine Zunkunftsperspektive: Gott wird die Heiligen am gerechten Gericht beteiligen.

Mein Fazit: Nein, ich brauch und will keinen Heiligen Krieg! Die entscheidende Schlacht wurde schon längst geschlagen: am Kreuz hat Jesus gesiegt! Aber wenn’s irgendwann dazu kommen sollte, dass ich solchen Typen wie z.B. Hitler, eins über die Rübe ziehen darf: Dann sag ich nicht nein…
Bibeltext

Psalm 148 – Lobgesang des Universums

Der Psalm ist ein Aufruf an die ganze Schöpfung, Gott zu loben. Und zwar nicht nur die Menschen, sondern an alles, was existiert: Engel und himmlische Wesen, Sonne, Mond und Sterne, der Himmel, Fische und die Tiefen des Meeres, Feuer, Hagel, Schnee und Nebel, Berge, Bäume, Tiere, … und schließlich auch die Menschen: Könige und Richter, Junge und Alte, die Kinder Israels. Was für eine Fülle!

Wobei mir nicht ganz klar ist, warum z.B. Feuer, Hagel, Schnee und Nebel zum Lob Gottes aufgefordert werden und wie das dann aussehen soll?!? Auf jeden Fall wird deutlich, dass unser menschliches Lob eingeschlossen ist in das Lob der ganzen Schöpfung. Wir sind eingebunden in einen gigantischen Lobgesang des ganzen Universums – von der kleinsten Ameise bis zur unvorstellbaren großen Galaxie. Eine Bestimmung der ganzen Schöpfung ist, Gott zu loben. Gott ist auf unser kleines, kümmerliches Menschenlob nicht angewiesen, aber er freut sich, wenn wir diese Bestimmung erfüllen.

Ich vermute ja, dass z.B. die Berge Gott schon dadurch loben, dass sie einfach da sind. Allein durch ihre Existenz bezeugen sie Gottes Größe und seine Schöpfermacht. Und so ist es wohl in allen Bereichen der Schöpfung: Allein die Existenz der Schöpfung lobt Gott. Und das müsste dann ja auch auf ähnliche Weise für uns gelten: Allein schon dadurch, dass wir existieren und dass wir so sind, wie Gott uns gemacht hat, loben wir ihn. Allein schon dadurch, dass ich versuche der zu sein, zu dem Gott mich erschaffen hat, lobt meinen Schöpfer. Das faszinierende am menschlichen Lob ist, dass wir darüber hinaus bewusst über unser Lob nachdenken können, dass wir reflektieren können und dass wir uns deshalb dazu entscheiden können, Gott ganz bewusst zu loben (oder auch ihn nicht zu loben).
Bibeltext

Psalm 147 – Lieblich, die dritte

Zum dritten mal fällt mir jetzt in den Psalmen dieses altmodische Wort „lieblich“ auf. Das erste mal war’s bei Psalm 133,1 (hier ist das einträchtige Beisammensein von Geschwistern „lieblich“) und das zweite mal war’s bei Psalm 135,3 (hier wird Gott selbst als „lieblich“ bezeichnet). Und nun heißt es hier, dass es „lieblich und schön“ ist, Gott zu loben (V.1). Klasse, was da für ein Zusammenhang hergestellt wird: Gott selbst ist lieblich und wenn wir unsere Nächsten lieben (einträchtig mit den Geschwistern zusammenleben) und Gott lieben (ihn loben), dann haben auch wir Anteil an dieser „Lieblichkeit“ Gottes.

D.h. wenn wir mit anderen in Frieden leben und wenn wir Gott loben, dann strahlt darin Gottes eigene Liebe auf, dann kommen wir seinem liebevollen, gnädigen, barmherzigen und herrlichen Wesen näher.
Bibeltext

Psalm 146 – Das Lob leben

Irgendwie ist es schwierig, etwas „über“ einen Lobpsalm zu schreiben. Die einzig richtige Reaktion auf Lob Gottes ist eigentlich, dass man mit einstimmt. Sobald man anfangen will das Lob zu analysieren wird’s irgendwie komisch. Mir geht das so bei diesem Psalm: Da sind so viele tolle Aussagen über Gott und ich denke mir dabei: „Naja, ist ja vielleicht doch etwa übertrieben! Alle Gefangenen macht Gott nicht frei, alle Blinde macht er nicht sehend und auch so mancher niedergeschlagene Gläubige bleibt trotz seines Glaubens niedergeschlagen.“

Aber es geht hier ja nicht um theologisch wohl abgewogene und ausgewogene Aussagen, sondern es geht darum, Gott zu loben. Und da erleben wir immer wieder, dass Gott Gefangene frei macht, Blinde sehen lässt und Niedergeschlagene aufrichtet (auf welche Weise auch immer).

Außerdem ist mir aufgefallen, dass diese Aussagen über Gottes Handeln ja unser menschliches Handeln nicht ausschließen. Gerade weil Gott ein besonderes Herz für Gefangene, Blinde, Niedergeschlage, Arme, Schwache, Fremdlinge, Waisen und Witwen hat, gerade darum sollten auch wir dementsprechend handeln und versuchen, den Armen und Schwachen zu helfen. Wenn ich Gott dafür lobe, dann kann ich nicht im nächsten Augenblick nicht genau anders herum handeln. Insofern schließt das Lob von Gottes Barmherzigkeit auch meine Barmherzigkeit mit ein. Das Loben schließt mein Leben mit ein.
Bibeltext

Psalm 145 – Der Erhabene

Das Psalmbuch schließt mit dem sogenannten kleinen Hallel (Ps. 146-150; wenn es ein kleines Hallel gibt, dann gibt es natürlich auch ein großes: Psalm 111-118) ab. Nachdem vor Ps. 145 einige Bittgebete kamen, leitet Ps. 145 auf die Lobpsalmen des kleinen Hallel über. Es ist ein sorgfältig gestaltetes Loblied auf Gottes Größe und Güte (die Versanfänge folgen dem hebräischen Alphabet). Nach viel Bitte, Klage und Flehen freue ich mich über diese Lobpsalmen zum Abschluss.

Mich hat heute an diesem Psalm die Formulierung gleich zu Beginn beschäftigt: „Ich will dich erheben, mein Gott, du König…“ (V.1) Was soll denn das? Warum will der Beter Gott erheben? Ist er nicht schon großartig und herrlich genug? Können wir Menschen ihn durch unser Gebet und unser Lob noch mehr erheben und groß machen?

Nein, Gott ist groß – unabhängig davon, ob ich ihn lobe oder nicht. Er ist in sich schon der Erhabene. Es geht darum, ob ich diese Größe auch für mich anerkenne. Wenn ich ihn erhebe, dann gebe ich ihm die Stellung, die er verdient. Darum ist unser Lob auch für uns selbst wichtig – weil sie uns und unsere Maßstäbe zurecht rückt. Im Lob wird uns deutlich wer wir sind und wer Gott ist. Das großartige ist ja, dass Gott trotz aller Erhabenheit die Nähe zu uns sucht und gnädig, barmherzig, geduldig und gütig zu uns ist (V.8).
Bibeltext

Psalm 144 – Der geneigte Himmel

„Herr, neige den Himmel und komm herab! … Streck deine Hände vom Himmel herab…!“ (V.5.7; Gute Nachricht) Das verrückte ist: Er hat’s getan! Er hat den Himmel geneigt und kam herab! Er hat seine Hände vom Himmel herab gestreckt. Allerdings nicht so wie sich das der Beter vorgestellt hat („Berühre die Berge, dass sie rauchen!“ V.5): Er kam als kleines Kind, das in Windeln gewickelt in der Futterkrippe lag. (Lk.2,12) Nur noch 19 Tage bis zum Fest des geneigten Himmels…
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Psalm 143 – Um deinetwillen

In dem Psalm (in der Tradition der 7. Bußpsalm) tauchen noch einmal zahlreiche Motive auf, die quer durch die Psalmen immer wieder angesprochen werden: Das Flehen zu Gott, Feinde, Finsternis und Angst, Sehnsucht nach Gott, Bitte um Wegweisung und Errettung. Was mir heute bei diesem Psalm besonders aufgefallen ist, sind die Formulierungen am Anfang und Ende des Psalms: „um deiner Treue willen… um deiner Gerechtigkeit willen… um deines Namens willen… um deiner Gerechtigkeit willen… um deiner Güte willen.“

Kann natürlich sein, dass das nur ein rhetorischer Trick ist, um fromm zu klingen (kennen wir ja heute noch, dass so manche ihre Gebete mit biblischen Floskeln anfüllen, um vor anderen besonders fromm dazustehen… 😉 ). Oder der Beter will sich damit bei Gott einschmeicheln und ihm Honig um den Mund schmieren. Es kann aber auch sein, dass der Beter es wirklich so meint. Dass es ihm nicht nur um die eigene Rettung geht, sondern dass es ihm auch um Gottes Treue, Gerechtigkeit und Güte geht. „Rette mich nicht (nur) um meinetwillen, sondern auch um deinetwillen!“ Es ist gut, wenn man in der Not nicht nur um sich selbst und um sein Elend kreist, sondern wenn man den Blick frei hat für Gott…
Bibeltext

Psalm 142 – Alles, was ich brauch

Bei diesem Psalm gefällt mir die Gute Nachricht Übersetzung sehr viel besser als Luther. Hier kommt die Dramatik des Hilferufs viel deutlicher zur Geltung. Besonders angesprochen hat mich V.6: „Zu dir, HERR, schreie ich! Ich sage: Du bist meine Zuflucht, mit dir habe ich alles, was ich im Leben brauche!

Mit Gott habe ich alles, was ich zum Leben brauche. Mhmm… steiler Satz! Könnt ich das auch so sagen? Da kommt die Angst hoch: Ich möchte doch im Leben noch ein bisschen mehr als „nur“ Gott. Essen, trinken, glücklich sein,… Aber wenn ich den Psalm genauer anschaue, dann merke ich: Es geht ja gar nicht um ein entweder-oder. Es geht nicht darum entweder in Gott alles zu sehen oder ein glückliches und zufriedenes Leben zu führen. Denn der Beter bittet gerade darum, dass Gott ihn befreit und er sein Leben wieder ohne Angst führen kann. Wenn es nur ein entweder-oder wäre, dann könnte er sich ja auch in der größten Notlage damit trösten und begnügen, dass ja Gott bei ihm ist. Aber gerade das tut er nicht. Er bittet, fleht und schreit Gott um Hilfe an.

Dass Gott alles ist, was ich brauche heißt nicht, dass ich auf alles andere verzichten muss. Im Gegenteil: In Gott ist uns gerade die Fülle des Lebens möglich. In und durch ihn finden wir mehr Glück und Zufriedenheit als sonst wo. Gerade er will und kann uns zu einem erfüllten Leben befreien.
Bibeltext