Titus 3 Gute Werke

Als evangelischer Christ zuckt man beim Stichwort „gute Werke“ immer ein wenig zurück. Haben wir nicht alle von Luther gelernt, dass wir allein aus Gnade gerechtfertigt sind und nicht aus guten Werken? So manches mal wird das geradezu auf die Spitze getrieben und gute Werke sogar als schädlich für die Erlösung allein durch Glaube gesehen.

Herrlich unverkrampft steht hier im Text beides nebeneinander: Gott macht uns selig nicht durch Werke, sondern durch seine Barmherzigkeit (V.5). Zugleich werden wir aber eindringlich zu guten Werken aufgefordert (V.1.8.14), weil das gut ist und den Menschen nützt (V.8). Hier ist klar: Rechtfertigung geschieht natürlich nur durch Gottes Barmherzigkeit – aber deswegen dürfen wir das Kind nicht mit dem Bade ausschütten! Gute Werke bleiben für uns Christen trotzdem absolut erstrebenswert und unverzichtbar! Nicht weil wir uns dadurch unsere Seligkeit verdienen könnten, sondern weil Gott es ganz einfach will, dass wir Gutes tun.

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Titus 2, 11-15 Langweilige Besonnenheit

Die Beschreibung eines christlichen Lebens klingt hier nicht gerade revolutionär: wir sollen „besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben“ (V.12). Insgesamt vier mal kommt in Titus 2 dieses Wort „besonnen“ vor. Als ob es das allerwichtigste wäre, dass wir Christen nicht über die Stränge schlagen…

Gähn! Klingt langweilig! Aber vielleicht sollten wir uns das ja ab und zu mal sagen lassen: Beim Christsein geht es nicht um permanente Hochgefühle, es geht nicht um ein ständiges Leben am Limit. Christsein kann – wie jedes andere Leben – auch einfach mal langweilig sein. Wir müssen nicht immer das Außergewöhnliche suchen. Oft genug ist es einfach dran, mit einem gesunden Gottvertrauen und viel Besonnenheit durch die Welt zu gehen. Auf die Dauer sind wahrscheinlich sogar solche „langweiligen“ Werte wie Treue, Verlässlichkeit und Besonnenheit für ein nachhaltiges Leben als Christ wichtiger als gelegentliche Hochgefühle und außergewöhnlichen Erfahrungen.

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Titus 2, 1-10 Leben und Lehre

Das sind Hinweise an Männer, Frauen und Sklaven in der Gemeinde, dass sie ein möglichst gutes moralisches Leben führen sollten (Paulus orientiert sich dabei an den damaligen moralischen Vorstellungen). Interessant ist das Ziel dieser Hinweise. Das Ziel ist nicht, dass sie sich dadurch vor Gott was verdienen könnten, oder dass sie dadurch auf ihrem persönlichen Weg der Heiligung vorankommen – das Ziel ist dass die Botschaft des Evangeliums durch ihre Leben unterstützt wird.

Wer in einer Gemeinde lebt, in welcher Gottes Liebe verkündigt wird und selbst ein liebloses Leben führt, der schadet nicht nur sich selbst und seinen Nächsten, sondern auch der Botschaft von Gottes Liebe. Wir wissen alle, dass wir auch als Christen nicht perfekt sein können und auch nicht müssen – wir leben aus der Vergebung. Aber wir sollten auch wissen, dass wir durch falsches Verhalten sehr viel zerstören können.

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Titus 1, 10-16 Unnütze Schwätzer und Verführer

Würd mich mal interessieren, wie Paulus unsere heutige kirchliche und theologische Landschaft beurteilen würde. Dem Titus damals hatte er geschrieben, dass es viele Freche, unnütze Schwätzer und Verführer gibt. Damals waren das wohl Leute, welche besondere enge Gebote aufgestellt haben, welche vor allem auf jüdischem Hintergrund die Frage nach Rein und Unrein zu klären versuchten. Was darf ein Christ tun, was nicht? Was schadet ihm, was nicht? Paulus sagt dazu lapidar: „Den Reinen ist alles rein“ (V.15).

Wen würde Paulus heute kritisieren? Die Liberalen, welche das Evangelium verwässern? Die engherzigen Fundamentalisten, die auf alles eine platte und einfache Antwort wissen? Oder diejenigen dazwischen, weil sie zu lauwarm sind und ständig zwischen den Stühlen sitzen? Würde er eher Kritik an bestimmten theologischen Lehren üben oder würde er ethische Gleichgültigkeit kritisieren?

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Titus 1, 1-9 Wie funktioniert Gemeinde?

In diesem Abschnitt geht es um Älteste und Bischöfe. Auch hier wird nicht deutlich beschrieben, was diese Ämter eigentlich bedeuten (ähnlich wie in 1. Tim. 3,1-13). Älteste sind wahrscheinlich nach jüdischer Tradition die Gemeindeältesten. Bischof heißt übersetzt „Aufseher“, an dieses Amt werden hier höhere Anforderungen gestellt als an die Ältesten und der Bischof ist wohl in besonderer Weise für die Lehre zuständig (V.9).

Was ich mich bei dieser Liste der Anforderungen an Älteste und Bischöfe frage: Wer bestimmt eigentlich, ob diese Personen den Anforderungen genügen? Urteilt darüber Titus, der ja offensichtlich von Paulus die Autorität hat, die Personen in diese Ämter einzusetzen (V.5)? Gibt es in der Gemeinde eine demokratische Wahl? Gibt ein Prophet den Willen Gottes kund? Und was passiert wenn jemand im Amt ist und dann z.B. eines seiner Kinder vom Glauben abfällt (V.6) oder er einen Ausbruch von Jähzorn hat (V.7)? Oder ist diese Liste eine Hilfe für jeden einzelnen Amtsträger, um sich selbst zu überprüfen? Haben die Gemeinden bestimmte Regeln und Vorgehensweisen aufgestellt um die Amtsträger zu überprüfen? Gab es in allen Gemeinden die gleichen Ämter und Ordnungen oder gab es auch Unterschiede?

Würde mich schon interessieren, wie die Gemeinden damals mit solchen Fragen umgegangen sind. Das sind ja Fragen, die uns bis heute beschäftigen. Aber offensichtlich war es Gott nicht wichtig, uns genaue Gemeindeordnungen mitzugeben. Er hat uns im Neuen Testament einige Richtlinien mit auf den Weg gegeben und wir müssen immer wieder neu fragen, wie wir diese Richtlinien auf angemessene Weise konkret umsetzen.

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2. Timotheus 4, 16-22 Gute Ratschläge

Am Ende macht Paulus noch einmal deutlich worauf es – auch für Timotheus – ankommt: am Evangelium festhalten, gerade gegen Widerstände und wenn man von anderen verlassen wird. Das Beeindruckende bei Paulus ist, dass er das nicht nur als schlauen Rat weitergeben kann, sondern dass er das an seinem eigenen Beispiel deutlich machen kann.

Solche Ratschläge sind überzeugend. Wenn man beim Anderen sieht, dass er selbst danach lebt und handelt, dann wirkt es gleich ganz anders. Wie schnell sind wir Christen dabei, von anderen zu fordern, was wir selbst nicht überzeugend leben! Das wird dann schnell überheblich und heuchlerisch. Für mich als Pastor gilt das in besonderer Weise – wir Pastoren sollen ständig anderen Ratschläge geben und dabei selbst überzeugende Vorbilder sein. Aber das gilt für uns alle: mehr Demut und Ehrlichkeit würde uns gut tun.

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2. Timotheus 4, 5-8 Nüchterne Leidensbereitschaft und visionärer Begeisterung

Interessant wie Paulus hier den Timotheus ermutigt: „Du aber sei nüchtern in allen Dingen, leide willig, tu das Werk eines Predigers des Evangeliums, richte dein Amt redlich aus.“ (V.5) Er stellt ihm keine großartigen Visionen für seine Gemeindearbeit vor Augen und er feuert nicht eine leidenschaftliche Begeisterung für den Glauben an, sondern er rät zu Nüchternheit, Leidensbereitschaft und Redlichkeit.

Natürlich weiß auch Paulus, dass Visionen und Begeisterung wichtig sind. Aber er weiß auch, dass solcher Optimismus und positive Gefühle auch ein Korrektiv nötig haben: Realismus und die Bereitschaft, an den Dingen die nicht so laufen wie erträumt, zu leiden. Beide Seiten gehören zum Glauben und zur Gemeinde dazu. Da muss jeder, auch in sich selbst, einen Ausgleich suchen zwischen dem begeisterten Pfingstler, der nur noch über dem Boden schwebt und die Realität der Welt gar nicht mehr an sich heran lässt und dem nüchternen Landeskirchler, dem vor lauter Realismus sein Glaube austrocknet.

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2. Timotheus 4, 1-4 Ohrenjucken

Paulus warnt Timotheus davor, dass die Menschen sich selbst nach eigenen Gelüsten Lehrer aufladen werden, „nach denen ihnen die Ohren jucken“ (V.3). Dieses Ohrenjucken ist nicht nur ein Problem bezüglich Irrlehrern in einer fernen Zukunft. Es betrifft jetzt schon jeden Christen. Denn wir alle hören am liebsten das, was wir von vornherein am liebsten hören würden.

Aus unserer postmodernen Perspektive wissen wir, dass jedes Hören auch einen subjektiven Anteil hat. Jeder setzt sich beim Hören den Sinn auf dem Hintergrund seiner Erfahrungen und seines Verständnisses selbst zusammen. Und da hört man natürlich am liebsten das heraus, wonach einem sowieso die Ohren jucken. Gerade als Prediger ist es faszinierend und manchmal auch verstörend, was die Zuhörer so manches mal aus einer Predigt für sich selbst heraus hören.

Bis zu einem gewissen Grad ist das auch gar nicht so dramatisch und im Gegenteil, es kann sogar bereichernd werden. Schwierig wird es dann, wenn ich gar nicht mehr offen bin für das fremde Wort Gottes, wenn ich bei Predigt und Bibellese nur noch das heraushöre, was meine festgefahrene Meinung bestätigt und wenn Gott gar keine Chance mehr hat, mich zu korrigieren. Die größte Veränderung im Leben bringen eben nicht die Worte hervor, nach denen uns die Ohren jucken,sondern das Wort Gottes, das uns manchmal in den Ohren und im Herzen weh tut und aufrüttelt, das Wort Gottes, das manchmal so fremd und unverständlich ist, das Wort Gottes, das uns immer wieder neu überrascht.

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2. Timotheus 3, 14-17 Bleibe bei der Schrift

V.16 ist sehr bekannt und wird gerne verwendet, um die Inspiration der Schrift zu belegen: „Denn alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit.“ Für mich war es interessant diesen Vers im größeren Zusammenhang zu lesen. Schriftinspiration ist im Kontext kein Thema und es wird in diesem Vers auch nur beiläufig in einem Nebensatz erwähnt. Auch will dieser Vers keine umfassende Beschreibung der Schrift geben.

Im Zusammenhang geht es um Irrlehrer, Leiden und Verfolgung. In diesem Abschnitt soll nun Timotheus ermutigt werden, bei dem zu bleiben, was ihm von Kind auf vertraut ist: die Schrift (für Timotheus war das übrigens das Alte Testament – das Neue Testament gab es damals noch gar nicht!). Das gibt ihm als Gemeindeleiter Halt gegen die falschen Lehren und wenn in der Anfeindung von Außen sein Glaube in Frage gestellt wird. Deswegen ist in dieser Zusammenfassung auch der lehrhafte und erzieherische Charakter der Schrift betont. Die Schrift hat sicher auch noch andere Aufgaben. Sie ist sehr viel vielschichtiger. Sie ist für uns auch Trost, leitet uns an zum Lob und zur Klage, sie ermutigt uns,… und noch vieles mehr.

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2. Timotheus 3, 1-13 Der Schein der Frömmigkeit

Paulus spricht von Menschen, die gottlos und schlecht leben, aber trotzdem den Schein der Frömmigkeit haben. Solche Menschen soll Timotheus meiden. Aber kann man die Grenzlinie so einfach ziehen? Auf der einen Seite die Guten und auf der anderen Seite die Bösen? Auch meine Frömmigkeit hat an manchen Stellen mehr Schein als Sein. Und ich kenn genügend andere Christen, die es durchaus ernst mit dem Glauben nehmen und doch immer wieder großen Mist bauen.

Für mich ist das entscheidende nicht diese Grenzlinie bei anderen zu ziehen, sondern bei mir selbst. Paulus setzt dem Schein der Frömmigkeit die Kraft der Frömmigkeit gegenüber (V.5). Geht es mir um den Schein oder um die Kraft des Glaubens? Zum Wesen des Glaubens gehört das hinfallen dazu. Wer nur den Schein der Frömmigkeit hat, für den stürzt damit alles zusammen. Wer die Kraft der Frömmigkeit sucht, der darf an Gottes Hand wieder aufstehen.

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