Kolosser 4, 2-6 Eine offene Tür

Darum bitte ich Gott auch heute: dass er Türen bei  den Menschen öffnet für sich und sein Wort. Es ist so schwierig, dass sich Menschen für Gott öffnen. Es gibt so viele Dinge, die anscheinend wichtiger sind als Gott. Es gibt so viel Skepsis und noch viel mehr Gleichgültigkeit gegenüber Gott. War das immer schon so?

Offensichtlich mussten schon die ersten Christen darum beten, dass Gott Türen öffnet. Sie rannten mit ihrer Botschaft keine offene Türen ein, sondern stießen schon damals auf Skepsis und Ablehnung. Aber wir sehen auch, dass es heute in vielen anderen Teilen der Welt eine größere Offenheit gibt als hier bei uns in Deutschland. „Herr, wir brauchen dich! Öffne die Türen zu den Herzen der Menschen und gib uns die richtigen Worte.

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Kolosser 1, 15-23 Es muss doch noch mehr geben

In diesem Text kommt eine der wichtigsten Stellen vor, die auf eine Allversöhnung hindeuten könnte. Ja, hier taucht der Begriff selbst sogar auf. In diesem Christushymnus mit ganz grundsätzlichen und universalen Aussagen taucht die Aussage auf, dass Gott „durch ihn [Christus] alles mit sich versöhnte, es sei auf Erden oder im Himmel, indem er Frieden machte durch sein Blut am Kreuz.“ (V.20) Hier ist die Erlösungstat Jesu am Kreuz konsequent und radikal zu Ende gedacht. Wenn in Christus alles erschaffen ist, dann ist es nur logisch, dass durch ihn auch alles erlöst wird.

Zugleich wird im Vers nach diesem gigantischen Hymnus auch deutlich, dass es trotz dieser universalen Erlösungstat Menschen geben kann, die Gott „fremd und feindlich gesinnt“ sind (V.21). Es ist also durch den Kreuzestod noch nicht alles so wie es sein sollte. Die große Frage ist nun, wie Gott das am Ende sehen wird: Werden einfach alle gerettet – auch wenn sie bis zum Tod Gott fremd und feindlich gesinnt waren? Oder bekommen sie ihren eigenen Willen und bleiben auch nach dem Tod Gott fremd und feindlich gesinnt?

Ich gebe hier keine Antwort, weil das erstens vermessen wäre und zweitens vor allem auch die Bibel selbst keine eindeutige Antwort gibt. Aber – so sehe ich es zumindest – sie hält trotz allen Gerichtsankündigungen auch einen kleinen Hoffnungsschimmer aufrecht, dass Gott es letztendlich doch schafft, alles mit sich zu versöhnen und so die ganze Schöpfung zu ihrem Ziel führt. Ob und wie das geschieht, darf ich getrost Gott überlassen.

Aber mich persönlich hat in diesem Text etwas ganz anderes tief angesprochen: „Es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen.“ (V.16) Das spüre ich immer wieder bei mir selbst und bei anderen: dass tief drin in uns ein Sehen nach etwas ist, das größer ist als unsere irdische Welt. Wir sind alle zu ihm hin geschaffen. Diese Sehnsucht nach mehr ist jedem Geschöpf eingepflanzt. Oder wie Augustinus es sagt: „Unruhig ist mein Herz, bis es Ruhe findet in dir.“

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Lukas 24, 50-53 Deine segnenden Hände

Ja Herr, das brauchen wir: dass du deinen Hände erhebst und uns segnest. Du segnest uns mit den Händen, die am Kreuz durchbohrt wurden. Das brauchen wir mehr als all unsere eigenen guten Vorsätze oder als gute Wünsche. Wir brauchen deinen Segen. Ohne deinen Segen bleibt alles leere menschliche Religion. Wir brauchen deine Kraft, wir brauchen deinen Trost, wir brauchen deine heilenden Hände, wir brauchen deine Gegenwart, wir brauchen dich.

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Lukas 24, 36-49 Bibellesen mit Jesus

Diese Textstelle war mir bei den Auferstehungsberichten der Evangelien nicht so bekannt. Zwei Dinge sind mir aufgefallen: Zum einen die Betonung der Leiblichkeit des Auferstandenen. Deutlicher als an anderen Stellen wird betont, dass der Auferstandene mehr ist als eine Erscheinung. Lukas sagt, dass er Fleisch und Knochen hat. Ja, Jesus fordert sogar auf, ihn anzufassen und isst vor den Augen der Jünger etwas. Jesus ist leibhaftig ins Leben zurück gekommen. Es war mehr als eine Erscheinung.

Das zweite was mir aufgefallen ist: Wie schon bei den Emmausjüngern ist es für Lukas wichtig, dass Jesus uns das Verständnis für die Heilige Schrift neu eröffnet (V.45). Die Begegnung mit dem auferstandenen Jesus ist keine neue Offenbarung, sondern ganz eng an die Schrift gebunden und nur von ihr her zu verstehen. Lukas macht deutlich, wie wichtig für uns Christen das Lesen der Bibel ist. Gerade das Neue, das wir mit Jesus erleben, gerade die neue Gotteserfahrung in Christus und durch den Heiligen Geist, kann nur von der Schrift her richtig verstanden und gedeutet werden. Für einen Christen gehört das Lesen der Bibel essentiell zu seinem Glauben dazu.

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Lukas 24, 13-35 Anders und doch gut

Immer wieder neu faszinierend finde ich diese Geschichte von den zwei Emmausjünger. Aufgefallen ist mir dieses mal, dass diese zwei Jünger ja gar nicht zum engeren Jüngerkreis gehört haben. Es waren nicht zwei von den zwölf Jüngern, die von Jesus in besonderer Weise zur Nachfolge berufen wurden, sondern zwei aus dem erweiterten Jüngerkreis. Der auferstandene Jesus zeigt sich nicht zuerst und ausschließlich den zwölf Aposteln, sondern er zeigt sich gerade auch anderen Jüngerinnen und Jüngern. Das finde ich schön. Jeder hat die gleich Chance, dem Auferstandenen zu begegnen.

Beim Lesen kam es mir auch fast schon schelmisch vor, wie Jesus mit den zwei Jüngern umgeht. Er lässt nicht gleich die Katze aus dem Sack, sondern lässt sie erst ein wenig zappeln und treibt ein bisschen Bibelauslegung mit ihnen. Und als sie ihn endlich erkannt haben, verlässt er sie auch gleich wieder.  Er scheint mit einem Augenzwinkern deutlich zu machen: Nehmt eure Trauer und euren Schmerz doch nicht so ernst. Es musste doch alles so kommen. Es ist doch alles okay – auch wenn es anders kam, als ihr euch das gedacht habt. Ich bin da – auch wenn ihr mich nicht immer gleich erkennt und versteht…

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Lukas 24, 1-12 Ungläubige Apostel

Wieder mal erstaunlich, wie ehrlich die Bibel ist. Die Frauen erzählen vom leeren Grab und davon, wie Engel ihnen die Auferstehungsbotschaft gesagt haben. Und was machen die Apostel? Feiern sie auf diese Worte hin ein freudiges Osterfest? Grüßen sie sich mit dem Ostergruß: „Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden“?  Nein: „Es erschienen ihnen diese Worte, als wär’s Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht.“ (V.11) Selbst die Apostel glauben die Osterbotschaft nicht! Worte allein können keinen Glauben hervorbringen. Dazu braucht es eine persönliche Begegnung mit dem Auferstandenen.

Da befinden wir uns also in guter Gesellschaft. Die meisten Menschen heute können mit der Osterbotschaft auch nicht viel anfangen. Da können wir noch so viel predigen und noch so begeistert von unserem Glauben reden. Das wird anderen als leeres Geschwätz erscheinen. Und da befinde auch ich selbst mich in guter Gesellschaft mit meinen Zweifeln und Fragen. Wenn ich wenig vom auferstandenen Herrn in meinem Leben sehe, dann fällt es auch mir schwer zu glauben und zu vertrauen. Wie auch die Apostel brauche ich dringend die Begegnung mit dem Auferstandenen. „Herr Jesus Christus, du Auferstandener, lass es auch bei mir Ostern werden!“

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Lukas 23, 50-56 Ohne Josef, kein leeres Grab

Der Kreuzestod war nicht nur die grausamste Hinrichtungsart der Antike, sondern auch diejenige, welche einen Menschen am meisten entehrt hat. Im damaligen Gefühl war es noch wichtiger, einen ehrenhaften Tod zu haben als heute. Die Leichname der Gekreuzigten wurden dementsprechend normalerweise auf ganz und gar nicht respektvolle Weise entsorgt. Ab und zu machten die Römer eine Ausnahme und ein Toter durfte bestattet werden.

Es ist also keine Selbstverständlichkeit, das Josef von Arimathäa den Leichnam Jesu begräbt. Darüber hinaus war Mitglied des Hohen Rates, also des Gremiums, das Jesus unbedingt loswerden wollte. Er stieß mit seinem ehrenvollen Handeln gegenüber Jesus kaum auf große Gegenliebe im Hohen Rat. Und trotzdem hat er es gewagt. Er war ein guter und gerechter Mann.

Was wäre wohl gewesen, wenn die Römer den Leichnam Jesu einfach hätten verschwinden lassen? Was wäre gewesen, wenn sich Josef nicht für Jesu Grablegung eingesetzt hätte? Dann hätte es kein leeres Grab als bestätigenden Hinweis auf Jesu Auferstehung gegeben. Dann hätte man die Auferstehungsberichte noch leichter für erfunden halten können. Gut dass es einzelne Menschen, wie diesen Josef gegeben hat und gibt, die gegen den Strom schwimmen. Auch ein Einzelner kann einen Unterschied machen. Auch du!

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Lukas 23, 32-49 Hilf dir selbst und uns!

Drei mal wird Jesus spöttisch aufgefordert, sich doch selbst zu helfen. Das dürfte doch für den Messias, den Auserwählten Gottes, kein großes Problem sein.   Die ersten sind die jüdischen Oberen, dann fordern ihn die römischen Soldaten auf sich selbst zu helfen und schließlich meint auch einer der Verbrecher, die mit ihm gekreuzigt werden: „Hilf dir selbst und uns!“ (V.39)

Von der Sache her kann ich diese Aufforderung sehr gut nachvollziehen. Nicht als Spott über Jesu scheinbare Hilflosigkeit, sondern als Anfrage an Gott. „Wenn du wirklich Gott bist, warum greifst du nicht ein? Warum siegt in unserer Welt so oft das Gottlose und Böse? Warum lässt du es zu, dass wir Menschen deine Schöpfung zu Grunde richten? Warum hilfst du nicht dir selbst und damit auch uns?“ Die Menschen damals dachten: Wenn jemand wirklich der Auserwählte Gottes ist, dann muss man doch auch was davon sehen. So ähnliche Gedanken kenne ich auch: Wenn du wirklich Gott bist, warum sehe ich dann so wenig davon?

Das Kreuz war damals eine Zumutung. Und es ist auch für mich eine Zumutung. Anstatt sichtbar und deutlich einzugreifen, mutet Gott uns zu darauf zu vertrauen, dass er gerade am Kreuz eingreift und uns mit der ganzen Schöpfung errettet. Sehen kann ich wenig davon. Ich kann nur darauf hoffen und vertrauen, dass es tatsächlich so ist.

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Lukas 23, 26-31 Weine nicht über mich!

Also gab es doch noch einige Fische, die gegen den Strom schwammen: Einige Frauen begleiten Jesus auf seinem Kreuzweg und klagen und beweinen ihn. Sie trauen sich, öffentlich ihre Zugehörigkeit zu Jesus zu zeigen – auch wenn die große Masse mit Gebrüll seinen Tod gefordert hatte.

Mich berührt an diesem Text dann diese Zurechteweisung Jesus: „Weint nicht über mich, sondern weint über euch selbst und über eure Kinder.“ (V.28) Ist das auch eine Zurechtweisung an mich und meinen Umgang mit Karfreitag? Wichtiger als Betroffenheit und Mitgefühl für den Tod Jesu zu zeigen ist es, seine eigene Sünde und Verlorenheit zu erkennen. Schlimm an Karfreitag ist nicht Jesu Tod – der war von Gott gewollt und Jesus ist diesen Weg bewusst gegangen. Schlimmer ist es, wenn wir an Karfreitag nicht unsere Erlösungsbedürftigkeit erkennen. Denn dann war dieser Tod umsonst. Weint nicht über Jesus, sondern über euch selbst.

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Lukas 23, 13-25 Schwimme doch gegen den Strom

„Sei ein lebend’ger Fisch, schwimme doch gegen den Strom!“ So heißt es in einem bekannten Kinderlied. Das singt sich so leicht und lebt sich doch so schwer. Die Masse steht da und will unbedingt Jesu Tod. Es bleibt rätselhaft, warum sich die Stimmung so schnell und so extrem wandelt. Noch vor wenigen Tagen hatte die Masse Jesu beim Einzug in Jerusalem begeistert mit „Hosianna!“ zugejubelt. Jetzt brüllen sie ihn in den Tod! Ja, die Masse ist ein launisches Wesen.

Mir fällt dazu so mancher „Shitstorm“ im Netz ein. Es geht so schnell, dass so manche coole Videos im Netz hochgejubelt werden. Und es geht so schnell, dass manche Personen im Netz runtergemacht werden. Wenn erst einmal ein paar laut genug brüllen, dann fällt die Masse schnell mit ein ins Gebrüll. Es ist ja immer auch angenehmer und sicherer bei der Mehrheit zu sein. Es ist so leicht mit dem Strom zu schwimmen. Das war schon immer so – aber im Netz geht das heute noch schneller, bequemer und anonymer.

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