2. Korinther 13 – Gemeindefrust

Zum Schluss des Briefes gibt es noch mal mahnende Worte von Paulus. Er kündigt einen dritten Besuch an und warnt, dass er dieses mal die Sünder in der Gemeinde nicht schonen will (V.2). Es wird für mich noch mal deutlich, dass schon der gute alte Paulus mit so manchen Gemeindeproblemen zu kämpfen hatte. Ich bin froh, dass auch die zwei Korintherbriefe in der Bibel stehen. Da gibt es einige theologische Höhenflüge des Paulus (z.B. 1. Korinther 13: Das Hohelied der Liebe) aber es gibt auch manch schwer verdaulichen Streitereien, Vorwürfe und Selbstrechtfertigungen.

Gemeinde war von Anfang an kein einfaches Pflaster. Sie war von Anfang an nicht vollkommen. Diese idealisierten Darstellungen in der Apostelgeschichte nerven mich manchmal (Apg. 4,32: „Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele“). Da wird uns ein unereichbares Ideal vor Augen gestellt, das beim Blick auf unsere Realität ganz schön frustrieren kann. Deswegen: Gut, dass wir in den Korintherbriefen nachlesen können, dass es schon damals nicht immer nur Friede, Freude, Eierkuchen war. Das entlastet und hilft die Chancen und Gefahren von Gemeinde realistischer zu beurteilen.

2. Korinther 12, 1-10 – Ein Schwächling

Um so schwach zu sein wie Paulus muss man ganz schön stark sein. Das ist ja eine paradoxe Sache. Paulus sieht sich selbst als schwach: Damit meint er sich als ganz normaler natürlicher Mensch. Er weiß, dass er in den Augen der Welt kein besonders toller Hecht ist. Er weiß, dass er kein begnadeter Rhetoriker ist, wie manche andere. Er kennt nur zu gut seine körperliche Schwäche, die ihn immer wieder plagt (V.7: Pfahl im Fleisch). Er weiß: er kann nichts. Wenn er etwas zustande bringt, dann nur durch die Kraft Gottes.

Gerade in diesem Vertrauen liegt seine Stärke. Es ist nicht einfach, sich selbst aufzugeben, nichts selbst machen zu wollen, sondern in allem nur auf Gott zu vertrauen. Es ist nicht einfach, weiter auf Gott zu vertrauen, selbst wenn Gebete nicht erhört (zumindest nicht so wie sich das auch ein Paulus gewünscht hat: Er wäre seinen „Pfahl im Fleisch“ auch gern losgeworden – aber Gott wollte nicht…).

Nach außen hin Stärke zu demonstrieren ist auch heute noch einfacher, als vor anderen seine Schwäche einzugestehen. Schwach sein kann ganz schön weh tun. Schwach sein macht angreifbar. Die Schwächlinge sind schon in der Schule ein beliebtes Opfer…

2. Korinther 11, 16-33 – Angebliche Schwachheit

„Wenn ich mich denn rühmen soll, so will ich mich meiner Schwachheit rühmen.“ (V.30)

Dabei ist Paulus gar nicht so schwach, wie er tut. Er beschreibt, was er alles um seines Glaubens erdulden musste: Mühe, Arbeit, Hunger, Verfolgung, Todesnot, Folter,… Um das alles zu ertragen, braucht man sehr viel Kraft. Sehr viel Ausdauer. Einen sehr großen Glauben. Ich will mich jetzt mal meiner Schwachheit rühmen: Ich könnte das alles nicht. Ich wäre zu schwach dazu…

2. Korinther 11, 1-15 – Starker Tobak

Starker Tobak, den Paulus hier raucht! Es geht wieder einmal um die Auseinandersetzung mit anderen christlichen Leitern und Predigern, die in Korinth wohl einiges an Verwirrung gestiftet haben. Er bezeichnet diese Leute als falsch, betrügerisch und bringt sie dann sogar mit dem Satan in Verbindung (V.13-14). Darf man so argumentieren??? Natürlich kann ich die Situation von damals nicht einschätzen. Ich weiß nicht genau, was diese falschen Apostel vertreten haben – in den Augen des Paulus müssen es ja offensichtliche und schwere Irrlehren gewesen sein.

Aber ich möchte Paulus hier nicht als Vorbild nehmen. Wenn ich manchmal höre wie heute bei unterschiedlichen Auffassungen von Glaube und Bibel von Christen aufeinander eingedroschen wird, dann dreht es mir den Magen um. Viel zu schnell sind manche Christen dabei, andere Meinungen als „von unten“ zu sehen. Da ist ja dann überhaupt keine Diskussion mehr möglich. Das ist ein Totschlag-Argument bei dem es nur die Möglichkeit gibt: Du oder ich. Wie gesagt: Wahrscheinlich war es ja bei Paulus durchaus angebracht und er hat das als inspirierter Bibelschreiber nicht einfach so aus Affekt dahingeschrieben. Aber all zu leichtfertig sollten wir solch scharfen Angriffe nicht übernehmen.

2. Korinther 10, 12-18 – Vergleichen

Es ist gar nicht so einfach, nicht zu vergleichen. Die eine Gemeinde mit der anderen. Den einen Prediger mit dem anderen. Den einen Missionar mit dem anderen. Wer ist erfolgreicher als die Anderen? Da gibt es kleine Gemeinden, die sind neidisch auf die großen und lebendigen. Da gibt es große Gemeinden, die etwas verächtlich und mitleidig auf die kleinen herabschauen… Das war wohl schon damals bei Paulus so. Die Korinther haben verglichen und das hat so manche unzufrieden gemacht. Im heutigen Abschnitt weigert sich Paulus, sich mit anderen zu vergleichen. Er sagt: Wenn es gut läuft, dann ist das Gottes Sache. Da brauch ich mich nicht rühmen.

2. Korinther 10, 1-11 – Kämpfer

„Denn obwohl wir im Fleisch leben, kämpfen wir doch nicht auf fleischliche Weise.“ (V.3)

Müsst ihr auch kämpfen im Glauben? Ich schon! Nicht nur mit den bösen Mächten der Finsternis, sondern viel zu oft nur mit mir selbst. Ist dieser Kampf bei euch auch oft so mühsam, schwierig und kräftezehrend? Und am Ende kommt doch nicht viel dabei heraus? Vielleicht kämpfe ich zu oft auf fleischliche, also auf menschliche Weise. Vielleicht bräuchte ich andere Waffen. Waffen, die nicht so sehr von meiner Kraft abhängen, sondern die Gottes Kraft transportieren.

2. Korinther 9 – Einen fröhlichen Geber

„Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“ (V.7) Was von Paulus als Motivation gedacht war, kann schnell zur faulen Ausrede werden: „Da ich nicht mit fröhlichem Gewissen geben kann, lass ich es lieber. Bevor ich nur aus falscher Motivation gebe, gebe ich besser gar nichts.“ Tja, ist die Frage was besser ist: Nur ungern und mit innerem Grummeln Geld, Zeit und Aufmerksamkeit zu spenden, oder gar nichts zu geben und zu warten bis die Fröhlichkeit kommt…

2. Korinther 8 – Sie wollen nur das eine

Jetzt geht’s ans Eingemachte! An den Geldbeutel! So manche kritische Leute würden sagen: „Hab ich doch gleich gewusst! In der Kirche geht’s doch letztendlich auch nur um mein Geld. Früher oder später wollen sie doch alle nur das eine: meine Knete!“ Das war offensichtlich damals bei Paulus schon so. Aber wenn wir die Paulusbriefe lesen, dann stellen wir fest: Das ist nur ein Thema von vielen. Es geht nicht dauernd und nicht voranging ums Geld. Aber es geht eben auch ums Geld. Denn Glaube ist eine ganzheitliche Sache. Das hört beim Geldbeutel nicht auf, sondern schließt ihn mit ein.

Paulus möchte, dass die Korinther Geld spenden für die verarmte Gemeinde in Jerusalem. Ich finde es erstaunlich, wie fordernd er dieses Anliegen vorbringt: Zweimal bringt er das Geldgeben direkt mit der Liebe zusammen (V.8, V.24). Je mehr die Korinther geben, desto mehr beweisen sie ihre Liebe. Das ist ja schon Erpressung: Wenn ihr wirklich Christen seid und andere liebt, dann müsst ihr auch was geben. Außerdem stellt er die Gemeinden aus Mazedonien als Vorbild hin, die „über ihre Kräfte“ (V.2) gegeben haben. Wir sind da heute sehr viel vorsichtiger… Aber zugleich betont Paulus auch, dass es nicht darum geht so viel zu geben, dass man selbst Not leidet. Es geht um einen Ausgleich (V.13-14). Der Überfluss der einen soll dem Mangel der anderen helfen.

2. Korinther 7, 5-16 – Gute Traurigkeit

Wir wollen nicht traurig sein, nein! Wir wollen Spaß, Glück, Zufriedenheit… Traurig sein ist schwach und uncool. Paulus schreibt dagegen hier von einer Traurigkeit, die uns erlösen kann. Natürlich nicht die Traurigkeit selbst. Gott kann Traurigkeit in unserem Leben benutzen, um uns zur Umkehr zu bewegen. Aber Paulus warnt auch: Ohne Umkehr führt die Traurigkeit in den Tod.

Paulus hatte die Korinther durch den sogenannten „Tränenbrief“ betrübt. Der Brief ist nicht mehr erhalten und wir wissen nicht genau, was er geschrieben hat. Aber seine Worte müssen die Korinther geschmerzt und wachgerüttelt haben. Sie sind nun wieder bereit zur Versöhnung mit Paulus. Die Traurigkeit hat sie zur Umkehr gebracht – und Paulus freut sich darüber.

Vielleicht wollen wir heute die Traurigkeit und den Schmerz viel zu schnell wegwischen. Wir wollen es gar nicht zulassen, dass andere oder wir selbst traurig werden. Wir haben Angst vor den tödlichen Folgen der Traurigkeit, die ja auch Paulus anspricht. Aber dabei nehmen wir uns auch eine große Chance: Gott kann die Traurigkeit benutzen, um uns wachzurütteln und um uns zur Umkehr zu bringen. Wenn etwas Neues entstehen soll, dann muss ich zunächst einmal dem Alten ins Auge blicken – auch wenn mich das schmerzt und mich traurig macht.

2. Korinther 6, 11 – 7, 4 – Alles geschenkt?

Sehr schön kann man an diesem Abschnitt sehen, dass Paulus nicht nur von der Gnade allein (sola gratia) sprach, sondern dass er auch knallhart die Christen dazu aufgefordert hat, sich um ein heiliges Leben zu bemühen. Paulus geht nicht davon aus, dass Christus uns einfach mit seiner Gnade überschüttet und dann alle von selbst zu heiligen und perfekten Menschen werden.

Es stimmt ja schon: In Christus schenkt uns Gott alles: Vergebung und Heiligung. Aber das heißt nicht, dass wir uns einfach nur in den Sessel legen und darauf warten, dass wir perfekt werden. Im Gegenteil: Wir sind gefordert. Paulus schreibt: „Weil wir diese Zusagen haben, liebe Freunde, wollen wir uns von allem reinigen, was unserem Körper oder unserem Geist schaden könnte. Denn wir fürchten Gott; deshalb streben wir nach einem geheiligten Leben.“ (2. Kor. 7,1)