Lukas 24, 50-53 Deine segnenden Hände

Ja Herr, das brauchen wir: dass du deinen Hände erhebst und uns segnest. Du segnest uns mit den Händen, die am Kreuz durchbohrt wurden. Das brauchen wir mehr als all unsere eigenen guten Vorsätze oder als gute Wünsche. Wir brauchen deinen Segen. Ohne deinen Segen bleibt alles leere menschliche Religion. Wir brauchen deine Kraft, wir brauchen deinen Trost, wir brauchen deine heilenden Hände, wir brauchen deine Gegenwart, wir brauchen dich.

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Hesekiel 13 Mehr Schein als Sein

Bewegt hat mich in diesem Text das Bild von der Wand, die schön aussieht, weil sie übertüncht ist, die aber beim Sturm in sich zusammen fällt. Genau dies wirft Hesekiel den falschen Propheten der damaligen Zeit vor: Sie bauen keine stabile Mauer, um das Volk zu schützen (V. 5), sondern sie übertünchen nur eine baufällige Wand, welche sich das Volk selbst aufbaut (V. 10). D.h. sie reden dem Volk nach dem Mund und lassen das Ganze einfach schön aussehen – aber es steckt keine Substanz dahinter.

„Allmächtiger Gott und Vater, du siehst wo es in meinem Leben genau so aussieht: nach außen hin fromm, schön und stabil – aber im Kern brüchig und wackelig. Bewahre mich vor dieser Heuchelei: mehr scheinen zu wollen, als ich bin. Lass das was ich rede und lebe stabil sein – auch wenn es nicht so imposant aussieht, wie bei manch anderen. Lass mich wirklich deine Stimme hören und hilf mir, mich danach auszurichten. Gib mir den Mut und die Kraft, das zu tun, was dir wichtig ist – auch wenn es nach außen nach nicht viel aussieht.“

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Exodus 34, 29-35 Ein leuchtendes Angesicht

„Was für ein wunderbares Bild für DEINE lebensverändernde Kraft, für DEINE leuchtende Herrlichkeit, die sich in unser widerspiegelt! Mose hat mit DIR geredet, wie mit einem Freund, von Angesicht zu Angesicht. Er hat sich in DEIN Licht gestellt und danach hat die Haut seines Angesichts geleuchtet.

Das wünsch ich mir für uns heute, für mich: dass wir DIR begegnen, dass wir DEINER Herrlichkeit nahe kommen, dass wir mir DIR reden, wie mit einem Freund. Und dass unsere Angesichter anfangen zu leuchten. Nicht weil wir uns anstrengen, ein besonders guter Christ zu sein, nicht weil wir uns bemühen, ein freundliches und fröhliches Gesicht zu machen, nicht weil wir die Rechtgläubigen und Bibeltreuen sind, die sich an DEIN Wort halten. Nein, einfach weil wir in DEINER Gegenwart leben, weil wir von DEINEM Licht erleuchtet werden. Wir strengen uns nicht an, wir bemühen uns gar nicht einmal um dieses Leuchten, ja wir bemerken es nicht einmal. Wir sehnen uns nur nach einem: nach DEINER Gegenwart, nach DEINEM Reden, nach DEINEM Leuchten.“

Epheser 1, 15-23 Erleuchtete Augen des Herzens

Diese Formulierung hat mich in dem Abschnitt besonders angesprochen: „Er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens“ (V.18). Mit den erleuchteten Augen ist wohl weniger gemeint, dass die Augen leuchten und strahlen, sondern dass sie vom Licht erleuchtet werden und sie somit nicht nur Finsternis sehen können, sondern im Licht überhaupt etwas erkennen können. Wobei das was sie dann sehen können auch die Augen selbst zum strahlen bringt.

Unsere Augen im Kopf, die funktionieren meist mehr oder weniger gut. Wir können die Welt um uns herum sehen, erkennen und beurteilen. Wir nehmen die Schönheit und das Leid dieser Welt wahr. Aber die Augen des Herzens, die sehen oft nicht viel. Wenn Gott sie erleuchtet, dann erkennen wir welch große Hoffnung wir haben (V.18) und welch überschwänglich große Kraft Gott uns jetzt schon schenkt (V.19).

Ich finde es schön, dass es nicht nur um Hoffnung auf zukünftige Dinge geht, sondern auch um die gegenwärtige Kraft. Aber auch andersherum geht es nicht nur um Kraft für die Gegenwart, sondern auch um Hoffnung auf die ewige Welt. Beides gehört zusammen. Schön ist es auch, dass Gott uns das nicht erst noch geben muss oder wir es uns erkämpfen müssen, sondern dass wir nur die erleuchteten Augen des Herzens brauchen, um zu erkennen, was wir durch Christus schon längst haben. Es ist schon da, wir müssen nur die Augen aufmachen!

Vater der Herrlichkeit, erleuchte auch meine Augen des Herzens immer mehr. So dass ich mehr von Deiner Welt, von Deiner Kraft und Herrlichkeit auch in meinem Leben entdecken kann.“

| Bibeltext |

Ich werde nicht sterben

„Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.“ (Ps.118,17) Diese Worte haben mich heute aus „heiterem Himmel“ getroffen. Der Theologe Karl Barth hat betont, dass Gott der ganz Andere ist und dass er „senkrecht von oben“, ohne irgendwelche Vermittlung oder weltlichen Anknüpfungspunkte, in unsere Welt eingreift und spricht. Ich bin kein „Barthianer“ und ich denke, dass Gott sehr wohl andere Menschen, Bücher, Erlebnisse, die Natur oder alles mögliche und unmögliche benutzen kann, um zu uns zu sprechen. Aber vom Gefühl her ging esmir heute so, dass dieses Wort „senkrecht von oben“ kam und mich mitten ins Herz getroffen hat.

Nachdem meine Frau mich gestern Abend wieder hierher zurück gefahren hat, hat sie die Nacht hier verbracht und wir sind heute morgen gemeinsam in den Gottesdienst der ev. Kirche vor Ort gegangen. Diese Verse, die mich bewegt haben, kamen im Psalmgebet vor, das wir im Wechsel mit dem Pfarrer gesprochen haben. Ich war diese Zeile völlig unvorbereitet. Es einer der Verse, den die Gemeinde beten sollte, nachdem der Pfarrer den vorherigen gelesen hatte. Aber ich konnte nicht. Nach den ersten paar Wörtern hat es mir buchstäblich die Sprache verschlagen.

Dieser Vers galt in diesem Augenblick mir. Da spricht Gott zu meiner Seele. Mir war dieser vorher schon bekannt und in einem der vielen lieben Briefe und Postkarten, die ich vor meiner Operation bekommen hatte, sprach mir auch ein älterer Christ diese Worte zu. Ab er ich konnte sie damals nicht so richtig für mich nehmen, da ich wusste, dass der Schreiber selbst eine schwere Krankheit durchgemacht hatte, dass er von Gott geheilt wurde und dass dieser Vers in seiner eigenen Geschichte eine wichtige Rolle gespielt hat. Ich dachte: Naja, das ist ja mehr sein Vers, der ihm von Gott in seiner Situation zugesprochen wurde… Heute morgen hat Gott auch mir diesen Vers ganz persönlich zugesprochen.

Danke Herr! „Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.“!!!

Jeremia 21, 11 – 22, 9 Die soziale Dimension des Glaubens

An dieser Stelle wird mal wieder deutlich, dass Glaube nicht nur eine innerliche und spirituelle Ausrichtung auf Gott ist, sondern dass Glaube auch eine äußerliche und sozial Dimension hat. Glaube bedeutet nicht nur, Gott zu vertrauen, sondern es bedeutet genauso seinen Nächsten gerecht zu behandeln. Oder wie Jesus es sagt: Gott lieben und seinen Nächsten wie sich selbst.

Jeremia klagt hier die Könige von Juda an: Sie haben den Bund mit Gott verlassen. Nicht nur weil sie andere Götter angebetet haben, sondern auch weil sie nicht für Recht und Gerechtigkeit gesorgt haben. Für Jeremia gehört das untrennbar zusammen: Gottesliebe und Nächstenliebe. Bei beidem haben die Könige versagt.

„Hilf mir mein Gott, Dich zu lieben. Immer mehr. Immer tiefer. Immer umfassender. Und schenke mir Liebe für meinen Nächsten. Immer mehr. Immer tiefer. Immer umfassender.“
Bibeltext

Wenn es dir schlecht geht…

Gerade bei Klaus Berger gelesen (Berger zitiert hier die Mystikerin Mechthild von Magdeburg):

„So sagt es der Gekreuzigte: Wenn es dir gut geht, dann habe ich meinen rechten Arm um deine Schulter gelegt. Aber wenn es dir schlecht geht, dann lege ich meinen linken Arm um dich, denn dann bist du meinem Herzen näher.“  (Klaus Berger: Jesus, S.111)

Und so antwortet windhauch dem Gekreuzigten: „Danke, dass ich deinen Arm auf meiner Schulter spüren darf…“

Jeremia 5, 1-14 Deftig, deftig!

Jeremia ist nicht gerade eine entspannende Lektüre. Kein christlicher Wohlfühlratgeber, um sich selbst glücklicher und zufriedener zu fühlen. Bei Jeremia geht’s richtig zur Sache. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Er spricht ganz klar und deutlich die Sünden seiner Zuhörer an.

Nicht nur auf religiösem Gebiet betreiben sie Hurerei, indem sie fremde Götter anbeten, nein auch im zwischenmenschlichen Bereich sieht es nicht besser aus: „Als ich sie satt gemacht hatte, trieben sie Ehebruch und liefen ins Hurenhaus. Ein jeder wiehert nach seines Nächsten Frau wie die vollen, müßigen Hengste.“ (V.7b.8) Deftig, deftig! Man kann sich denken, dass Jeremia sich mit solchen Predigten nicht nur Freunde gemacht hat…

Ich bewundere seinen Mut und seine Klarheit. Wobei das frustrierende ja war, dass die Leute ihn trotzdem nicht ernst genommen haben. Die haben einfach so weiter gemacht wie bisher und haben sich gesagt: Naja, so schlimm wird’s ja nicht werden. Wir haben doch einen netten und gütigen Gott. Der wird schon Verständnis für uns haben (vgl. V.12: „Sie verleugnen den Herrn und sprechen: Das tut er nicht; so übel wird es uns nicht gehen“). Diese Reaktion ist eigentlich noch deftiger und heftiger als die Worte des Jeremia…

Mein Gebet dazu: „Herr, lass mich erkennen, wo ich selbst daneben liege und wo ich so verblendet bin, dass ich meine eigenen Fehler nicht einsehe und erkenne.“
Bibeltext

Psalm 136 – Das unendliche Meer der Güte

Danke, Gott, dass Deine chäsäd (Güte, Gnade, Liebe) nie aufhört, sondern ewig währt. Dein Herz ist ein unendlicher Ozean aus Güte, Deine Gnade strömt unaufhörlich aus Deinen Händen und mit unverbrüchlicher Liebe umwirbst du uns immer wieder neu.

Wie hinfällig, schwach und klein ist dagegen meine Güte. Wie schnell bin ich ungnädig mit anderen Menschen und auch mir selbst. Und wie kümmerlich ist meine Liebe zu Dir, zu meinem Nächsten und zu mir selbst. Danke, dass Du anders bist. Danke, dass auf Dich Verlass ist. Danke, dass Dein Geist in mir wirkt und mich – in aller Vorläufigkeit – Dir ähnlicher macht.“
Bibeltext

Matthäus 25, 1-13 – Die schlafenden Jungfrauen

Die Pointe bei diesem Gleichnis von den zehn Jungfrauen ist V.13: „Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.“ Wir sollen wie die Brautjungfern bereit sein für die Ankunft des Bräutigams. Und weil wir nicht genau wissen wann er kommt, sollen wir allezeit für seine Ankunft bereit sein.

Was mir heute zum ersten mal bei diesem Gleichnis aufgefallen ist: Keine der zehn Jungfrauen hat das geschafft, keine blieb wach! V.5: „Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein.“ Ist ja auch klar und verständlich: Wenn man auf Jesus wartet und wartet – und er kommt nicht und kommt nicht. Das kam schon den Christen damals zur Zeit des Matthäus ziemlich lang vor. Und erst recht uns heute! Immer wach bleiben geht wohl nicht. Da schlafen sogar die klugen Jungfrauen ein.

Kann ich gut verstehen. Da sagt Jesus, dass er wieder kommt, dass es ein tolles, großartiges Fest gibt – und er kommt einfach nicht. Ich kenn dieses warten und hoffen. Das warten darauf, dass Jesus endlich eingreift, dass es Grund zum Feiern gibt – und man wartet vergeblich. Jeder kennt diese Nachtzeiten. Es ist dunkel, man wird schläfrig und irgendwann schläft man ein… Was soll man auch sonst tun?!? Schon mal ohne den Bräutigam feiern? Nein, das geht nicht. Man kann nur warten.

Das Gleichnis sagt uns: Er wird kommen! Er kommt auf jeden Fall! Und dann musst du bereit sein. Es ist nicht so schlimm, wenn du zwischendurch einschläfst, aber wenn er kommt, dann musst du noch so viel Glauben und Vertrauen in deiner Öllampe haben, dass du mit ihm zum Fest gehen kannst. Erst hier zeigt sich der Unterschied zwischen den klugen und törichten Jungfrauen. Eingeschlafen sind alle. Aber die klugen haben wohl von Anfang an mit einer längeren Wartezeit gerechnet und sie haben damit gerechnet, dass er auch nach langer Wartezeit trotzdem noch kommt. Die anderen haben offensichtlich die Hoffnung aufgegeben. Sie haben sich ganz dem Schlaf hingegeben. Als der Bräutigam dann tatsächlich kam, war’s zu spät.

Herr, du siehst meine Schläfrigkeit, du siehst meine Müdigkeit. Du siehst wie ich oft vergeblich auf dich warte. Du siehst die Dunkelheit und du siehst mich erschöpft einschlafen. Aber ich will die Hoffnung nicht aufgeben! Du kommst! Darauf vertraue ich.“