Bruder Lorenz – Weltentfremdung und Gottesnähe

Hab inzwischen das Buch über Bruder Lorenz (R.Deichgräber: Alle meine Gedanken sind bei dir) zu Ende gelesen. Ich schwanke zwischen Bewunderung und Ärger, zwischen Begeisterung und Kopfschütteln.

Manche Sätze von Bruder Lorenz sind so klar, einfach, einleuchtend und treffend, dass man denkt: Ja wohl, genau, der spricht mir aus dem Herzen! (vgl. Artikel: Bruder Lorenz) Und dann sind da wieder Aussagen, bei denen ich denke: Das kann man doch so nicht sagen! Vieles klingt nach totaler Überforderung, nach totaler Weltfremdheit, nach einem abgehobenen Leben ohne Fleisch und Blut.

Ein Beispiel: „Denn es ist unmöglich, dass eine Seele, die noch einige Lust und Liebe zu den Geschöpfen hat, diese göttliche Gegenwart vollkommen genießen könnte.“ (S.110) Und ob ich das hab. Ich hab sehr wohl noch einige Lust und Liebe zu so manchen wundervollen Geschöpfen, die mir Gott an die Seite gestellt hat. Und ich hab auch nicht vor diese Liebe aufzugeben…

Ich kann also ganz und gar nicht alles unterschreiben, was der gute Bruder Lorenz so von sich gegeben hat. Aber er fordert mich auch heraus. Der Grundansatz von Bruder Lorenz ist einfach und bestechend: Versuche bei allem – in deinem ganz normalen Alltag, bei deinen ganz normalen Tätigkeiten – immer mehr und immer öfter an Gott zu denken (so wie es der Buchtitel deutlich macht: All meine Gedanken sind bei dir). Er sagt, dass es nicht auf irgendwelche geistlichen Übungen und Leistungen ankommt, sondern darauf, dass wir immer mit der Gegenwart Gottes rechnen. Er gibt auch zu, dass das kein einfacher Weg ist und dass er selbst viele Schwierigkeiten hatte bei dieser Art seinen Glauben zu leben. Aber ich bin schon überzeugt, dass das ein Leben verändern kann, dass das einen viel näher zu Gott bringen kann. Ob das dann gleich mit solch einer totalen Weltentfremdung einhergehen muss, bleibt für mich in Frage.

Bewerte diesen Artikel

2 Gedanken zu „Bruder Lorenz – Weltentfremdung und Gottesnähe“

  1. näher zu Gott mag einen das ja bringen. Aber was bringt diese Nähe wiederum, wenn man sich dadurch von den Menschen und allen Dingen entfernt.
    Wenn Bruder Lorenz für sich in Anspruch nimmt, dass er Gott liebt und dieser ihn, dass also Gott „Lust und Liebe“ zu ihm hat, dann ist er damit nicht allein. Viele andere Menschen nehmen das auch in Anspruch und Gott liebt alle Menschen. Gott würde es sicher nicht mögen, wenn jemand seine Geschöpfe nicht lieben würde.. Aber nein. Da Bruder Lorenz anscheinend ein Mönch ist (ich kenne ihn nicht) ist sein einziges Lebensziel ein tolles Gefühl mit Gott zu haben.
    Das kann ja wohl nicht das Endziel eines menschlichen Lebens sein. Man muss doch diesen Genuss auch andern Menschen zugänglich machen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.