Bonhoeffer: Nachfolge (9) – Christi Gerechtigkeit

Nach Bonhoeffer räumt Jesus in Mt.5,17-20 mit zwei Missverständnissen des Gesetzes auf. Das eine Missverständnis betrifft die Pharisäer: sie setzten Gott und Gesetz gleich und so kommt es zu einer „Vergottung des Gesetzes und Vergesetzlichung Gottes“ (S.117f). Hier wird das Gesetz zum Ersatz für die Gemeinschaft mit Gott. Umgekehrt wäre es aber auch ein Missverständnis, wenn die Jünger Gott und Gesetz völlig trennen würden (so wie es z.B. Marcion getan hat, der ein Christentum ohne alle jüdischen Bindungen wollte). „Es gibt keine Erfüllung des Gesetzes ohne Gottesgemeinschaft, es gibt auch keine Gottesgemeinschaft ohne Erfüllung des Gesetzes. Das erste gilt den Juden, das zweite dem drohenden Mißverständnis der Jünger.“ (S.118) Geber und Gabe müssen unterschieden werden, aber dürfen auch nicht auseinander gerissen werden.

Jesus setzt das Gesetz neu in Kraft (er bringt kein neues Gesetz, sondern bringt das alte neu zur Geltung), indem er zwischen das Gesetz und den Jünger tritt (S.119). Nicht um das Gesetz aufzulösen, sondern um es in der Bindung an ihn neu zu bekräftigen. Das Gesetz gilt auch für den Jünger Jesu. Und zwar geht es dabei nicht nur um die richtige Lehre über das Gesetz, sondern auch um das konkrete Tun des Gesetzes.

Allerdings erreicht der Jünger Jesu eine bessere Gerechtigkeit in diesem Tun als die Pharisäer. Denn kein Mensch kann das Gesetz völlig erfüllen. „Der Vorzug der Gerechtigkeit des Jüngers besteht darin, daß zwischen ihm und dem Gesetz derjenige steht, der das Gesetz vollkommen erfüllt hat…Ehe er anfängt dem Gesetz zu gehorchen, ist das Gesetz schon erfüllt.“ (S.120) Auch wenn der Nachfolger Jesu mit aller Kraft versucht das Gesetz zu erfüllen, so bleibt seine Gerechtigkeit doch „in strengem Sinne geschenkte Gerechtigkeit“ (S.121).

Was heißt das? In Jesus Christus ist das Gesetz erfüllt. Schon vor allem Tun der Jünger. Aber! Dies entbindet die Nachfolger nicht vom Tun des Gesetzes. Eine Gemeinschaft mit Gott ohne Tun der Gebote Gottes gibt es für Bonhoeffer nicht. Im Grunde wendet er sich hier wieder gegen eine „billige Gnade“, einer Gnade die uns von allem Tun und aller echten Nachfolge entbindet.

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