Bonhoeffer: Nachfolge (23) – Das Bild Christi

Das Abschlusskapitel von Bonhoeffers Nachfolge. Noch einmal nimmt Bonhoeffer das Ganze in den Blick und fragt, was die Bestimmung, das Ziel des Nachfolgers ist: „Es ist die unfaßlich große Verheißung, die denen gegeben ist, die vom Ruf in die Nachfolge Jesu Christi getroffen wurden, daß sie Christus gleich werden sollen […] Das ist die letzte Bestimmung des Jüngers, daß er werden soll, ‚wie Christus‘.“ (S.297) Auffällig auch hier noch einmal der Ausgangspunkt: wir werden vom Ruf in die Nachfolge getroffen. Es ist nicht etwas, das von uns ausgeht, sondern Wesentlich ist der Ruf Jesu.

Bonhoeffer nimmt im Zusammenhang mit dem Bild Christi die Schöpfungsgeschichte auf: Das ist die Bestimmung des Menschen von Anfang an, „daß er Geschöpf ist und doch dem Schöpfer gleich sein soll“ (S.297). Er ist zu Gottes Ebenbild erschaffen. Jesus Christus ist gekommen, dieses verlorene Bild Gottes wiederherzustellen. „Niemand findet das verlorene Ebenbild Gottes wieder, es sei denn, daß er teilgewinnt an der Gestalt des menschgewordenen und gekreuzigten Jesus Christus.“ (S.300)

Diese Wiederherstellung geschieht auf dreifache Weise: Christus hat erstens Menschengestalt angenommen. Damit gibt er der ganzen „Menschheit die Würde der Gottebenbildlichkeit zurück“ (S.301). In jedem Menschen begegnet uns daher auch Christus und somit gründet in der Menschwerdung Jesu auch die Liebe zu allen Menschen. Zweitens muss der Jünger auch umgestaltet werden in die Todesgestalt des Gekreuzigten. Er muss der Sünde und der Welt sterben. Aber er wird drittens auch dem Verklärten und Auferstandenen gleichgestaltet. Das ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein Prozess: „Immer tiefer wird die Umgestaltung zum göttlichen Ebenbild, immer klarer wird das Bild Christi in uns“ (S.302).

Aber obwohl diese Umgestaltung ein anhaltender Prozess ist, sind wir doch jetzt schon Ebenbild Christi: „Weil wir zum Ebenbilde Christi gemacht sind, darum sollen wir sein wie Christus. Weil wir Christi Bild schon tragen, darum allein kann Christus ‚Vorbild‘ sein, dem wir folgen.“ (S.303) Wer in der Nachfolge steht, der soll das was er durch Christus schon längst ist, auch leben!

Am Ende betont Bonhoeffer noch einmal, was immer wieder durch das ganze Buch hindurch auftaucht: Nachfolge heißt allein auf Jesus zu sehen. „Der Nachfolgende sieht allein auf den, dem er folgt.“ (S.304) Es geht nicht um religiöse Selbstfindung, es geht nicht um die Suche nach wahrem Glück und Erfüllung, es geht nicht um fromme Weiterentwicklung, es geht nicht politische Umgestaltung der Welt,… All das kann und wird geschehen in der Nachfolge, aber es bleibt zweitrangig – denn der Nachfolger hat allein eines im Blick: Jesus Christus.

Mein persönliches Schlussfazit: Ich muss zugeben, an manchen Stellen tat ich mich schwer mit Bonhoeffers scharfen Zuspitzungen. Ich muss zugeben, dass sich das letzte Drittel ziemlich hingezogen hat. Aber insgesamt gesehen bin ich beeindruckt von diesem Buch und von Bonhoeffers Lebenszeugnis, das seine theologischen Aussagen untermauert. Ich bin beeindruckt von seiner Klarheit, die nicht in Vereinfachung und Banalität mündet. Ich bin beeindruckt, wie er tiefe persönliche Jesus-Frömmigkeit mit politischer Weltverantwortung kombiniert. Ich bin fasziniert davon, wie er durch alle theologischen Differenzierungen hindurch immer den Blick auf Jesus gerichtet hat.

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