Bonhoeffer: Nachfolge (15) – Die Verborgenheit der frommen Übung

Seinen Lesern damals (und noch viel mehr uns heute) muss Bonhoeffer erst einmal die Notwendigkeit von frommen Übungen ins Gedächtnis rufen, bzw. begründen. Zur Nachfolge gehört ganz selbstverständlich die „strenge Übung in der Enthaltsamkeit“ (S. 164) dazu. Ein Leben ganz ohne asketische Übung tut sich im Dienst für Jesus schwer.

Es geht dabei nicht darum, dass der Wille des Fleisches (unser selbstsüchtiges Wesen) erst gebrochen werden soll. Wir können uns durch Askese nicht erlösen oder verändern – das tut Gott. Aber es geht um den alltäglichen Kampf, in welchem sich unsere grundsätzliche geistliche Ausrichtung auf Gott bewähren muss. Es geht also nicht um Erlösung, sondern um Heiligung. Der freiwillige Verzicht auf Dinge dieser Welt, kann uns helfen uns auf die ewige Welt auszurichten.

Konkret nennt Bonhoeffer als fromme Übungen: „Hierzu hilft die tägliche, geordnete Übung des Gebets, wie auch die tägliche Betrachtung des Wortes Gottes, hierzu hilft allerlei Übung leiblicher Zucht und Enthaltsamkeit.“ (S.165f) Klingt anstrengend – ist es auch. Es bleibt „der unendliche mannigfache Kampf des Geistes gegen das Fleisch.“ (S.165) Dabei soll man sich nicht hinter einer falsch verstandenen evangelischen Freiheit verstecken – nach dem Motto: das sind doch alles gesetzliche Forderungen und wir sind frei vom Gesetz!

Es geht hier wie gesagt um Heiligung und nicht um unsere Erlösung: Unsere Erlösung können wir nicht durch fromme Werke erkaufen, aber in der Heiligung können wir durch fromme Werke durchaus weiterkommen. Das Ziel dieser Werke ist nicht, ein moralisch besserer Mensch zu werden, sondern die Ausrichtung auf Jesu. Wenn ich lerne von weltlichen Dingen unabhängiger zu werden, kann mir das helfen, meine Abhängigkeit allein von Jesus zu stärken. Es geht darum, von anderen Bindungen frei zu werden und allein auf die Bindung zu Jesus zu vertraue.

Bewerte diesen Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.