Bonhoeffer: Nachfolge (14) – Die Verborgenheit des Gebets

„Das rechte Gebet ist nicht ein Werk, eine Übung, eine fromme Haltung, sondern es ist die Bitte des Kindes zum Herzen des Vaters. Darum ist das Gebet niemals demonstrativ, weder vor Gott, noch vor uns selbst, noch vor anderen. Wüsste Gott nicht, was ich bedarf, dann müsste ich darüber reflektieren, wie ich es Gott sage, was ich ihm sage, ob ich es ihm sage. So schließt der Glaube, aus dem ich bete, jede Reflexion, jede Demonstration aus.“ (S.158) Damit ist eigentlich schon alles gesagt, damit ist deutlich, warum echtes Gebet verborgen ist. Im Gebet muss ich niemandem etwas demonstrieren – auch mir selbst nicht!

Das schließt die Gebetsgemeinschaft mit anderen nicht aus (S.159). Es macht aber deutlich, dass das Gebet allein auf Gott ausgerichtet ist (S.160). Das Gebet ist keine Aufführung auf einer Bühne (egal wer die Bühne beobachtet: Gott, Andere oder ich selbst), sondern es ist ein Bitten des Herzen. Es kommt nicht auf die äußere Form oder den Ort des Gebets an, sondern auf die Ausrichtung auf Gott.

Bonhoeffer schließt dann noch eine kurze und konventionelle Auslegung des Vaterunsers an, bei der er betont voranstellt, dass es kein Beispielgebet ist, sondern dass es in diesen Worten, die Jesus uns gelehrt hat, gebetet werden soll (S.160)

Was mich in diesem Kapitel angesprochen hat, ist der Gedanke, dass mein Beten auch für mich selbst eine Bühne werden kann, auf der ich versuche für mich eine gute Show abzuziehen. Geht es im Gebet um mich und auch um mein frommes Gefühl, damit etwas Gutes für mich zu tun, oder geht es um Gott?

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