Bonhoeffer: Nachfolge (1) Vorwort

„Es stellt sich in Zeiten der kirchlichen Erneuerung von selbst ein, daß uns die Heilige Schrift reicher wird. Hinter den notwendigen Tages- und Kampfparolen der kirchlichen Auseinandersetzung regt sich ein stärkeres Suchen und Fragen nach dem, um den es allein geht, nach Jesus selbst.“ (S.21; die Seitenangaben beziehen sich auf meine Ausgabe: 2. Aufl. der Taschenbuchausgabe, 2005; Werke, Bd. 4) Das sind die ersten zwei Sätze des Buches. Darum geht es allein: Jesus selbst. Und wer nach Jesus selbst sucht, bei dem stellt sich von allein ein, dass ihm die Heilige Schrift reicher wird, kostbarer, zentraler, wichtiger, lebendig, lebenspendend,…

Kirchliche Auseinandersetzungen gab es immer und wird es immer geben, sei es zwischen unterschiedlichen Kirchen, sei es innerhalb unserer Kirchen, sei es auf Gemeindeebene. Aber das Eine bleibt: Jesus selbst. Auch heute wird diskutiert und gestritten über richtige Kirchenpolitik, über Frömmigkeitsstile, über Theologie, über Formen der Gemeindearbeit, über kirchliche Institutionen, über Gemeindeaufbauprogramme, über Kirche in der Postmoderne, über Evangelisationsstile, über Taufe und Abendmahl… Wer aber wirklich Erneuerung will, der muss „Suchen und Fragen nach dem, um den es allein geht, nach Jesus Christus.“

Das zeichnet Bonhoeffer und dieses Buch aus: Die Konzentration auf das Zentrum. Er will keine kirchliche Tagespolitik betreiben, sondern er will dem Zentralen und Ewigen näher kommen (und Bonhoeffer hat gerade dadurch kirchenpolitisch mehr bewirkt als hunderte von gewitzten Kirchenpolitiker!).

In seinem Vorwort beschreibt Bonhoeffer sein Vorhaben: Er sucht danach, was Nachfolge heute für den ganz normalen Menschen im Alltag bedeutet. Wie lebt man Nachfolge? Keine Theorie der Nachfolge, sondern die praktische Frage, wie der Arbeiter, der Geschäftsmann, der Landwirt, der Soldat die Nachfolge leben kann (S.23)

Bei dieser Suche will er nicht eigene Meinung predigen, sondern „Jesus Christus selbst“ (S.22) „Wenn die Heilige Schrift von der Nachfolge Jesu spricht, so verkündigt sie damit die Befreiung des Menschen von allen Menschensatzungen, von allem, was drückt, was belastet, was Sorge und Gewissensqual macht. In der Nachfolge kommen die Menschen aus dem harten Joch ihrer eigenen Gesetze unter das sanfte Joch Jesu Christi.“ (S.23) Nachfolge orientiert sich alleine an Christus, nicht an menschlichen Geboten und Satzungen.

Das Gebot Jesu erscheint uns manchmal „hart, unmenschlich hart“ (S.23) – und Bonhoeffer wird diese Härte in seinen Auslegungen herausarbeiten und nicht schmälern – aber wer sich ganz auf Jesus einlässt, für den ist es Freude: „Wir aber wissen, daß es ganz gewiß ein über alles Maßen barmherziger Weg sein wird. Nachfolge ist Freude.“ Da geht es nicht um ein Wohlfühlchristentum oder christliche Lebensweisheiten a la Anselm Grün, da geht es um unbequeme Forderungen und Wahrheiten. Aber eben auch um die Erfahrung, dass der unbequeme und fordernde Weg der Nachfolge Christi in die Freude führt – keine oberflächliche, weltliche Freude, sondern tiefe, himmlische Freude.

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Ein Gedanke zu „Bonhoeffer: Nachfolge (1) Vorwort“

  1. ich habe über das Thema auch vor einigen Monaten ein buch veröffentlicht, es diese Woche nochmal verkürzt und in form
    gebracht hi ich habe noch mal 7000 überflüssige Wiederholungen aus den texten
    rausgestrichen, denn ich habe vorher die texte nicht alle richtig genau angeguckt aus zeitmangel, ich wollte es auch inhaltlich nicht verbessern, doch dann habe ich mich entschlossen ein Inhaltsverzeichnis zu machen so dass es nun seit heute
    mein buch erstmal mit inhaltsverzeichnis gibt
    http://workupload.com/file/2ntjTsF

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