Birgit Vanderbeke: Ich sehe was, was du nicht siehst

Ein wundervoll erzähltes kleines Buch. Ein ganz eigener Stil: Sehr schlicht, sehr klar, scheinbar naiv und doch tiefgründig. Die Erzählerin versteht es, dem Leser die Augen zu öffnen für die Absonderlichkeiten des Alltags. Ein bisschen erinnert diese Weise des Erzählens an François Lelord, allerdings mit etwas weniger Pathos als bei ihm – das tut dem Buch sehr gut.

Vom Inhalt her geht es um eine junge Frau und ihrem Sohn. Irgendwann beschließt sie aus ihrer bisheriger Welt auszubrechen und zieht nach Berlin. Doch sie merkt, dass sie für etwas wirklich anderes weiter weg gehen muss und sie zieht nach Frankreich. Herrlich unaufgeregt erzählt sie über ihre Erfahrungen, ihre Ängste und das Finden von Heimat. Sie erzählt über die kleinen und großen Unterschiede zwischen den Kulturen, wobei wir verklemmten Deutschen nicht sehr gut wegkommen…

Zitate:

„Man kann einfach weggehen, dachte ich. Entweder man geht ein bißchen weg, oder man geht richtig weg oder man bleibt… Man kann auch bleiben und, während man bleibt, denken, eines Tages gehe ich einfach weg, und während man das es denkt, bleibt man und wartet… und eines Tages ist man geblieben und gar nicht weggegangen, weder ein bißchen noch richtig. Und dann ist man traurig und sagt: wo ist das Leben bloß hin.“ (S. 7)

„Es ist sonderbar, sagte René am Abend, daß man Dinge sehen kann, ohne sie wahrzunehmen. Mal gespannt, was wir auf die Weise noch so entdecken.“ (S. 95)

Bewerte diesen Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.