Benedict Wells: Spinner

Der zweite Roman von Benedict Wells. Seinen ersten, Becks letzter Sommer, fand ich sehr gut. Es wirkt mit einer erstaunlichen Leichtigkeit geschrieben zu sein und hat viele ungewöhnliche Charaktere. Dieses zweite Buch scheint ein sehr persönliches Buch zu sein. Die Hauptfigur ist Jesper Liers, der sich als Schriftsteller versucht, aber – zumindest für die Zeit der Romanhandlung – daran scheitert. Wie Benedict Wells wächst er in Münschen auf und zieht nach Berlin. Wie sein Erschaffer versucht er nicht zu studieren, sondern Schriftsteller zu werden.

Ich denke, der Autor verarbeitet in diesem Roman viele seiner Ängste und Schwierigkeiten als angehender Schriftsteller. Das zeigt sich auch in der langen Entstehungszeit dieses Romans. Wells hat ihn 2003 mit 19 Jahren angefangen, erschienen ist er 2009. Also genau in den Jahren, in denen bei Wells selbst die Entscheidung für seinen Weg als Schriftsteller gefallen ist.

Jesper Liers ist ziemlich am Ende. Er zog nach der Schule nach Berlin und spielt sich selbst und anderen die Rolle des verkannten Genies vor, der an einem wirklich großen Roman arbeitet. Studieren tut er nur zum Schein, die ganze etablierte Welt um sich herum verachtet er und seine ganzen Hoffnungen hängen an seinem großen Romanwerk, das er nachts, am Ende nur noch mit Hilfe von Alkohol und Schlaftabletten zu Ende bringt. Das einzig große an dem Roman ist allerdings der Umfang: über 1500 Seiten…

Freunde hat er so gut wie keine, nur der schwule Gustav und Frank einen ehemaligen Klassenkameraden, der ziemlich verunsichert ist und wenig Selbstvertrauen hat. Jesper träumt von der großen Liebe, doch die Realität sieht erbärmlich anders aus. Im Lauf des Romans steuert er immer deutlicher auf die große Katastrophe zu. Wie es ausgeht erwähn ich hier nicht, … selbst lesen!

Wie im ersten Roman geht es um ziemlich ungewöhnliche und herunter gekommene Typen. Vom Stil her schlägt Wells einen ähnlich lockeren und flüssigen Ton an. Die Stimmung ist noch etwas düsterer.

Mir persönlich hat „Becks letzter Sommer“ besser gefallen. Aber auch diesen Roman hab ich gern gelesen. Erst im Nachhinein wurde mir deutlich, wie persönlich dieser Roman ist. Es ist ein Roman über das Erwachsen werden, über das Finden des richtigen Weges, über das Verlieren von Träumen und die Angst vor den Festlegungen der Realität. Aber letztendlich auch um den Mut, sich der Realität zu stellen und Entscheidungen für sein Leben zu treffen. Man kann nicht immer nur in seiner Traumwelt leben und vor dem wirklichen Leben fliehen.

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