Benedict Wells: Becks letzter Sommer

So, in den nächsten Tagen stelle ich noch einige Artikel online zu Büchern, die ich während der Reha gelesen habe. Legen wir los mit Bededict Wells:

Wow, was für ein Roman! Eigentlich wollt ich noch dazu schreiben: …für einen Dreiundzwanzigjährigen! Aber unabhängig vom Alter des Autors ist dieses Buch einfach gut. Um so erstaunlicher ist es jedoch, dass der Autor erst dreiundzwanzig ist und er in diesem Alter schon solch einen gut geschriebenen, ideenreichen, witzigen und an vielen Stellen tiefgründig-melancholischen Roman über den Sinn des Lebens vorlegt.

Die Hauptperson des Romans ist Robert Beck, ein Musik- und Deutschlehrer Ende Dreißig. Als junger Mensch hatte er jede Menge Träume. Er machte Musik und träumte davon, mit seiner Band groß raus zu kommen. Doch dann wurde er aus der Band raus geschmissen und desillusioniert wählte er für sein weiteres Leben die sichere und langweilig-bürgerliche Variante: Er wurde – wie schon sein Vater – Lehrer. Doch in seinem Inneren spürt er, dass dieses Leben nicht genug ist für ihn. Auch in der Liebe ereignet sich nichts besonderes. Er hat eine Reihe kurzlebiger Beziehungen, die immer wieder an seiner Gefühlskälte und seiner Bindungsangst scheitern.

Das ändert sich, als er herausfindet, dass einer seiner Schüler, Rauli, ein hochbegabter Gitarrist und Musiker ist, ein richtiger „Gitarregott“, der scheinbar mühelos auf seiner Gitarre die schwierigsten Sachen spielt und dem ohne Probleme einfach himmlisch schöne Melodien einfallen. Beck wittert seine Chance, aus dem grauen Einerlei heraus zu kommen und als Manager und Songschreiber des Jungen doch noch zu Ruhm und Erfolg im Musikbusiness zu kommen. Doch das gestaltet sich schwieriger als gedacht: Beck freundet sich zwar mit dem Jungen an, musiziert mit ihm, finanziert eine Demo-CD und eine Releaseparty, aber Rauli ist ein notorischer Lügner und er führt Beck immer wieder hinters Licht. Es kommt wie es kommen muss: Becks Träume gehen nicht in Erfüllung. Rauli bekommt einen Vertrag von einer großen Plattenfirma – ohne Beck als Manager.

Ein anderer Handlungsstrang erzählt von Becks großer Liebe: Laura. Obwohl er selbst nicht mehr daran glaubt, erwischt ihn mit dieser Frau die große Liebe. Es dauert lange, bis er das erkennt. Aber auch in dieser Beziehung scheitert er kläglich. Laura verlässt ihn letztendlich. Eine weitere Person in dieser Geschichte ist Charly. Er war in Becks früherer Band Schlagzeuger und er verließ mit Becks Rausschmiss aus Solidarität auch die Band. Seitdem ist er der einzig wirkliche Freund von Beck. Charly ist ein großer, muskelbepackter Schwarzer mit psychischen Problemen und Drogenproblemen.

All diese skurrilen Figuren und gescheiterten Existenzen verwebt Wells zu einer spannenden und immer wieder überraschenden Geschichte. Zu den Überraschungen zählt auch, dass der Erzähler irgendwann im Buch selbst auftaucht und von seiner eigenen Geschichte mit Beck berichtet. Das wirkt zwar an manchen Stellen etwas gekünstelt, aber ist eine interessante Idee, um noch einmal einen anderen Blick auf die Hauptperson zu gewinnen.

Mir hat das Buch gefallen. Ich hab es gern gelesen. Wells wirft einen illusionslosen und manchmal harten Blick auf das Leben. Aber immer wieder blitzt auch Hoffnung auf, immer wieder blitzt die Freude am Leben auf. Wells schreibt kurzweilig, gut lesbar, ideenreich und doch nicht oberflächlich. Es geht ihm nicht nur darum, eine spannende und skurrile Geschichte zu schreiben, die unterhaltsam ist, sondern er will den Leser anregen, über sein eigenes Leben nachzudenken: Was sind meine Träume? Was sind meine gescheiterten Träume? Was sind die Träume, die ich nie gewagt habe zu verwirklichen?

Die Botschaft dieses Buches ist – zumindest hab ich es so verstanden: Lebe deine Träume, auch wenn du daran scheiterst. So musst du am Ende keinen verpassten Chancen hinterher trauern, sondern kannst sagen: Ich hab’s zumindest versucht. Für mich als Christ greift das zu kurz. Selbstverwirklichung ist nicht das einzige und größte Ziel im Leben. Für mich ist der Glaube und das Vertrauen auf Gott noch einmal eine ganz andere und tiefere Dimension, die mein Leben wirklich sinnvoll macht…

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