Auto-Pilot aus

Hatte heute Nacht einen Traum, den ich behalten konnte, weil ich gleich danach aufgewacht bin und er mir besonders eindrücklich war. Normalerweise vergisst man ja die meisten Träume wieder… In dem Traum war ich nachts im Auto unterwegs. Allerdings saß ich nicht vorne am Steuer, sondern auf der Rückbank und achtete auch nicht besonders auf den Weg. Am Steuer sass niemand, das Auto schien von einer Art Auto-Pilot gesteuert zu sein. Was mich aber nicht besonders beunruhigte, da das Auto seinen Weg durch die Straßen und Städte zu finden schien. Irgendwann fragte ich mich, wo ich eigentlich bin und wo ich eigentlich hin wollte. Ich schaute aus dem Fenster und konnte Bäume und Straßen einer unbekannten Stadt erkennen. Und ich hatte keine Ahnung wo ich hinwollte und was ich tun wollte. Dann bin ich aufgewacht.

Mich hat der Traum ins Nachdenken gebracht: Fahren wir nicht meist genau so durch unser Leben? Mit Auto-Pilot den Alltag bewältigen ohne genau zu wissen, warum und wozu wir das alles tun. Ohne uns bewusst zu sein, wo unser Ziel ist? Mir kommt meine Erkrankung und die Zeit hier im Krankenhaus ein bisschen so vor, als ob Gott (auf ziemlich radikale Weise) den Auto-Piloten abschaltet. Mein Leben kommt zum Stillstand, Ruhe kehrt ein, raus aus dem Alltag, aber anders als Urlaub: nicht so viel Abwechslung und Zerstreuung. Fast ein wenig wie ein Kloster-Aufenthalt: Reduktion des Lebens auf Grundfunktionen. Auto-Pilot aus und Konzentration auf das Wesentliche: Was ist dir wichtig im Leben? Worauf kommt es an?

Ich erlebe das alles nicht als ein Verlassensein von Gott, sondern im Gegenteil, als eine neue Tiefe in der Beziehung zu ihm. In all dem weiß ich mich getragen. Er ist da! Ich weiß, dass diese Einstellung im Alltag zwangsläufig wieder verloren geht. Alltag geht nicht ohne Auto-Pilot. Aber die Zeit jetzt hilft mir, wieder neu die Richtung zu bestimmen, mich wieder neu an Gott auszurichten.

Noch ein ganz profaner Nachtrag: Heute morgen musste der Bluterguss unter meiner Wunde noch mal punktiert werden und somit hab ich meinen Turban wieder auf… 😉 Voraussichtlich darf ich am Mittwoch wieder nach Hause.

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2 Gedanken zu „Auto-Pilot aus“

  1. Hi Jochen,

    cooler Traum!
    ich möchte jetzt nicht an deinem Traum „rumdeuten“, ich denke der ist eindeutig genug.. 😉

    „Ich weiß, dass diese Einstellung im Alltag zwangsläufig wieder verloren geht. Alltag geht nicht ohne Auto-Pilot.“

    …doch dieser Aussage möchte ich deutlich widersprechen – das ist ja ein „negativer Autopilot“, den du da aktivierst!

    Es gibt keinen Zwang für uns – wir müssen sogar sehr darauf achten, dass uns „kein fremdes Joch“ auferlegt wird. Das Joch Jesu ist leicht und bringt uns bei jedem Schritt in Übereinstimmung mit Ihm.

    Niemand, und schon gar nicht der „Alltag“ (die Welt), hat das Recht sich „zwangsläufig“ zwischen unsere Ausrichtung auf unserern Herrn und die Tatsache „Er ist da“ zu mogeln.

    Sorry – ich möchte nicht rumnöseln oder superschlau daherkommen – wollte dir nur sagen, was mir aufgefallen ist.

    LG + Segen

    1. Hi Bento!
      Dafür lieb ich dich: Radikal und ohne Kompromisse auf den Herrn ausgerichtet! 🙂
      Ich geb zu: Das klingt etwas negativ, aber ich hab das ganz bewusst so formuliert. Für mich ist das einfach realistisch: Wir leben noch nicht im „Schauen“, sondern im Vertrauen. Und ein Auto-Pilot für den Alltag muss ja auch nicht schlecht sein… Solange er immer wieder ganz bewusst an Gott ausgerichtet wird…

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