Audrey Niffenegger: Die Zwillinge von Highgate

Der erste Roman von Niffenegger war ein großer Erfolg: Die Frau des Zeitreisenden. Ich fand ihn zwar etwas kitschig und natürlich war er unrealistisch – aber als eine ungewöhnliche Fantasy-Liebesgeschichte war der Roman überraschend, interessant und gut zu lesen. Ums kurz zu machen: das zweite Buch – Die Zwillinge von Highgate – war für mich eine Enttäuschung.

Die ersten drei Viertel waren noch erträglich: Interessante Figuren mit ihren Marotten und Eigenheiten werden beschrieben, die faszinierende Stimmung eines alten Friedhofs in London wird eingefangen, die zwanghaften Vorstellungen und Ängste eines Neurotikers werden entfaltet und die Spannung über ein Geheimnis im Leben eines Zwillingspärchens wird aufgebaut. Vor allem spielt in diesem Teil der Geist einer Verstorbenen, der in einer Wohnung des Hauses neben dem Friedhof haust, nur eine untergeordnete Rolle. Die ganze Geschichte würde auch ohne den seltsamen Geist funktionieren. Gegen Schluss kippt der Roman dann aber völlig ab: die überdrehte und phantastische Geisterwelt gewinnt die Überhand und die Charaktere und zwischenmenschlichen Spannungen verkommen zur Karikatur. Schade!

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