Apostelgeschichte 7, 44-53 Jetzt wird’s persönlich

Die Hauptanklagepunkte gegen Stephanus waren, dass er gegen „diese heilige Stätte“ (also den Tempel) und gegen „das Gesetz“ redet (7,13). Zunächst hat er sich in seiner Rede mit dem Überbringer des Gesetzes, mit Mose, beschäftigt. Jetzt geht es um den Tempel, den er ganz grundsätzlich kritisiert: Ein von Menschenhänden errichtetes Haus kann keine Wohnung Gottes sein. Mit dieser Kritik bewegt er sich auf dem Boden der alttestamentlichen Tradition. Schon da gab es von verschiedenen Propheten grundsätzliche Kritik am Tempel. Dann wird es persönlich: im Stil eines alttestamentlichen Propheten kritisiert er seine Zuhörer als halsstarrig und verstockt. So wie ihre Vorfahren die Propheten getötet haben, so töteten sie nun Jesus, den von den Propheten angekündigten Gerechten.

Ich hab mich an der Stelle gefragt, ob diese harten Worte wirklich hilfreich und klug waren. Durch die heftigen Angriffe wird Stephanus niemand vom Hohen Rat überzeugen – im Gegenteil: der Hass wird sich nur verstärken. Und auch seine eigene Lage hat Stephanus damit nicht gerade verbessert. Taktisch klüger wäre ein Zurückziehen auf die gemeinsamen Wurzeln gewesen. „Wir glauben doch alle an denselben Gott…“  Was ja auch stimmt: Jesus hat keinen anderen Gott als den des Alten Testaments verkündigt. Aber an der Person Jesus scheiden sich bis heute die Geister. Stephanus hat diese Konfrontation nicht von sich aus gesucht – das ist wichtig. Soweit es an uns liegt, sollen wir versuchen mit allen – auch Andersgläubigen – im Frieden zu leben. Aber wenn Jesus in Frage gestellt wird, dann stehen wir vor der Entscheidung, ob wir ihn bekennen oder verleugnen.

| Bibeltext |

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