Apostelgeschichte 25, 13-27 Ein Rädchen im Getriebe

Festus hat wirklich keinen Plan, was er mit Paulus machen soll. Er gibt offen zu, dass er von den inhaltlichen Differenzen zwischen Paulus und den Juden keine Ahnung hat (V.20) und er hofft, dass Agrippa ihm sagt, wie er in der Sache fortfahren soll. Immerhin ist ihm klar geworden, dass die Todesanklage der Juden absurd ist (V.25). Jetzt steckt er in einem Dilemma: er hat einen Gefangenen, der sich auf den Kaiser beruft, aber er hat gar keine rechtlich sinnvolle Beschuldigung, die gegen den Gefangenen vorgebracht wird! (V.27)

Ich frag mich, warum er den Paulus nicht einfach freilassen konnte. Er hat doch erkannt, dass die Vorwürfe gegen ihn haltlos waren. Wahrscheinlich hat ihm dafür die Courage gefehlt. Er wollte es sich mit den Juden nicht verderben. Es war für ihn einfacher, die Sache weiterlaufen zu lassen und irgendeinen Grund zu finden, den Paulus an die nächst höhere Eben weiterzuschieben. Sollte doch jemand anderes sich mit dieser komplizierten Sache beschäftigen. Dann ist er selbst fein raus.

Dazu fällt mir der Fall Mollath ein, der von deutschen Gerichten zwar nicht schuldig gesprochen wurde, aber aufgrund verschiedener Gutachten zwangsweise in psychiatrischer Behandlung untergebracht wird. Auch hier wollte niemand so richtig Verantwortung übernehmen, der Fall wurde hin und her geschoben und neue Fakten wurden ignoriert. Jeder ist nur ein kleines Rädchen im Getriebe und keiner will zugeben, dass er Fehler gemacht hat. Am Ende ist gar nicht mehr klar, wie es soweit kommen konnte und jeder wäscht seine Hände in Unschuld.

| Bibeltext |

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