Apostelgeschichte 21, 1-14 Prophetische Worte

Was sagt denn nun der Heilige Geist in diesem Abschnitt? In V.4 sagt der Geist durch die Jünger in Tyrus, dass Paulus nicht nach Jerusalem gehen soll. In V.11 sagt ein Prophet, dass Paulus in Jerusalem gefangen gen0mmen wird. Aber Paulus selbst ist überzeugt, dass es Gottes Wille ist, dass er nach Jerusalem geht, auch wenn er dort sterben sollte (V.13). Paulus ist sich offensichtlich sehr sicher, was Gott will – und das ist das genaue Gegenteil von dem, was die Jünger durch den Geist in V.4 sagen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten diesen Widerspruch aufzulösen. Die einfachste Lösung ist, dass Lukas in V.4 verdichtet formuliert hat. Der Heilige Geist hat den Jüngern deutlich gemacht, welche Gefahren Paulus in Jerusalem drohen und sie warnen ihn deshalb eindringlich vor dieser Reise (in diesem Sinn überträgt z.B. die Neue Genfer Übersetzung den Vers – das ist dann allerdings schon eine starke Interpretation und keine wortgetreue Übersetzung). Dann ist allerdings die Frage, warum Lukas selbst das so missverständlich aufgeschrieben hat. Als gewissenhaften Schreiber muss ihm doch dieser Widerspruch aufgefallen sein. Eine zweite Möglichkeit wäre, dass die Jünger in Tyrus die Botschaft des Heiligen Geistes falsch interpretiert haben. Sie haben richtig verstanden, dass große Gefahr droht und verstehen nun den Heiligen Geist so, dass Gott nicht will, dass Paulus nach Jerusalem geht. In diese Richtung geht ja auch V.11. Eine dritte Möglichkeit wäre, dass die Jünger in Tyrus eine falsche Prophetie weitergeben. Auch das macht die Bibel ja immer wieder deutlich, dass es falsche Propheten und Prophetien geben kann.

Wie auch immer: die Stelle zeigt, dass der Umgang mit Prophetie nicht immer einfach ist. Es muss auf jeden Fall geprüft werden. Es kann unterschiedliche Interpretationen geben. Und man kann unterschiedliche Schlüsse daraus ziehen. Dass Paulus in Jerusalem Gefahr droht (so wie es der Prophet in V.11 richtig vorausgesagt hat) stimmte ja. Die Frage ist nun, ob Paulus an seiner eigenen Gewissheit festhält, dass Gott ihn nach Jerusalem schickt, oder ob er dies als Hinweis Gottes versteht, doch nicht hinzugehen.

| Bibeltext |

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