Apostelgeschichte 17, 16-34 Anknüpfungspunkte

Zwei Dinge sind mir aufgefallen: Zum einen ist Paulus wütend über die Götzenverehrung der Athener. Aber trotzdem sucht er einen positiven Anknüpfungspunkt. Er versucht ernsthaft sie zu gewinnen. Er versetzt sich in ihr Denken hinein. Er gebraucht ihr philosophisches Vokabular. Anders als in der Synagoge kann er bei den heidnischen Athenern nicht den Glauben an den Gott Israels voraussetzen. Er kann darum nicht an das Alte Testament anknüpfen, sondern sein Einstieg ist die Schöpfung der Welt durch Gott. Das können prinzipiell auch die Athener akzeptieren.

Das zweite, was mir aufgefallen ist: Der Punkt, an dem das Gespräch abbricht, ist die Auferstehung Jesu von den Toten. Die leibliche Auferstehung passt nicht in das philosophische Denken der Athener. Das Göttliche hat nichts mit dem Leiblichen und Materiellen zu tun. Das Göttliche ist ewig und unveränderlich, das Leibliche ist vergänglich. Paulus hat mit seiner Predigt nur wenig Erfolg. Nur wenige kommen zum Glauben.

In unserer heutigen aufgeklärten westeuropäischen Kultur sind die positiven Anknüpfungspunkte noch geringer. Selbst die Schöpfung ist für die meisten sehr gut ohne Gott vorstellbar. Und mit der Auferstehung haben sogar manche heutige Theologen ihre Schwierigkeiten. Was ist die Konsequenz? Sollen wir ganz auf argumentative Überzeugung verzichten? So geschieht es ja in der Praxis häufig: Wir argumentieren nur noch mit existentiellen Erfahrungen – die kann man nicht so leicht wegdiskutieren. Wie würde Paulus wohl heute predigen? Welche positiven Anknüpfungspunkte würde er finde?

| Bibeltext |

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