Apostelgeschichte 11, 19-30 Strategische Kirchenpolitik

In diesem Abschnitt wird es nun sehr deutlich, dass die junge Christenheit mehr ist als eine innerjüdische Gruppierung. Einige Jünger und Jüngerinnen wurden wegen der Verfolgung in Jerusalem nach Antiochien zerstreut. Das war damals die drittgrößte Stadt des römischen Reiches – also ein wichtiger Ausgangspunkt für die weitere Verbreitung des Glaubens. In Antiochien wurden nicht nur die Juden angesprochen, sondern auch die Griechen (damit sind hier alle gemeint, die nicht dem jüdischen Glauben angehören). Wichtig ist auch, dass in Antiochien zum ersten mal die Bezeichnung „Christen“ auftaucht. Und zwar nicht von den Anhängern Jesu selbst, sondern von außerhalb. Auch für andere war es deutlich, dass es sich hier um eine neue Gruppierung von Juden und Griechen außerhalb des Judentums handelte.

Interessant finde ich auch, dass Kirchenpolitik schon damals eine Rolle spielte. Die neue Gemeinde in Antiochien wird nicht einfach sich selbst überlassen, sondern die Verantwortlichen in Jerusalem senden den Barnabas aus, um sich die Sache mal anzuschauen. Die Apostel in Jerusalem fühlten sich nicht nur für die Gemeinde zuhause verantwortlich, sondern auch für andere Gemeinden. Es bleibt nicht bei einem kurzen Antrittsbesuch des Barnabas, sondern zusammen mit Paulus bleibt er ein ganzes Jahr lang dort, um die junge Christenheit zu lehren und unterrichten. Da stecken durchaus strategische und kirchenpolitische Gedanken dahinter: Wie leiten wir die junge Bewegung in geordnete Bahnen?

Wir wünschen uns ja manchmal, dass Gemeinde auch ohne solch strategischen und kirchenpolitische Überlegungen funktionieren würde. Es wäre doch schön, wenn Gott selbst durch den Heiligen Geist Gemeinde und Kirche leiten würde. Das tut er auch. Aber wir sehen schon bei den ersten Christen, dass er dazu menschliche Strukturen und Hierarchien benutzt. Diese sind nicht an sich schlecht oder falsch, sondern es kommt darauf an, wie sie genutzt werden.

| Bibeltext |

 

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