Apostelgeschichte 1, 15-26 Die Glaubwürdigkeit der Bibel

An dieser Stelle berichtet Petrus vom Tod des Judas. Die Darstellung hier steht in Spannung zur Darstellung des Todes von Judas in Matthäus 27,3-7. Für manche ein gefundenes Fressen, um die Widersprüchlichkeit und historische Unglaubwürdigkeit der Bibel zu „beweisen“. Für andere gar kein Problem, da die Bibel ja immer und in allem Recht hat und man die beiden Stellen nur irgendwie harmonisieren muss.

Zunächst mal muss man festhalten, dass beide Berichte in wesentlichen Teilen übereinstimmen: Judas stirbt kurz nach seinem Verrat und mit dem Verrätergeld wird wird ein Acker gekauft, der nachher „Blutacker“ genannt wird. Die Unterschiede sind folgende: Nach Matthäus kaufen die Priester mit dem von Judas zurückgegebenen Geld den Acker, nach Lukas hört es sich eher so an, als ob Judas selbst den Acker kauft. Nach Matthäus erhängt sich Judas und nach Lukas stürzt Judas vornüber und fällt auf harten Untergrund, so dass seine Eingeweide hervorquellen.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten damit umzugehen: Man kann versuchen die Berichte zu harmonisieren oder man kann festhalten, dass es über den Tod des Judas damals im Detail unterschiedliche Berichte gab. Ob Judas jetzt selbst den Acker gekauft hat oder ob mit dem Geld, das er erhalten hatte der Acker gekauft wurde, macht für mich jetzt keinen großen Unterschied. Da kann ich mir vorstellen, dass man das je nach Sichtweise auch sprachlich unterschiedlich ausdrücken konnte. Die Todesart zu harmonisieren scheint mir schwieriger. Eine Erklärung könnte sein, dass Judas sich erhängt hat, seine Leiche dann auf den felsigen Acker geworfen wurde und er dabei aufplatzte, so dass seine Eingeweide zu sehen waren.

Ich persönlich würde die beiden Stellen eher als teilweise widersprüchlich stehen lassen. Die Harmonisierungsversuche erscheinen mir doch sehr weit hergeholt. Es gab damals einfach verschiedene Überlieferungen über den Tod des Judas. Das kann man ja heute genauso beobachten: wenn zwei Leute von demselben Ereignis berichten, kann es sein, dass diese Berichte sich in manchen Details widersprechen – obwohl beide überzeugt sind, dass sie die Wahrheit sagen. Für mich stellen diese Unterschiede nicht die historische Glaubwürdigkeit der Bibel in Frage, sondern im Gegenteil: solche Unterschiede sprechen eher für die historische Zuverlässigkeit. Denn wenn alles erstunken und erlogen wäre, dann hätten sich die neutestamentlichen Schreiber doch die Mühe gegeben, die Berichte von vornherein anzugleichen. Wenn die Berichte dagegen im Wesentlichen übereinstimmen und nur an manchen Stellen voneinander abweichen, dann spricht das rein geschichtswissenschaftlich eher für zuverlässige Quellen.

| Bibeltext |

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