Amos 5 – Gottesdienstliches Leben und lebendige Gottesdienste

Ganz schön harte Worte, die Amos da wählt. In der Neuübertragung des Textes in dem Buch „Expedition zum Ich“ wird das noch deutlicher als im vertrauten Luthertext: „Ich finde eure Gottesdienste schrecklich, ja, ich verachte sie sogar, und eure Feiern stinken zum Himmel. […] Hört auf, mich mit dem Geplärr eurer Lieder zu stören […]“ (S.186). Deftig, deftig, wie Gott da zu den Menschen damals sprach! Was er wohl heute zu unseren Gottesdiensten sagen würde???

Sehr gut ist die Erklärung von Douglass zum Text: „Nicht den Gottesdienst an sich prangert Amos an, sondern den Gottesdienst als Alibi für eine in den Augen Gottes verkehrte Lebensführung. Freilich sollten wir nicht den umgekehrten Fehler machen und unsere vermeintlich rechte Lebensführung als Alibi dafür benutzen, nicht in den Gottesdienst zu gehen.“ ( S.187-188 ) Beides gehört untrennbar zusammen Gottesdienst und Leben. Und beides muss sich gegenseitig ergänzen und in Beziehung zueinander stehen.

Douglass fordert deswegen beides: Gottesdienstliches Leben und lebendige Gottesdienste. Unser Leben muss immer mehr ein Gottesdienst sein. Wir sollten nicht nur am Sonntag beten, Bibellesen, Gemeinschaft haben, Gott loben und ihn bekennen, sondern das alles auch im Alltag tun. Genauso müssen wir das Leben in den Gottesdienst bringen. Gottesdienst darf keine abgehoben, lebensferne Veranstaltung sein, die nur dazu dient unser religiöses Gewissen zu befriedigen. Wobei ich dazu ergänzen möchte, dass der Gottesdienst durchaus auch eine Kontrastfunktion hat: Da geschieht die Begegnung mit Gott und miteinander eben noch einmal in einer anderen Weise als im Alltag. Insofern darf der Gottesdienst schon etwas besonderes sein und darf die Stimmung auch „feierlicher“ sein als im Alltag.

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