2. Thessalonicher 1, 1-12 Ewiges Verderben

Die Thessalonicher scheinen sehr auf Fragen der Endzeit fixiert gewesen zu sein. Gleich zu Beginn des zweiten Briefes spricht Paulus das Thema Wiederkunft Jesu und Gericht an. Für mich interessant ist vor allem V.9. Hier spricht Paulus von der Strafe für Menschen, die im Gericht verurteilt werden. Dabei ist aus den wenigen Worten die Paulus dazu sagt, gar nicht so einfach heraus zu lesen, was er genau meint. Ich hab mich vor kurzem ausführlich mit dem Thema Hölle beschäftigt und an dieser Stelle hier werden die offenen Fragen zu diesem Thema ganz gut sichtbar.

Zunächst einmal muss man festhalten, dass das Neue Testament und hier ganz speziell auch Paulus von einem endzeitlichen Gericht ausgehen, bei dem fehlender Glaube an Jesus Christus bestraft wird. Wie aber genau diese Strafe aussieht (das was wir so leichthin als Hölle bezeichnen) ist gar nicht so leicht zu sagen. Wenn wir heute das Wort Hölle hören, dann sind wir von unseren Vorstellungen mehr von mittelalterlichen Gemälden oder von Dantes „Göttlicher Kömödie“ geprägt als von neutestamentlichen Texten (sehr empfehlenswert ist dazu das Buch „Hölle: Der Blick in den Abgrund“ von Carsten Schmelzer). Paulus malt hier die Strafe nicht aus, sondern bezeichnet sie als „ewiges Verderben“ .

Von der Übersetzung her ist nicht ganz klar, ob der nachfolgende Satzteil die ewige Strafe näher beschreibt (so z.B. die Neue Genfer Übersetzung: „Die Strafe, die diese Menschen erhalten, wird ewiges Verderben sein, sodass sie für immer vom Herrn und von seiner Macht und Herrlichkeit getrennt sind“) oder ob damit das Woher der Strafe gemeint ist (so z.B. Luther: „Die werden Strafe erleiden, das ewige Verderben, vom Angesicht des Herrn her und von seiner herrlichen Macht“). Sprachlich sind beide Übersetzungen möglich. Streiten kann man auch über die Bedeutung von „ewigem Verderben“. Ist damit ein Verderben gemeint, das ewig anhält – also eine ewige Qual (so die eher traditionelle Vorstellung der Hölle)? Oder ist damit ein Verderben gemeint, das ewig gilt – also ein völliges Verderben und Auslöschen eines Menschen (so wie es in den letzten Jahren v.a. im angelsächsischen Bereich unter den Stichworten „annihilation“ oder „conditionalism“ stärker vertreten wird)?

Wie auch immer: Für Paulus ist klar, dass Vertrauen und Glaube an Jesu – gerade auch in Verfolgung und Bedrängnis – zu einer himmlischen Ruhe führt (V.7) und Unglaube einmal harte Konsequenzen hat. Wichtig ist nicht, darüber zu spekulieren, wie das genau aussehen könnte, sondern wichtig ist, jetzt schon auf Jesus zu vertrauen.

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