2. Petrus 3, 1-9 – Ja wo bleibt er denn?!?

Petrus schreibt hier über Spötter, die sich darüber lustig machen, dass Jesu Wiederkunft ausbleibt: „Wo bleibt denn die Verheißung seines Kommens?“ (V.4) Wahrscheinlich steht auch hier im Hintergrund die Auseinandersetzung mit gnostischen Anschauungen. Die Gnostiker konnten mit der Wiederkunft Jesu auf die Erde und einer Neuschöpfung nicht viel anfangen. Für sie sah Errettung so aus, dass Gott den göttlichen Lichtfunken im Herzen des Menschen nach dem Tod des irdischen Leibes in seine himmlische Herrlichkeit aufnimmt. Dafür braucht man keine Wiederkunft Christi, dafür braucht man keinen neuen Himmel und keine neue Erde.

Die Spötter sind mit ihrem Spott wahrscheinlich auf offene Ohren gestoßen. Denn die Christen der ersten Stunde haben wirklich damit gerechnet, dass Jesus jeden Tag wiederkommen kann. Sie hatten eine feste Naherwartung: Es kann sich höchstens um ein paar Jahre handeln, bis Jesus wiederkommt. Und jetzt dauert’s doch länger. Einige „Väter“ der Gemeinde sind schon gestorben und die Christen sind total verunsichert: Was ist mit denen die schon gestorben sind? Wo sind die jetzt? Warum kommt Jesus nicht?

Petrus gibt Argumente für die Verzögerung von Jesu Wiederkunft: Zum einen sagt er, dass Gott andere Zeitmaßstäbe hat als wir (V.8: Ein Tag sind vor dem Herrn wie tausend Jahre) und zum anderen betont er, dass Gott Geduld mit uns Menschen hat und nicht will, dass jemand verloren geht (V.9) – er gibt uns einfach noch mehr Zeit, Jesus zu erkennen.

Mich macht das ganze sehr demütig in meinem theologischen Denken. Selbst die Apostel haben aus den Worten Jesu und der Schrift manchmal die falschen Schlüsse gezogen. Sie hatten fest mit einer nahen Wiederkunft Jesu gerechnet und sich doch getäuscht. Wenn das schon einem Petrus oder Paulus so ging, dann muss ich erst recht bei mir und meinem Bibelverständnis damit rechnen, dass ich so manches noch nicht hundertprozentig richtig verstehe… Allerdings macht Petrus ja auch klar, dass diese Verzögerung von Jesu Wiederkunft nichts an der ursprünglichen und klaren Verheißung ändert, dass er kommt. Für ihn ist das nach wie vor eine klare und unmissverständliche Aussage von Jesus. Diese Demut heißt dann also nicht, dass damit alles fraglich und unsicher wird.
Bibeltext

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