2. Petrus 2, 1-22 – Zu viel Geistliches

Das ganze Kapitel ist eine ziemlich heftige und polemische Breitseite gegen damalige Irrlehrer. Ich hab mich beim Lesen gefragt, ob die Abgrenzung gegenüber einer anderen Lehre so heftig und hart sein muss. Das könnt man doch auch ein bisschen diplomatischer ausdrücken. Aber mir wurde dann klar, dass Petrus nicht vom Hass gegen Irrlehrer getrieben ist, sondern dass seine heftigen Emotionen eher daher kommen, dass er die Gemeinde schützen möchte. Es geht ihm nicht zuerst darum, andere fertig zu machen, sondern er hat Angst, dass diese Irrlehren auch andere Christen vom Glauben abbringen.

Wahrscheinlich sind die genannten Irrlehrer Vertreter der Gnosis. Ein wichtiger Punkt in der Gnosis ist die Geringschätzung des Geschöpflichen. Wichtig ist vor allem alles Geistliche und alles, was unserer irdischen Welt enthoben ist. Wahre Einheit mit Gott finden wir nur außerhalb der Grenzen unserer irdischen Welt. Alles, was mit gegenständlicher Materie zu tun hat, spielt für den Glauben keine Rolle. Da zählt nur die absolut geistliche Dimension. Das führt interessanterweise zu zwei völlig unterschiedlichen Haltungen gegenüber unserer Geschöpflichkeit. Die eine Richtung geht in die völlige Askese. Alles Körperliche ist absolut böse und wir müssen alle leiblichen Lüste so gut wie möglich ablegen und vermeiden: Kein Fressen, kein Saufen, kein Sex, … Das andere Extrem ist das Gegenteil: Weil der Körper nichts mit Gott zu tun hat, kann ich mit ihm machen was ich will – das hat ja dann für den Glauben keine Auswirkung: Ich kann fressen, saufen, ungezügelten Sex mit jedem haben,… das alles betrifft ja nur den Körper und nicht meine geistliche Beziehung zu Gott.

Petrus scheint hier eher mit der zweiten Position zu tun zu haben (vgl. v.a. V.13f). Er wendet sich scharf gegen solch ein Verständnis des Glaubens. Er sagt, dass die Irrlehrer zwar Freiheit versprechen (Freiheit vom allem irdischen), dass sie sich aber selbst zu Knechten machen (V.19). Eine falsch verstandene Überbewertung des Geistlichen kann also für unseren Glauben ganz schön gefährlich sein. Gott hat uns nicht nur ein geistliches Verlangen geschenkt, sondern er hat uns auch Leib und Seele geschenkt.
Bibeltext

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