1. Timotheus 6 Geschäft mit religiösen Sehnsüchten

Ganz zum Schluss des Briefes werden die Irrlehrer ausdrücklich mit einem Stichwort gekennzeichnet. Sie gehören zur „sogenannten Erkenntnis“ (auf griechisch: Gnosis). Das war eine religiös-philosophische Geistesströmung, die unterschiedliche Ausprägungen annehmen konnte und mit der sich v.a. im 1. Jh. n. Chr. die junge Kirche auseinandersetzen musste. In der vielgestaltigen Strömung wurden Elemente aus verschiedenen Religionen und Weltanschauungen integriert – ähnlich der heutigen Esoterik. Ein wesentliches Merkmal der Gnosis war eine Skepsis gegenüber allem Materiellen und Leiblichen. Das konnte sich einerseits in einer extremen Leibfeindlichkeit äußern (vgl. 1. Tim. 4,3), es konnte aber auch ins Gegenteil umschlagen, in eine extreme moralische Gleichgültigkeit gegenüber allem Leiblichen. Diese Haltung beruht auf der Annahme, dass alles Materielle von einem bösen Gott geschaffen wurde. Erlösung findet man durch die „Erkenntnis“ des wahren Göttlichen, das als göttlicher Lichtfunke in jedem von uns wohnt.

Bezeichnend in diesem Kapitel ist auch, dass das Streben nach Reichtum und Gewinn bei den Irrlehrern kritisiert wird. Das verbindet sich ja bis heute gerne: Seltsame esoterische Lehren, die durchaus eine gewisse Schnittmenge mit guter Lehre haben, aber in Endeffekt etwas völlig anderes sind, und das Gespür dafür, dass man mit religiösen Gefühlen und Sehnsüchten auch gute Geschäfte machen kann. Als aktuelles Beispiel fällt mir da die „Gebetsessenz“ von einem gewissen Jürgen Fliege ein. Angeblich eine Art „Ursuppe“, über welche Jürgen Fliege gebetet hat, die dadurch besondere Heilkräfte besitzen soll und die sich dann prächtig für 39,95 Euro (95 ml-Flasche, 420 Euro pro Liter) verkaufen lässt… (vgl. hier auf EsoWatch)

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