1. Thessalonicher 4, 13-18 Enttäuschte Naherwartung

Paulus ging offensichtlich davon aus, dass er und andere damals lebende Christen, die Wiederkunft Jesu noch erleben würden (V.15). Diese sogenannte „Naherwartung“ findet sich an verschiedenen Stellen im Neuen Testament. Aus damaliger Sicht ist das auch nur all zu verständlich. Der Sohn Gottes ist gekommen, gestorben, auferstanden und in den Himmel aufgefahren. Er hatte gesagt, dass er wiederkommen wird. Was soll jetzt noch groß passieren? Es ist doch alles getan, Jesus ist für uns gestorben. Er ist auferstanden. Er hatte seinen Jüngern gesagt, dass einige von ihnen den Tod nicht schmecken werden, bis sie das Reich Gottes kommen sehen (Mk.9,1).

Aus heutiger Sicht können wir sagen, dass Paulus sich hier geirrt hatte. Er ist längst gestorben und wir warten noch immer auf Jesu Wiederkunft. Wenn selbst ein Paulus sich in dieser Sache getäuscht hat, dann macht das wieder einmal deutlich, wie vorsichtig wir mit der Deutung biblischer Aussagen sein müssen – gerade wenn es um Zeitangaben geht. Wir gehen mit unserem Vorverständnis an Texte heran und deuten sie von diesem Verständnis her. So hat auch Paulus diese Aussagen Jesu von seinem Vorverständnis her gedeutet. Aber offensichtlich ist die biblische Aussage, dass das Ende nahe ist, nicht einfach in menschliche Zeitaussagen umzurechnen.

Die Thessalonicher waren wohl verwirrt und unsicher, weil einige von ihnen gestorben sind, und Jesu noch nicht erschienen ist. Paulus rechnet zu dieser Zeit trotzdem noch mit einer baldigen Wiederkunft. Aber die Hauptaussage des Abschnittes ist, dass es für uns nicht entscheidend ist, wann Jesus kommt. Die dann lebenden Christen werden keinen Vorteil gegenüber den bereits gestorbenen haben. Wir werden „zugleich“ (V.17) entrückt werden und wir werden alle für allezeit bei Jesus sein.

In gewissen christlichen Kreisen wird ja gerne über zeitliche Vermutungen über das Kommen Jesu und über genaue Abfolgen der Endereignisse spekuliert. Und für solche Spekulationen gibt es ja an so manchen Bibelstellen auch Hintergründe dafür. Aber solche „Irrtümer“ wie eine wörtlich gemeinte Naherwartung der ersten Christen, lässt mich vorsichtig sein. Ich muss nicht über das genaue „wie und wann“ Bescheid wissen. Wichtig ist, „dass“ Jesus wieder kommt und „dass“ wir bei ihm sein werden.

| Bibeltext |

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