1. Petrus 5, 10-15 – Der heilige Kuss

Hat Petrus etwa an eine Hippie-Gemeinde geschrieben?! „Grüßt einander mit dem Kuss der Liebe.“ (V.14) Ein Küsschen hier, ein Küsschen dort, am besten jeder mit jedem, damit sich niemand vernachlässigt fühlt… 😉

Ein schönes Beispiel für eine biblische Aufforderung, die man im kulturellen und zeitgeschichtlichen Zusammenhang einordnen muss. Anscheinend war es wohl im Alten Orient durchaus üblich, dass man sich nicht mit Handschlag, sondern mit einem Kuss begrüßt oder verabschiedet hat (Auf die Wange? Auf den Mund? Auch geschlechterübergreifend? Keine Ahnung…). So z.B. schön nachzulesen in 2. Mo. 18,7 oder Apg. 20,37. An fünf Stellen in den neutestamentlichen Briefen taucht die Aufforderung auf, dass Christen sich untereinander mit dem Kuss der Liebe (1. Thes. 5,26; 1. Petr. 5,14), bzw. mit dem heiligen Kuss (Röm. 16,16; 1. Kor. 16,20; 2. Kor. 13,12) grüßen sollen.

Diese Sitte wurde auch in christlichen Gemeinden praktiziert und es war bis ins zweite Jahrhundert v.a. im Zusammenhang mit dem Abendmahl üblich, sich zu küssen. In manchen Ländern ist das heute ja auch noch normal, bei einer normalen deutschen Gemeinde würde die wörtliche Befolgung dieser biblischen Aufforderung wohl allen etwas seltsam und sehr peinlich vorkommen.

Deswegen müssen wir immer wieder schauen, wie wir die Bibel in unsere heutige Welt übersetzen können. Das ist nicht immer einfach und nicht immer so deutlich, wie in diesem Fall. Manchmal ist es sehr schwierig, zwischen kultureller und zeitlicher Gegebenheit und göttlicher Aufforderung zu unterscheiden. Manchmal ist es nicht so einfach, zu entscheiden, was wir wörtlich befolgen sollten und was wir an unsere heutige Zeit anpassen sollten. Hier in diesem Fall müsste man diese Aufforderung so übersetzen, dass wir uns mit eine heiligen Handschlag oder eine Handschlag der Liebe grüßen sollten. Und das geschieht ja auch z.B. wenn wir uns beim Abendmahl mit dem Friedensgruß grüßen und dabei die Hände geben.
Bibeltext

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5 Gedanken zu „1. Petrus 5, 10-15 – Der heilige Kuss“

  1. Der Kuss G-ttes kommt aus dem Jüdischen. Wenn die Thora durch den Saal getragen wird, darf sie jeder berühren und danach berührt man mit dem Finger den Mund, das heißt dann „Kuss G-ttes“.

    1. Interessanter Brauch. Hab ich noch nie davon gehört. Find ich aber eine schöne Vorstellung: Den indirekten Kuss von Gottes Wort als Kuss Gottes zu sehen. 🙂
      Hat aber wohl mit dem Text aus Petrus nichts zu tun, denn da geht es ja darum, dass sich die Christen gegenseitig mit dem Kuss der Liebe grüßen.

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