1. Petrus 4, 7-11 – Die Gabe des Dienens

Ein sehr dichter Abschnitt, in dem sehr viel drin steckt und zu dem man viel schreiben könnte. Ich bin heute vor allem an V.10 hängen geblieben: „Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.“ Im griechischen steht hier für „Gabe“ das Wort „Charisma“. Es geht also um die Charismen: Gnadengaben, die Gott uns schenkt. Sie werden hier vor allem anderen als „Dienstgaben“ charakterisiert. Sie sollen dazu da sein, dass wir einander dienen.

Petrus erwähnt dann zwei Gaben explizit: Das Reden und das Dienen. Luther übersetzt das Reden gleich mit Predigen, aber ich finde, das schränkt diese Gabe unnötig ein – es geht nicht nur um das Predigen auf der Kanzel, sondern um jedes Reden, welches Gottes Worte an uns weiter gibt. Beim Dienen steht im griechischen das Wort „diakoneo“. Unser Wort Diakonie geht auf dieses Wort zurück – es geht also um die ganz praktische, diakonische Hilfe für andere.

Ich finde es interessant, dass Petrus gerade diese zwei Gaben erwähnt: Reden und Dienen – Wort und Tat. Das drückt eine sehr schöne Balance für unser christliches Leben aus. Beides, Wort und Tat sind wichtig. Außerdem ist zu betonen, dass all die Charismen zu aller erst für den Dienst am anderen da sein sollten.

Ich hab schon öfters mal gehört, dass man sich ausstrecken soll nach dem Charisma der Zungenrede (das vermeintlich zunächst einmal der eigenen Erbauung dient), dass man offen dafür sein soll, dass man darum beten soll, dass man Gott ausdauernd darum bitten soll. Aber ich hab noch nie gehört, dass man sich mit der gleichen Intensität um die Gabe des diakonischen Dienens bemühen sollte (welche vermeintlich zunächst einmal der Erbauung des anderen dient). Seltsam, oder?!
Bibeltext

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2 Gedanken zu „1. Petrus 4, 7-11 – Die Gabe des Dienens“

  1. Hallo Jochen,
    echt – wo hast du denn sowas gehört? 😉

    Ja, wir sollten wirklich alle Gaben gleich wertschätzen!
    Einen Knackpunkt sehe ich hier in der Tatsache, dass viele liebe dienende Geschwister leider in ihrem Dienst am Nächsten ausbrennen, weil die eigene Erbauung zu kurz kommt… so kann es zu einem Ungleichgewicht kommen und das ist keine Tugend, sondern ein Dilemma! Wir können ja nur das geben, was wir selber empfangen und da kann das Reden in Sprachen einen besonderen göttlichen Ausgleich schaffen, damit unser „Freudendepot“ schön voll bleibt –

    wie du ja auch sagst: Reden und Dienen gehören zusammen! 🙂

    LG + Segen

    1. Naja, ich brauch da eigentlich nicht mit dem Finger auf andere zeigen. Das geht mir ja selbst so, dass ich kein großes Verlangen nach der Gabe des Dienens habe… Nach anderen schon eher… 😉
      Aber da hast du ganz recht: Neben der Ausgewogenheit von Reden und Dienen ist die Ausgewogenheit von Geben und Empfangen im Glauben wichtig. Wenn der „Freudenpott“ leer ist, dann wird auch das Dienen sauer…

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