1. Petrus 3, 1-7 – Unterordnung der Frau?

Unterordnung der Frau… hmm… schwieriges Thema. Da kochen schnell die Emotionen hoch. Die entscheidende Frage für mich ist dabei: Inwieweit können wir diese Mahnungen, die damals in eine patriarchalische Gesellschaft hinein gesprochen wurden auf heute übertragen? Die zwei Extrempositionen: Gottes Wort ist Gottes Wort und es ist heute genauso gemeint wie damals (die zeitgeschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergründe spielen keine Rolle). Das andere Extrem: Das ist alles zeitgebunden und hat uns heute nichts mehr zu sagen, weil wir in einer anderen Gesellschaft leben. Mit beiden Extrempositionen fühle ich mich nicht wohl…

Zu beachten ist, dass der Abschnitt ausdrücklich auf die vorherigen Abschnitte Bezug nimmt: Er beginnt mit dem Wort „ebenso“ (Elberfelder). Vorher geht es um die Unterordnung unter menschliche Ordnungen (2,13; damit sind staatliche Ordnungen gemeint), die Unterordnung der Sklaven unter ihre Herren 2,18 und um die Begründung für diese Unterordnung: Jesus selbst hat sich in gewisser Weise den Menschen untergeordnet: Er hat für uns gelitten und uns somit ein Vorbild hinterlassen (2,21). Diese Unterordnung unter andere betrifft also nicht nur die Frauen, sondern im Grunde alle Christen.

Zu beachten ist weiterhin die Zielrichtung dieser Unterordnung: Es sollen „auch die, die nicht an das Wort glauben, durch das Leben ihrer Frauen ohne Worte gewonnen werden“ (3,1). Durch das bleiben in damals üblichen gesellschaftlichen Rollen sollen also die ungläubigen Ehemänner davon überzeugt werden, dass der christliche Glaube gar nicht so abwegig ist.

Und noch eine weitere Beobachtung: Auch diese Unterordnung hat ihre Grenzen. Die Frauen sollen sich „durch nichts beirren“ lassen (V.6). D.h. dass die Frau sich nicht von ihrem ungläubigen Mann vom Glauben abbringen lassen soll. Damals war es durchaus normal, dass die Unterordnung der Ehefrau bedeutete, dass sie auch den Gott ihres Mannes anbeten musste. Petrus sagt: Unterordnung ja, aber der Glaube an Gott ist wichtiger!

So ein richtiges Fazit hab ich nicht. Ich weiß nur für mich selbst, dass ich von meiner Frau nicht verlange, dass sie sich mir auf diese Weise unterordnet, wie es vor 2000 Jahren in Palästina ganz normal und gewünscht war. Ich bin froh und dankbar, dass wir nicht mehr in solch einer extrem patriarchalischen Gesellschaft leben. Ich sehe beim Thema „Unterordnung“ beide Ehepartner: Wir sollen einander lieben, einander dienen und uns einander unterordnen: „In Demut achte einer den anderen höher als sich selbst“ (Phil.2,3).
Bibeltext

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