1. Petrus 2, 11-17 – Kadavergehorsam?

„Seid untertan aller menschlichen Ordnungen um des Herrn willen es sei dem König als dem Obersten oder den Statthaltern…“ (V.13f) Das klingt doch sehr nach christlichem Kadavergehorsam. Als Christ soll man den Mächtigen gehorsam sein und ja nicht die bestehenden Ordnungen durcheinander bringen. Aber V.17 rückt dieses Missverständnis dann wieder zurecht: „Ehrt jedermann, habt die Brüder lieb, fürchtet Gott, ehrt den König.“ Sehr schön wird hier differenziert: Der König ist zu ehren – aber Gott zu fürchten. Das erinnert an Jesu Ausspruch: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“ (Mt.22,21)

Das heißt für mich: Im Zweifelsfall liegt meine Loyalität ganz klar bei Gott. Solange die menschlichen Ordnungen nichts fordern was dem Willen Gottes widerspricht, habe ich mich unterzuordnen. Wenn aber die Mächtigen sich gegen Gott stellen oder etwas verlangen, was ich mit meinem Glauben nicht vereinbaren kann, dann habe ich Gott mehr zu fürchten als alle menschlichen Ordnungen.Bibeltext

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4 Gedanken zu „1. Petrus 2, 11-17 – Kadavergehorsam?“

  1. „Aber V.17 rückt dieses Missverständnis dann wieder zurecht“
    Jetzt fehlt für mich nur noch die Erklärung, wo denn der freie Wille bleibt? Halte mich an alle Gesetze der Menschen. Damit bin ich schon ein Weilchen beschäftigt. Danach kommt dann – beispielsweise – der Katechismus. Wann ich was essen, trinken darf. Sex – wenn ja – wann und mit wem. Entscheidungen? Ne ne, das hat Gott (und manchmal die Kirche) schon alles entschieden. Ich darf dann mit meinem freien Willen noch ‚erkennen‘: uups – hab wieder gegen irgendwas verstossen. Sünde, Hölle, fertig?

    1. Tja, wenn Glaube so aussehen würde, wie du es beschreibst, dann wollte ich damit auch nichts zu tun haben.
      Aber es geht eben nicht um gesetzlichen Kadavergehorsam (weder gegenüber Menschen noch vor Gott). Es geht darum, in meinem Leben immer mehr Gott und meinen Nächsten wie mich selbst zu lieben. Oft genug scheitere ich daran, aber das bedeutet dann nicht Sünde, Hölle, fertig, sondern Sünde, Kreuz, Vergebung!

      1. Das mit der Vergebung klingt schon gut. Die Lehre (wie ich sie auch 25 Jahre erlebt habe) geht aber schon mehr Richtung „dann habe ich Gott mehr zu fürchten als alle menschlichen Ordnungen.“ aus dem ursprünglichen Artikel.
        Sei’s drum. Ich finde sicher ab und zu einen Vers, wo sogar ich was positives dazu sagen kann ;). Der hier ist es leider nicht. Frohe Weihnachten

        1. Naja, es kommt ganz auf die Lehre an… Ich stehe in der evangelischen Tradition und die große Wiederentdeckung von Luther war gerade die Vergebung. Er hat gemerkt, dass nicht er selbst sich durch ein tolles und perfektes Leben zu Gott hoch arbeiten muss, sondern dass Gott ihm vergibt und ihn dadurch gerecht macht.
          Das passt ja auch sehr schön zu Weihnachten: Nicht ich muss mich hoch arbeiten, sondern Gott kommt zu mir herunter.
          Danke für deine Weihnachtsgrüße. Auch dir ein frohes und gesegnetes Fest! 🙂

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