1. Petrus 1, 22-25 – Kann man Liebe machen?

Nachdem Petrus allgemein über ein „heiliges“ Leben gesprochen hat, wendet er sich nun einem ganz konkreten Thema der Heiligung zu: Bruderliebe – d.h. die Liebe zu anderen Christen und Christinnen. Erstaunlich, wie differenziert und überlegt seine Aussage hier ist: Er fordert nicht einfach nur dazu auf, sich halt ein bisschen mehr anzustrengen und dem anderen mehr Liebe zu zeigen, sondern er betont zunächst, dass wir durch unsere Umkehr zu Gott unsere „Seelen gereinigt“ haben „zu ungefärbter Bruderliebe“. Nur auf diesem Hintergrund ist die Liebe zum Anderen dann möglich. Die Neue Genfer Übersetzung formuliert sehr passend und eindrücklich: „Ihr habt euer Innerstes gereinigt, indem ihr euch der Wahrheit im Gehorsam unterstellt habt, sodass ihr euch jetzt als Geschwister eine Liebe entgegenbringen könnt, die frei ist von jeder Heuchelei. Darum hört nicht auf, einander aufrichtig und von Herzen zu lieben!“

Hier wird ganz klar ein Zusammenhang sichtbar: Wenn wir uns der Wahrheit im Gehorsam unterstellen (mit unserem ganzen Sein auf Gott vertrauen und ihm gehorchen), dann werden dadurch unsere Seelen (oder: unser Innerstes) gereinigt – nur deswegen können wir aufrichtig lieben. Und weil wir es können, sollen wir auch nicht aufhören es zu tun.

Schön gesagt und trotzdem ist es in der Praxis nicht so einfach, logisch und selbstverständlich wie das bei Petrus klingt. Da scheint so manches mal das „können“ zu fehlen. Oder liegt es daran, dass wir gar nicht richtig wollen? Oder vielleicht daran, dass unser Innerstes noch nicht völlig gereinigt ist? Und könnte das seine Ursache darin haben, dass wir uns der Wahrheit noch nicht völlig im Gehorsam unterstellt haben? Oder liegt es daran, dass Petrus hier visionär formuliert und wir diese völlige Liebe in der irdischen Welt nie zu Hundert Prozent umsetzen können?
Bibeltext

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