1. Korinther 9 – Grenzen der Chamäleonmission

In diesem Kapitel stellt Paulus unter anderem seine Missionsstrategie dar:

„Denn obwohl ich frei bin von jedermann, habe ich doch mich selbst jedermann zum Knecht gemacht, damit ich möglichst viele gewinne. Den Juden bin ich wie ein Jude geworden, damit ich die Juden gewinne…“ (1. Kor. 9,19-20; in den folgenden Versen wendet Paulus diesen Grundsatz auch auf diejenigen, die unter dem Gesetz sind an, auf die diejenigen ohne Gesetz und auch die Schwachen). Dann folgt als Abschluss: “ Ich bin allen alles geworden, damit ich auf alle Weise einige rette.“ (1. Kor. 9,22b)

Ein genialer Grundsatz, der bis heute zutrifft und an dem wir viel zu oft scheitern. Wer ist denn allen Ernstes bereit, sich für andere wirklich (und nicht nur in Worten oder ein paar symbolischen Handlungen) zum Knecht zu machen? Allen alles werden – das erinnert mich an ein Chamäleon. Das passt sich auch an seine Umgebung an. Je nachdem von welchen Farben es umgeben ist, passt es sein Aussehen an.

Der Vergleich macht aber auch eine Grenze deutlich: Auch wenn das Chamäleon seine Farbe ändert, wenn es äußerlich anders aussieht, so bleibt es doch ein Chamäleon. Auch Paulus ist sich dieser Einschränkung bewusst: Er schreibt, dass er denen mit Gesetz wie einer mit Gesetz wird und schränkt dann ein: „obwohl ich selbst nicht unter dem Gesetz bin“ (V.20). Und da liegt dann eine Gefahr: Die Gefahr, dass wir zu Heuchlern werden. Die Gefahr, dass wir nur so tun, als ob uns die Menschen wichtig wären. Dass wir nur so tun, als ob es uns interessiert, wie sie leben, welche Freuden sie haben und welches Leid sie tragen. Und je nach Situation passen wir unser Äußeres an, bleiben aber im Inneren eigentlich unbeteiligt. Dann trifft der Vorwurf, dass viele Nichtchristen uns als Heuchler sehen, uns zurecht (vgl. Artikel „Kinnaman/Lyons: unChristian (Teil 2) – heuchlerisch“).

Für mich ergibt sich daraus zweierlei: Zum einen ist es wichtig, dass wir uns zwar in die Welt von Kirchenfernen hinein begeben, dass wir zugleich aber offen und ehrlich mit unserem „Andersein“ umgehen und dazu auch stehen. Zum anderen heißt das, dass wir wirkliches Interesse für die Persönlichkeit, die Geschichte und die Welt von Anderen entwickeln. Die Menschen merken sehr schnell, ob es uns wirklich um sie geht oder ob wir nur versuchen eine „Missionsstrategie“ umzusetzen.

—–

Bild: pixelio.de | khcamozzi

Bewerte diesen Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.