1. Korinther 8, 1-3 – Überhebliche Erkenntnis

Bevor Paulus sich mit einer weiteren Anfrage der Korinther beschäftigt (nämlich mit der Frage, ob Christen Fleisch essen dürfen, das bei heidnischen Kulten geopfert wurde), macht er eine grundsätzliche Aussage zum Umgang mit geistlicher Erkenntnis: „Die Erkenntnis bläht auf; aber die Liebe baut auf.“ (1.Kor. 8,1) Die Erkenntnis (griechisch: gnosis) stand bei manchen Korinthern wohl zusammen mit der „Weisheit“ hoch im Kurs. Allerdings ging es nicht nur um eine rein verstandesmäßige Erkenntnis, sondern darüber hinaus über eine geistgewirkte Erkenntnis. Als ein tieferes Verstehen Gottes durch den Heiligen Geist.

Nun hat Paulus nicht grundsätzlich etwas gegen geistliche Erkenntnis, aber er sagt: „Erkenntnis allein macht überheblich. Nur Liebe baut die Gemeinde auf“ (so übersetzt die Gute Nachricht Bibel). Wie wahr! Das erleben wir bis heute: Menschen die einen tiefen Glauben haben, die viele geistliche Wahrheiten erkannt haben, die großartige spirituelle Erlebnisse haben und von denen doch eine seltsame Kälte ausgeht – weil sie ihre Erkenntnis nicht mit Liebe verbinden. Und da kann eine Aussage tausendmal richtig sein – ohne die Liebe ist sie wertlos. Habe heute von Christina Brudereck gelesen: „Denn Wissen, so merken wir, ist noch lange nicht Weisheit.“ (Faix/Weißenborn: ZeitGeist. Kultur und Evangelium in der Postmoderne, S. 26).

Das sagt sich so leicht, und das kann man vor allem diesen eingebildeten, aufgeblasenen und überheblichen Schlaumeierchristen schön vorwerfen, aber wenn wir ehrlich sind, dann ist das für jeden von uns unendlich schwer umzusetzen. Denn wenn ich überzeugt bin, die richtige Erkenntnis zu haben, dann ist es doch ganz logisch, dass ich den anderen davon überzeugen will. Und wenn der andere einfach nicht kapieren will, dann muss man deutlicher werden – das ist doch nur zu seinem Besten. Wie schwer ist es, zugunsten der Liebe die eigene und richtige Erkenntnis zurück zu stellen! Das können nur wenige.

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