1. Korinther 7, 29-31 – Ein Apfelbäumchen

ApfelbäumchenMhm… bei diesem Text beschleichen mich ähnliche Gefühle, wie das letzte mal, als ich ihn gelesen habe (1. Korinther 7,17-40 – Der weltfremde Paulus). Haben als hätte man nicht, freuen als freute man sich nicht,… Das bekomme ich letztendlich gedanklich und gefühlsmäßig nicht auf die Reihe. Auch wenn Douglass wie immer auch hier scharf beobachtet und gut erklärt – ich finde auch bei ihm bleibt es letztendlich eine unaufgelöste Spannung.

Die Spannung besteht in dem Gegenüber von einem verantwortungsvollen und gelingendem Leben im hier und jetzt auf der einen Seite und auf der anderen Seite ein Leben mit einer gewissen Distanz und Gelassenheit gegenüber dieser vergänglichen Welt, weil wir wissen, dass das Beste noch kommt. In gewisser Weise wird für mich diese Spannung in dem berühmten Luther Zitat deutlich: „Auch wenn ich wüßte, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Auch wenn wir wissen, dass das Jetzige vergeht, sollen wir trotzdem das Jetzt intensiv leben und gestalten.

Problematisch bei Paulus finde ich, dass seine Worte diese Spannung eher in Richtung Zukunft auflösen wollen. Das Jetzige scheint kaum zu zählen, kaum wichtig zu sein, wir sollen so leben, als ob das Jetzt keine große Rolle mehr spielt. Wer ein Apfelbäumchen hat, der soll so leben, als hätte er keins. Aber dann kann ich’s ja auch gleich bleiben lassen: Warum soll ich ein Apfelbäumchen pflanzen, wenn ich sowieso so leben soll, als hätte ich keins? Da ist mir dann doch Luther lieber, da bleibt zwar die Spannung bestehen, aber so bekommt wenigstens sowohl das Jetzt wie auch das Morgen sein Gewicht.

Oder versteh ich Paulus da falsch?

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Foto: Wolfgang Jürgens / pixelio.de

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