1. Korinther 7, 10-16 – Wieviel Gesetzlichkeit verlangt Jesus?

Ehescheidung ist heute auch unter Christen fast schon normal. Auch in den frömmsten Gemeinden kommt es vor. Keiner freut sich darüber und doch wird es voller Verständnis geduldet. Wie gehen wir jetzt aber mit solchen eindeutigen Geboten um, wie sie hier Paulus in Berufung auf Jesus selbst weiter gibt: Verheiratete Christen sollen sich nicht scheiden lassen? Jesus begründet dieses Verbot mit dem Ausspruch: Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden (Matthäus 19,6).

Ich muss zugeben, dass ich an der Stelle immer wieder von neuem ratlos bin. Ich kenne natürlich viele Argumente und theologische Kniffe, mit denen man dieses Gebot entschärfen kann. Aber werden wir damit dem Anspruch Jesu gerecht? Das Gebot Jesu ist eigentlich klar und eindeutig. Da gibt es nicht viel zu interpretieren: Ehescheidung ist ganz einfach nicht okay. Andererseits haben diejenigen Christen meine volle Unterstützung, die nach vielen Verletzungen und Kämpfen eingestehen müssen, dass eine Scheidung das kleinere Übel für alle Beteiligten darstellt. Warum zwei Menschen aneinanderketten, wenn sie täglich von neuem tödliche Stiche ins Herz des anderen verstetzen und es aussichtslos erscheint, dass sie jemals wieder ein „normales“ Zusammenleben erreichen werden?

Wieviel Gesetzlichkeit verlangt Jesus von uns? Das Gebot ist klar. Aber müssen wir jedes Gebot auf Biegen und Brechen erfüllen? Andererseits lässt sich im Namen der Liebe (bzw. der Bequemlichkeit die oft dahinter steckt), so ziemlich jede Herausforderung und Anforderung der Bibel irgendwie kleinreden. Interessant bei der Stelle im Korintherbrief ist ja, das Paulus das Gebot Jesu weitergibt, aber dann auch gleich eine Einschränkung von seiner Seite hinzufügt: Wenn man mit einem Ungläubigen verheiratet ist und der will sich scheiden lassen, dann ist das in Ordnung. Da durchbricht er ja selbst die kompromisslose Gesetzlichkeit dieses Gebotes. Dürfen auch wir einfach weitere Einschränkungen hinzufügen, die uns heute angemessen erscheinen, oder durfte das nur der Apostel und Bibelschreiber Paulus?

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