1. Korinther 6, 12-20 – Sind sexuelle Sünden besonders schlimm?

„Alles ist erlaubt.“ (1.Kor.6,12) – Das war wohl ein Schlagwort mancher Korinther, mit dem sie so manche sexuelle Ausschweifung begründet haben. Dahinter steht eine falsch verstandene christliche Freiheit. Einige Korinther hielten offenbar den außerehelichen Geschlechtsverkehr für nicht problematisch, da das ja nur den Leib betrifft und nicht den Geist. Sie dachten: So wie der Leib das Bedürfnis nach Essen und Trinken hat, so hat er halt auch sexuelle Bedürfnisse, die befriedigt werden müssen. Das Problem hierbei ist eine dualistische Weltsicht: eine Trennung zwischen Leib und Geist. Das kann zu der Auffassung führen, dass Christus ja unseren Geist erlöst hat und dass es dann egal ist, was mit unserem Leib passiert. Das sind dann ja nur materielle Dinge, die irgendwann vergehen und die mit unserm geistlichen Leben nichts zu tun haben.

Dagegen betont Paulus, dass auch der Leib dem Herrn gehört. Wir werden wie Christus eine leibliche Auferstehung erleben – deswegen müssen wir auch auf unseren Leib achten. Dabei unterscheidet Paulus noch einmal zwischen „Bauch“ und „Leib“. Mit dem Bauch ist die irdische und materielle Seite des Leibes gemeint. Diese Seite wird vergehen. Deswegen sind auch bestimmte Speisegebote für uns Christen unwichtig. Aber zugleich haben wir nicht nur einen Leib, sondern sind als ganze Person auch Leib – und in dieser Einheit von Leib, Seele und Geist werden wir auferstehen. Deswegen gilt auch für den Leib die grundsätzliche Regel, dass alles erlaubt ist, dass aber nicht alles unserem Glauben und unserer Gemeinschaft mit Gott gut tut.

Was mich an dem Text nervt ist ist V.18: „Alle Sünden, die der Mensch tut, bleiben außerhalb des Leibes; wer aber Hurerei treibt, der sündigt am eigenen Leibe.“ Das hört sich so an, als ob Paulus hier die Sünden gewichtet und sagt, dass sexuelle Sünden besonders schwer wiegen, weil sie auch den Leib betreffen. Müssen wir also doch unterscheiden zwischen schlimmen sexuellen Sünden und weniger schlimmen anderen Sünden?!? Ich glaube nicht. Denn wenn man die Stelle genau betrachtet, dann nimmt Paulus keine Gewichtung vor, sondern er sagt nur dass die Unzucht – sehr viel stärker als andere Sünden – den Leib betrifft. Die Hoffnung für alle übersetzt folgendermaßen: „Denn mit keiner anderen Sünde vergeht man sich so sehr am eigenen Körper wie mit sexueller Zügellosigkeit.“ Damit ist noch nicht gesagt, welche Sünden „schlimmer“ sind: Diejenigen die den Leib betreffen oder die anderen. Zum anderen können wir bei Jesus beobachten, dass er die Heuchelei und Gesetzlichkeit der Pharisäer sehr viel schärfer kritisiert hat, als die sexuellen Sünden der Dirnen und Ehebrecher.

Egal welche Sünde: Sie schadet mir und meinem Verhältnis zu Gott. Und je mehr ich es schaffe, Sünde zu vermeiden (in welchem Bereich auch immer) – desto besser für mich und andere! Zugleich gilt aber auch: Jede Sünde, und sei sie in unseren Augen noch so schlimm, kann von Gott vergeben werden.

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